Der Koh-i-Noor: mehr als ein Diamant (Krönungsspecial, I)

Der Koh-i-Noor (“Berg des Lichts”) ist einer der bekanntesten Diamanten der Welt, und viele Legenden ranken sich um ihn. Er gehörte Herrschern im heutigen Iran, Afghanistan und Indien. Seit dem 19. Jahrhundert befindet sich der Koh-i-Noor in Großbritannien, wo er erneut geschliffen wurde und als besonderes Schmuckstück sogar Bestandteil von Kronen britischer Königinnen. Diese Miniserie beleuchtet die Geschichte des berühmten Diamanten.

Krönungen – Kronen mit Diamanten

In den letzten Monaten gab es gleich zwei Krönungen in Europa: Charles III. wurde am 6. Mai 2023 zum König des Vereinigten Königreiches und Irland gekrönt, Frederick X. ist seit dem 14. Januar 2024 neuer König von Dänemark. In Dänemark gab es – anders als in Großbritannien, – keine aufwändige Krönungszeremonie, sondern es erfolgte nur eine Proklamation – eine Ernennung. Seit 1849 werden die Königinnen und Könige von Dänemark nicht mehr offiziell gekrönt. Die Kronen und andere Herrscherinsignien befinden sich in Schloß Rosenborg in Kopenhagen. Ganz anders in Großbritannien, wo Charles in der in einer großen Zeremonie den Thron bestieg und mit einer prunkvollen Krone gekrönt wurde. Die britischen Kronen sind mit den größten, glamourösesten und bekanntesten Diamanten der Welt geschmückt – darunter mit dem Koh-i-Noor.

Der Koh-i-Noor in Indien

Nicht nur in Indien wurden und werden Diamanten als Schmuckstücke und Werkzeuge geschätzt und ihnen wird ein hoher Wert zugeschrieben. Schon im alten Ägypten wurden Diamanten aufgrund ihrer Härte zum Schleifen von Werkzeugen verwendet. Seit der Antike steht die Schönheit der Steine als Schmuckstücke im Mittelpunkt. Ein interessanter Fakt ist, dass bis ins 18. Jahrhundert hinein alle bekannten Diamanten aus Indien kamen. Im 17. Jahrhundert entdeckte man auf der Insel Borneo Diamanten. Die britische East India Company (Ostindien-Kompanie) begann schon bald gezielt, diese Diamanten zu schürfen und mit ihnen zu handeln. Die Briten förderten zunächst Diamanten auf Borneo, bevor sie sich später mit den indischen Diamanten beschäftigten. 1725 wurden große Diamantvorkommen im heutigen Brasilien entdeckt, sodass auch dort große Diamantenminen entstanden.

Woher kam der Koh-i-Noor?

In Indien wurden Diamanten in den Sanskrit-Schriften des Hinduismus, die teilweise 5000 Jahre alt sind, erwähnt. Dort ist von Diamanten die Rede, die so groß sind wie Hühnereier und um die sich selbst die Götter stritten. Der Koh-i Noor gehört zu diesen legendären großen Diamanten aus den Sanskrit-Schriften.

Wie so oft bei historischen Themen haben wir nur wenige Informationen zu den exakten Ereignissen, Beteiligten oder Daten zum Thema Koh-i-Noor. Bekannt ist, dass viele äußerst große Diamanten aus Vijayanagara, der Hauptstadt des historischen südindischen Vijayanagara Reiches, stammten. Dieses Reich unterhielt Handelsbeziehungen zum muslimischen Mogulreich, das sich unter Bâbur (st. 1530) von Zentralasien über den indischen Subkontinent ausdehnte.

Es gibt aber auch Erzählungen, dass der Koh-i-Noor nicht über Handelsbeziehungen an den Mogulhof gelangt ist.

So berichtet bereits Bâbur in seinen Memoiren, dem Bâbur-nâma, dass er seinen ältesten Sohn Humâyûn aussandte, um seine Gegner endgültig zu besiegen. Der Raja von Gwalior, Bikramjit, soll mit seiner Familie nach Agra in das alte Fort geflohen sein, um dort Schutz vor den Moguln zu suchen. Doch Humâyûn spürte Bikramjit dort auf, tötete ihn und seine Familie aber nicht. Aus Dankbarkeit übergab Bikramjit seinen großen Schatz an Juwelen und Edelsteinen “freiwillig” an Humâyûn. Darunter, so schrieb Bâbur, sei auch ein außerordentlich großer Diamant gewesen, den Bikramjit von ‘Alâ ud-Dîn Khiljî (st. 1316) dem Herrscher des Delhi Sultanats erworben haben soll. Dieser Diamant sei “so wertvoll wie die Hälfte der Ausgaben der ganzen Welt an einem Tag” gewesen. Bâbur, so geht die Legende weiter, sei so bewegt von Humâyûns Loyalität gewesen, dass er ihm den Diamanten als Geschenk zurückgab.

Der Koh-i-Noor in Persien?

Wir wissen natürlich nicht, ob dieser außergewöhnliche Diamant der Koh-i-Noor war. Was wir allerdings wissen, ist, dass Humâyûn kein starker oder erfolgreicher Herrscher war: schon bald nach Bâburs Tod verlor Humâyûn alle Gebiete Indiens, die sein Vater erobert hatte. Humâyûn war gezwungen, mit einigen seiner Getreuen zu fliehen. Erfolglose Versuche, sein Reich zurückzuerobern, ließen ihn an den Hof der persischen Safawiden fliehen. Großzügige Geschenke in Form von Juwelen oder Edelmetall an den Gastgeber sorgten dafür, dass Shâh Tahmâsp I. (st. 1576) die Gruppe aus Indien gerne an seinem Hof aufnahm. Der schiitische Herrscher erhoffte sich, seinen Einfluss bis Indien auszudehnen und stattete Humâyûn mit Truppen aus. Humâyûn schaffte es mit Tahmâps Unterstützung, sein Reich wiederherzustellen und an bei seinem Tod an seinen Sohn Akbar (st. 1605) zu vererben. Die Moguln waren sich durchaus bewusst, dass sie ihr Reich nur mithilfe der Unterstützung der Moguln zurück erhalten hatten. Es gibt die Legende, dass Humâyûn seine Edelsteine und andere Schätze normalerweise in einem Beutel unter seinem Turban trug. Nur zu den rituellen Waschungen, die vor dem islamischen Gebet (salât) vorgeschrieben sind, legte Humâyûn den Beutel beiseite – und vergaß ihn prompt. Ein ehrlicher Diener fand den Beutel und gab das wertvolle Stück an Humâyûn zurück (W. Dalrymple / A. Anand: Koh-i-Noor, S. 32).

Die Diamanten der Moguln

Mit Tahmâsps Hilfe – und mithilfe seiner Diamanten – konnte Humâyûn sein indisches Reich zurückerobern und an seinen Sohn Akbar (st. 1605) vererben. Tahmâsps Unterstützung soll Humâyun sich auch mit dem Koh-i-Noor erkauft haben. Tahmâsp behielt diesen wertvollen Stein aber nicht, sondern gab ihn als Dank an einen verbündeten Herrscher zurück – der Stein war wieder in Indien.

Bereits unter Akbar begannen die Moguln einen prunkvollen Lebensstil in ihren Forts zu führen, der sich immer weiter vom nomadischen Leben ihrer Vorfahren entfernte. Dazu zählten neben der Kleidung, der Ernährung und den vielen Feiern an Festtagen das Interesse an Schmuck und Edelsteinen. Akbar unter dem das Mogulreich seine größte Bedeutung erlangte, war bekannt für seine Bewunderung für Gold, Silber und allen Arten von Edelsteinen. Unter seiner Herrschaft kamen europäische Diamantenhändler an den Hof, um besondere Diamanten anzubieten. Ein berühmter Diamant war der Akbar Shâh Diamant – der allerdings bis heute auf mysteriöse Weise verschwunden ist.

Akbars Sohn Salîm, bekannt unter dem Herrschernamen Jahângîr (Dschahângîr; st. 1627), war besonders fasziniert von Edelmetall, Schmuck, Kleidung und Diamanten. Der britische Diplomat Sir Thomas Roe beschrieb das aus seiner Sicht exzentrische Auftreten Jahângîrs folgendermaßen:

Auf seinem Kopf trug er einen Turban, auf dessen einer Seite ein Rubin hing, der so groß war wie eine Walnuss, auf der anderen Seite ein ebenso großer Diamant. In der Mitte des Turbans war ein Smaragd, so groß wie ein Herz, oder noch größer. Seine Schultern, Nacken, Ellbogen und Handgelenke waren mit Ketten umspannt, die aus zwei bis drei Reihen Diamanten, Perlen und Rubinen bestanden. Jeder seiner Finger trug zwei bis drei Ringe.

Zusammenfassung und Übersetzung von Foster, William: The Embassy of Sir Thomas Roe to the Court of the Great Mogul, Vol. II, 322

Auch andere europäische Reisende beschrieben den Schmuck Jahângirs, den er am ganzen Körper trug und mit dem seine Kleidung bestickt war. Der flämische Diamantenhändler Jacques de Coutre (st. 1640) kommentierte: “Er trug so viele Juwelen, dass er wie eine (Götter-)Statue aussah”.

Der Koh-i-Noor befand sich wohl schon zu Akbars Lebzeiten am Mogulhof. Das ergibt sich aus Beschreibungen von Diamanten, deren Gewicht dem des Koh-i-Noor glichen. (A. Malecka: “Naming of the Koh-i-Noor”, S. 741). Zu dieser Zeit wurde der Diamant auch geschliffen.

Unter der Herrschaft von Jahângîrs Sohn Shâh Jahân war der Koh-i-Noor der glanzvollste Stein des Pfauenthrons des Herrschers.

Die Legende des Namens Koh-i-Noor

Das Reich der Moguln hatte bereits unter Akbar seinen höchsten Einfluss und seine größte Ausdehnung erreicht. Im Jahr 1739 eroberte Nâdir Shâh (st. 1747), Regent Persiens, zunächst Afghanistan und später unter anderem Delhi. Er nahm den Mogulherrscher Muhammad Shâh als Geisel, tötete Tausende Einwohner Delhis und nahm schließlich einen Großteil der Schätze der Moguln mit nach Persien. Darunter waren auch die beiden großen Diamanten Koh-i-Noor und Darya-i-Noor (“Ozean des Lichtes”).

Der Koh-i-Noor ging also wieder nach Persien…..

Die Legende um den Namen des Koh-i-Noor ist nicht aus den persischen Originalquellen zu erschließen, sondern kam erst im 19. Jahrhundert auf: Der britische Diplomat am Mogulhof, Sir Thomas Theophilus Metcalfe (st. 1853) berichtete folgendes:

Der letzte Mogulherrscher Muhammad Shâh trug den Koh-i-Noor eingeschlagen in seinen Turban ständig auf seinem Kopf. Deshalb war der Diamant Nâdir Shâh selbst während der 57 Tage Belagerung Delhis nicht aufgefallen. Eine von Muhammad Shâhs Kurtisanen, Nûr Bai, berichtete Nâdir Shâh jedoch von dem Koh-i-Noor und seinem Aufbewahrungsort. Nâdir Shâh brachte Muhammad Shâh dazu, die Turbane zu tauschen – als Geste der Freundschaft und Brüderlichkeit. Dieses war eine Geste, die Muhammad Shâh nicht ablehnen konnte….

Als Nâdir Shâh seinen neuen Turban aufwickelte und den großen Diamanten erblickte, rief er aus: “Ein Berg des Lichts” (Koh-i-Noor).

Der Name des vielleicht berühmtesten – oder wie Dalrymple sagt: berüchtigsten – Diamanten der Welt war geboren.

Bildnachweis:

Das Beitragsbild zeigt den Koh-i-Noor als Teil der Krone von Queen Mary. Es ist Public Domain. Cyril Davenport (1848 – 1941), Public domain, via Wikimedia Commons.

Literaturhinweise:

Dalrymple, William / Anita Anand: The Koh-i-Noor: The History of the world’s most infamous diamond. Kindle Edition, 2018.

Foster, William: The Embassy of Sir Thomas Roe to the Court of the Great Mogul. Vol. II. London 1899.

Malecka, Anna: “Naming the Koh-i-Noor and the origin of Mughal-cut Diamonds”. The Journal of Gemmology 35 viii (2017), S. 738-751.

War Mayam uz-Zamânî Akbars christliche Ehefrau?

Kaum eine historische Figur am Mogulhof gibt so viele Rätsel auf wie Maryam uz-Zamânî , eine der vier Hauptfrauen des Mogulherrschers Akbars (st. 1605). Für viele Historiker war sie eine Hindu-Prinzessin aus Rajasthan, für andere eine christliche Portugiesin. Der Beitrag beleuchtet einige Quellen zum Thema.

Schaut man sich das Beitragsbild dieses Beitrages an, kann man ein Detail entdecken, das im Zusammenhang mit dem muslimischen Mogulhof Indiens überraschend ist: die Ehefrau des Mogulkaisers Akbar (st. 1605), Maryam uz-Zamânî (st. 1623) trägt auf dem Gemälde eine Halskette mit einem Kreuz. War Maryam uz-Zamânî, die Mutter des Thronfolgers Salîm (als Herrscher Dschahângîr, st. 1627) also eine Christin?

Dieser Beitrag beleuchtet einige Quellen zu dem Thema. Zunächst einmal zum Beitragsbild: das Porträt von Akbar und Maryam uz-Zamânî wurde noch zu Akbars Lebzeiten gezeichnet, lag allerdings nur als Skizze vor. Die Farben des Bildes wurden erst später hinzugefügt. Das Bild wurde 1916 als Teil eines Forschungspapiers von Pastor Hosten veröffentlicht. Dieser hatte sich selbst eingehend mit der Frage der Religion Maryam uz-Zamânî beschäftigt.

Sowohl in der historischen Forschung über das Mogulreich als auch in der populären Kultur wird Maryam uz-Zamânî als hinduistische Frau dargestellt, die als Tochter des Rajas von Ambar mit dem siegreichen Mogulherrscher Akbar verheiratet wurde. In den beiden vergangenen Jahrzehnten wurde die Figur der Jodha Bai als Hindu-Prinzessin populär: Sowohl der Film Jodhaa Akbar von Ashutosh Gowariker aus dem Jahr 2008 als auch die Serie Jodha Akbar von Ekta Kapoor (2013-2015) stellen Jodha als Hindu-Prinzessin dar. Sie wird – so Film und Serien – gegen ihren Willen aus politischen Gründen mit Akbar verheiratet, verliebt sich später dann in ihren Mann.

Neue Erkenntnisse? Das Buch von Luis Assis de Correira

2017, also fast zehn Jahre nach Erscheinen des Films Jodhaa Akbar und zwei Jahre nach Ende der Serien Jodha Akbar veröffentlichte Luis Assis de Correira sein Buch “Portuguese India and Mughal relations (1510-1735)” (Portugiesisches Indien und die Beziehung zu den Moguln).

In dem Buch schreibt Correira, dass Jodha Bai keine Hindu-Prinzessin gewesen ist, sondern eine portugiesische Christin. Correira schreibt weiter, dass der wahre Name von Maryam uz-Zamânî Maria Mascarenhas gewesen sei.

Die Legende von Maria Mascarenhas, Akbars christlicher Frau

Correira untersucht in seinem Buch Quellen über Portugiesisch-Indien, das ab etwa 1500 entstand. Die Politik der portugiesischen Krone sei es gewesen, junge Frauen, die in Portugal keine Familie (mehr) hatten, mit Händlern oder Beamten in den Kolonien zu verheiraten. Aus diesem Grunde sei auch Maria Mascarenhas zusammen mit ihrer Schwestern Juliana mit einem Schiff von Portugal nach Indien aufgebrochen. Während dieser Reise sei das Schiff jedoch von Piraten überfallen worden, und die beiden portugiesischen Schwestern Maria und Juliana seien verschleppt worden. Schließlich gelangten sie an den Hof von Bahâdur Schâh, dem Herrscher des islamischen Sultanats von Gujarat.

Der Sultan von Gujarat musste sich sowohl gegen die Portugiesen als auch gegen die Mogulherrscher behaupten. Um Akbar zu beschwichtigen und den Mogulherrscher in seinem Machtanspruch zu bestärken, überreichte der Sultan von Gujarat ihm die portugiesischen Schwestern als Geschenk. Obwohl es hier einiges zur Rolle von Frauen und zum Menschenhandel zu sagen gäbe, soll dieses Thema hier nicht diskutiert werden.

Juliana und Maria Mascarenhas in Akbars Harem

Nach Correiras Version nahm Akbar das Geschenk des Sultans von Gujarat an. Juliana und Maria wurden in Akbars Harem aufgenommen. Laut Correira verliebte sich der etwa 18-jährige Akbar in die etwa gleichaltrige Maria. Die beiden heirateten, Maria erhielt den Namen Maryam uz-Zamânî (Maria des Zeitalters) und brachte den Thronfolger Salîm (also Akbars Nachfolger, starb1627) zur Welt.

Maria Mascarenhas‘ Schwester Juliana lebte zunächst unverheiratet in Akbars Harem. Sie war als Ärztin für die Frauen, Kinder und hijras im Harem zuständig. Aus welchem Grund Juliana als Ärztin tätig war beziehungsweise, ob sie medizinisch vorgebildet war, ist nicht bekannt.

Correira führt in seinem Buch weiter aus, dass es für die portugiesischen Katholiken undenkbar war, dass eine christliche Frau in einem muslimischen Harem lebte. Zudem sei es auch für die Moguln unvorstellbar gewesen, eine europäische Christin als Ehefrau des Herrschers zu akzeptieren – europäische Soldaten hatten schließlich seit den Kreuzzügen im 12. Jahrhundert gegen Muslime gekämpft. Aus den genannten Gründen, so schreibt Correira, habe man die Legende der hinduistischen Jodha Bai gegeben.

In der Tat ist es so, dass es in den persischen Quellen der Moguln keine belastbaren Aussagen darüber gibt, welche Herkunft Maryam uz-Zamânî hatte. Die Auskunft, dass es sich um die rajputische Hinduprinzessin Jodha Bai handelte, entstammte britischen Quellen. Auch Dschahângîr erwähnt immer nur sehr indirekt, dass Maryam uz-Zamânî seine Mutter ist. Beispielsweise erwähnt er, dass die Hochzeitsfeierlichkeiten seiner Söhne in den privaten Räumen von Maryam zu-Zamânî abgehalten wurden. In seinen Memoiren ist die Beschreibung von Maryams Tod im Jahr 1623 eher emotionslos gehalten. Maryam uz-Zamânî wurde in einem Grab bestattet, das Dschahângîr für sie errichten ließ – sie wurde nicht, wie bei Hindus üblich, verbrannt. In ihrem Grab fanden sich aber auch keine Hinweise, dass Maryam

Correira schreibt, dass also, dass die Portugiesin Maria Mascarenhas ihr gesamtes Leben ab dem 17. Lebensjahr in Akbars Harem verbrachte. Problematisch ist, dass Correiras Version der Geschichte einige Unstimmigkeiten und Fehler gibt: Er gibt als Herrscher des Sultanats von Gujarat Bahâdur Schâh an. Dieser wurde allerdings bereits 1537 ermordet – und damit bereits knapp zwanzig Jahre bevor Akbar überhaupt zum Herrscher des Mogulreiches wurde.

Letztlich fehlen bis heute die historischen Beweise, dass Maryam uz-Zamânî eine portugiesische Christin war.

Über Maria Mascarenhas Schwester Juliana Mascarenhas gibt es weitere interessante Informationen – der weiteren Quellenlage nach heiratete sie einen französischen Adeligen aus dem Geschlecht der Bourbonen, den es auf abenteuerliche Weise nach Indien verschlug. Doch das wird Thema eines weiteren Beitrages.

Literatur:

Neben dem oben erwähnten Buch finden sich Hinweise auf die Geschichte der christlichen Maryam uz-Zamânî in den folgenden Büchern:

Prince Michael of Greece: The Raja of Bourbon. Delhi: Roli Books, 2010.

Iyer, Indira: The Bourbons and Begums of Bhopal. New Delhi 2018.

Das Rote Fort in Agra: Akbars Herrschaftssymbol

Neben dem Taj Mahal ist das Rote Fort die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Mogulzeit in Agra im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Der Mogulkaiser Akbar der Große (starb 1605) machte Agra zu seiner wichtigsten Hauptstadt und das Rote Fort zum Symbol seiner Macht.

Agra wird Hauptstadt des Mogulreiches

Wie Millionen Touristen in jedem Jahr habe ich 1999 eine Bustour von Delhi nach Agra unternommen, um das Taj Mahal zu besichtigen. Bevor wir jedoch zur “Krone der Paläste” fuhren, steuerten wir zunächst das Rote Fort an, das sich in nur 2,5 Kilometer Entfernung vom Taj Mahal befindet. Dieses Bauwerk hat mich sehr beeindruckt, und es ist deutlich, warum das Rote Fort eines der Machtsymbole des Mogulreiches war.

Als der erste Mogulherrscher Bâbur (starb 1530), der Großvater Akbars, die Region um Agra von der Lodî-Dynastie erobert hatte, machte er Agra zu einer der wichtigsten Städte des Reiches. Er übernahm als Regierungssitz das Fort aus Lehmziegeln, das neben einigen anderen Gebäuden schon bestand. Es ist allerdings nicht ganz klar, wie alt diese Anlage schon war.

In den folgenden Jahrzehnten machte der dritte Mogulherrscher Akbar (st. 1605) Agra zu seiner Hauptstadt. Zunächst ließ er einen Stufenbrunnen (Hindi: baoli) errichten. Nach und nach verstärkte er das Fort und baute dort mehrere neue Paläste. Als Architekten bestellte er Qâsim Mîr Khân Barr-o-Bahr, der die zahlreichen Handwerker beaufsichtigte.

Akbars berühmter Hofberichterstatter, sein Sekretär Abû l-Fazl (st. 1602) schrieb zur Entwicklung der neuen Stadt Agra folgendes:

Seine Majestät machte Agra zur Hauptstadt des Reiches. Im dritten Jahr seiner Herrschaft machte er die Zitadelle, die vormals als Badalgarh bekannt war, zu seiner Residenz. Er fügte verschiedene Viertel zur Unterbringung der Eliten des Reiches hinzu, sodass der Palast zu einem Zentrum von Wohlstand, Glück und Reichtum wurde. Durch die Aufmerksamkeit seiner Majestät wurde Agra zum Schmuckstück der sieben Klimata (= der ganzen Erde, C.P.). Die Stadt hat ein gesundes Klima, die Hitze und die Kälte sind in der jeweiligen Saison gemäßigt. Die Erde ist besonders fruchtbar für die Bäume und die Früchte aus Khorasan und dem Irak. Der Fluss (der Jamuna) hat nur wenige Rivalen in Bezug auf seine Helligkeit und seinen Geschmack. Er fließt in der Mitte von Agra. Auf beiden Seiten des Flusses haben sowohl der Adel als auch die Diener des Staates Gebäude von solcher Schönheit und Eleganz gebaut, dass man sie nicht beschreiben kann. Mit all diesen schönen Gebäuden und den ansprechenden Vorstädten wurde Agra zur Hauptstadt des Reiches. Die Zitadelle (= das Rote Fort, C.P.) wurde von nun an Daulat Khâna, Haus des Wohlstandes, genannt.

Die Baumaßnahmen zogen sich über mehr als sieben Jahre hin, nämlich von 1567 bis 1573. In dieser Zeit wurde das Fort mit 22 Meter hohen Mauern umgeben, die sich über mehr als 2,5 Kilometer erstrecken. Als Baumaterial verwendete man nach Akbars Anweisungen Ziegelsteine verwendet, sie mit roten Sandsteinplatten aus Rajasthan verkleidet wurden – daher der Name “Rotes Fort”.

Wie von Abû l- Fazl erwähnt, ließ Akbar zahlreiche Paläste erbauen, von denen er viele auch selbst nutzte. Leider sind viele der Gebäude, die von Akbar errichtet wurden, nicht mehr erhalten. Akbars Enkel Schâh Dschahân, der das Taj Mahal erbauen ließ, erneuerte und renovierte viele der Bauten, die von Akbar errichtet wurden. Dabei änderte er den Stil der Gebäude entscheidend: Wie bereits erwähnt, nutzte Akbar als Baustoff roten Sandstein, während Schâh Dschahân vornehmlich weißen Marmor verwendete.

Besonders wichtige Gebäude, die Akbar errichten ließ, waren der Diwân-i Âm, die Audienzhalle, in der Akbar seine allgemeinen Audienzen abhielt. Dort hielt er auch rechtliche Verfahren ab. Die Quellen berichten, dass er dabei nicht auf seinem Thron saß, sondern vor den Menschen stehend seine Urteile verkündete. Im Diwân-i khâss, der privaten Audienzhalle, traf Akbar mit seinem Hofstaat und den wichtigsten Würdenträgern zur Beratung zusammen. Die beiden Audienzhallen sind heutzutage nur noch in der von Schâh Dschahân erbauten Version erhalten.

Dschahângîrî Mahal im Roten Fort

Der Dschahângîrî Mahal (Palast Dschahângîrs)

Eines der wenigen Gebäude, das aus Akbars Regierungszeit erhalten geblieben ist, ist der Dschahângîrî Mahal, der Palast, der nach Akbars ältestem Sohn und Erben Salîm, der als Herrscher Dschahângîr benannt wurde.

Akbar ließ den Palast für diejenigen Frauen seines Harems erbauen, die nicht zum Islam konvertiert waren, sondern weiterhin Hindus blieben. Dieses betraf vor allem Frauen der Rajputen, die nach Akbars Sieg über Rajputen-Herrscher mit dem Mogulkaiser verheiratet wurden. Diese Frauen waren zwar mit Akbar verheiratet, zählten aber nicht zu seinen Hauptfrauen. Eine Ausnahme bildete Maryam uz-Zamânî, auch bekannt als Jodha. Sie war die Tochter des Rajas von Amber und die Mutter von Prinz Salîm (Dschahângîr). Als solche wird sie aber nicht im Dschahângîrî Mahal, sondern in unmittelbarer Nähe des Herrschers gewohnt haben. Architektonisch enthält der Palast Dschahângîrs keine Elemente der islamischen Artitektur, sondern typische Elemente der Kunst und Architektur Rajastans. Dieses ist ein weiterer Beleg dafür, dass in Akbars “Hindustan” islamische und hinduistische Elemente nebeneinander stehen konnten oder sich vermischten.

In Fatehpur Sikri, einer der anderen seiner Hauptstädte, ließ Akbar für Jodha einen eigenen Palast errichten – doch von diesem werde ich in einem anderen Beitrag berichten.

Literatur:

Zur muslimischen Architektur Agras ist vor allem das folgende Werk interessant, da der Autor die Bauwerke im 19. Jahrhundert beschrieb, als sie noch besser erhalten waren und noch nicht durch die Briten eine andere Funktion erhalten hatten.

Syad Muhammad Latif: Agra Historical & Descriptive: With an Account of Akbar and his Court and of the Modern City of Akbar. Calcutta 1896.

Bildnachweis:

Beitragsbild:

Das Beitragsbild zeigt die Mauern des Roten Forts: A.Savin, WikiCommons.

Bild des Dschahângîrî Mahal: Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons.

Münzen, Melonen und Ziegenfleisch – Geschenke am Mogulhof (Weihnachtsspecial 2022)

Weihnachten ist heutzutage im christlichen Kontext der Höhepunkt des Austausches von Geschenken. Vieles ist gesagt über Erwartungen, die mit Geschenken verbunden werden, über die Art und Weise des Präsentierens und den”richtigen” Wert des Geschenkes und des Gegengeschenkes. Fakt ist, dass bei fast jedem Geschenk auch ein Gegengeschenk oder eine Gegenleistung erwartet wird.

Im islamischen Kontext werden ebenfalls zu den höchsten religiösen Festlichkeiten, dem Opferfest und dem Fest des Fastenbrechens, Geschenke ausgetauscht.

Die Herrscher des indo-muslimischen Mogulreiches verfügten über unschätzbare Reichtümer in Form von Edelmetallen, Edelsteinen, Juwelen oder Gewürzen. Sie waren nicht nur als Handelsgüter beliebt, sondern auch als Geschenke. Hier sind die Aufwiegezeremonien von besonderer Bedeutung: der Herrscher beziehungsweise der Thronfolger ließen sich an ihrem Geburtstag gegen Edelsteine, Gold und andere Kostbarkeiten aufwiegen und verschenkten anschließend alles an den Hofstaat und die Bevölkerung.

Bâbur (st. 1530), der erste Mogulherrscher, der nachhaltig Gebiete in Indien eroberte, schickte nach der entscheidenden Schlacht von Panipat 1526 Geschenke an seine Familie im afghanischen Kabul. Außerdem verteilte er Geschenke an die Handwerker und Künstler, die seine neue Hauptstadt in Agra errichteten.

“Menschliche Geschenke”?

Bâbur verteilte nicht nur Geschenke, sondern erhielt natürlich welche – die aus heutiger Perspektive durchaus sehr fragwürdig sind: von einem einflussreichen Kaufmann erhielt er zwei tscherkessische Sklavinnen. Von Bâburs Enkel Akbar (st. 1605) ist bekannt, dass ihm mehrfach “vertrauenswürdige Eunuchen” geschenkt wurden. Gemeint sind wahrscheinlich die hijras, die im Harem wichtige Aufgaben erfüllten und durchaus zu politischer Macht gelangen konnten. Es ist nicht zu leugnen, dass am Hof der Moguln die Sklaverei alltäglich und Menschenhandel (“Human Trafficking”) üblich war, sodass “menschliche Geschenke” keine Seltenheit waren.

Forderung nach besonderen Geschenken

Das Überreichen eines Gastgeschenkes an den Gastgeber oder auch Mitbringsels ist ja in vielen Kulturen üblich. Akbar machte Gastgeschenke zu einer Bedingung für das Vorsprechen bei Hofe: wollte jemand den Herrscher in einer Audienz in einer bestimmten Angelegenheit sprechen, musste er bzw. sie Akbar zunächst ein Gastgeschenk überreichen. Noch anspruchsvoller war Akbars Sohn und Nachfolger Salîm / Jahângîr (st. 1627). Dieser verlangte nicht nur kostbare Geschenke von den Besucherinnen und Besuchern des Hofes, sondern verzeichnete diese Geschenke auch in langen Listen. Was wurde denn einem – bekanntermaßen äußerst reichen Herrscher – als Geschenk dargeboten? Neben Gold- und Silbermünzen, Schmuck, Schwertern und juwelenbesetzten Dolchen, Manuskripten wurden auch Tiere wie Elefanten und Geparden verschenkt. Einmal soll Akbar von einer Delegation kostbare arabische Hunde als Jagdhunde gefordert haben.

Große Ansprüche – Geschenke innerhalb der Mogulfamilie

Für uns aus der heutigen Perspektive ist es zumindest ungewöhnlich, dass die innerhalb der Mogulfamilie Geschenke nicht (nur) auf freiwilliger Basis ausgetauscht wurden, sondern dass vor allem die Mogulprinzen Ansprüche an ihre Väter stellten, um gewisse Kostbarkeiten zu fordern. Jahângîr trennte sich wohl eher widerwillig von seinen Lieblingselefanten, die seinem Sohn Khurram (später Shâh Jahân) besonders gefielen. Khurram fragte seinen Vater wohl mehrfach nach diesen speziellen Elefanten, die mit goldenen Ketten festgebunden waren, welche ihren Wert noch weiter betonten. Schließlich gab Jahângîr nach und übergab die Elefanten an Khurram.

Jahângîrs älterer Bruder Parvaiz bat seinen Vater öfters um ein mit Juwelen besetztes Ehrengewand und eine Krone – auch dieser Wunsch wurde vom Mogulkaiser erfüllt.

Obst, Süßspeisen und Lebensmittel als Geschenke am Mogulhof

Wie die Quellen des Mogulhofes zeigten, mussten Geschenke nicht zwangsläufig von hohem materiellen Wert sein. Sehr beliebt als Gaben waren Süßigkeiten und Obst und andere Lebensmittel. Besonders Melonen besaßen einen hohen Stellenwert in der Mogulfamilie. Dieses liegt wahrscheinlich daran, dass es in Afghanistan, wo die Hauptstadt der Moguln zuvor angesiedelt war, keine Melonen gab.

Den britischen Diplomaten Sir Thomas Roe (st. 1644) irritierten Obst und Fleischgerichte als Geschenke des Herrschers Jahângîr sehr. Roe hielt sich als Gesandter des britischen Königs James I. am Mogulhof auf, wo er versuchte, Handelsverträge abzuschließen. Mit den ihm überreichten Geschenken war Roe offensichtlich nicht zufrieden – hatte er doch sicherlich mit kostbareren Gaben wie Gold und Juwelen gerechnet.

In seinen Briefen nach England berichtete Roe folgendes (Übersetzung aus dem Englischen von C.P):

Ich habe mich bereits aller meiner besten Dinge entledigt, um keine Lücke (im Geschenkefluss, C.P. aufkommen zu lassen. Bisher hat mir niemand etwas von Wert als Geschenk übergeben, außer Lammfleisch, Ziege und Schaf, und nein… kein entscheidender Wert.

Roe hatte nicht nur Kontakt zum Herrscher selbst, sondern auch zum mächtigen Minister (wazîr) Âsaf Khân. Dieser war nicht nur der Bruder von Jahângîrs Lieblings-Ehefrau Nûr Jahân, sondern auch der Vater von Mumtâz Mahal, der Frau, für^ die das Taj Mahall gebaut wurde.

Roe beklagte sich darüber, dass auch Âsaf Khân nur Obst, Eßbares und Getränke überreichte:

Er (i.e. Asaf Khân) lud mich zum Abendessen ein (ohne allerdings einen genauen Termin zu nennen. Er versprach mir, mit mir zusammen zu feiern und als Gefälligkeit mit mir Wein zu trinken. Also verließ ich das Treffen. Zwei Stunden später sandte er seinen Diener mit 20 Zuckermelonen als ein erstes Geschenk. Ohne Zweifel meinten sie, dass unser Glück in unserem Gaumen liegt – denn alles, was ich jemals von ihnen erhalten habe, war ess- oder trinkbar!

Wie wir seinen Briefen entnehmen können, war Roe auch erstaunt, wenn nicht sogar verärgert darüber, dass Jahângîr bei den Treffen der beiden gezielt nach bestimmten Dingen und Gütern als Geschenk fragte – was genau Jahângîr von dem Briten haben wollte, schreibt Roe nicht. Er berichtet aber, dass er dem Mogulherrscher klar klarmachte, dass es im westlichen Kulturkreis als unhöflich gilt, gezielt bestimmte Geschenke zu verlangen. Das hielt Jahângîr nicht davon ab, weiter danach zu fragen.

Letztendlich einigten sich Roe und Jahângîr trotz der Auseinandersetzungen um Geschenke auf weitreichende Handelsrechte für die Briten. Ob Roe auch noch wertvolle, nicht essbare Geschenke erhalten hat, ist unbekannt.

Der Beitrag beruht in wesentlichen Teilen auf den Ausführungen zu Geschenken in:

Mukhia, Harbans: The Mughals of India. Oxford et al. Blackwell, 2004.

Das Beitragsbild stammt aus dem Buch Pâdshâh-nâme (“Buch des Königs der Könige”) und zeigt, wie der Herrscher Jahângîr seinem Sohn Khurram (später sein Nachfolger Shâh Jahân) Schmuck für seinen Turban schenkt. Das Manuskript ist von ca. 1657. Das Bild unterliegt der Creative Commons License.

Die verborgene Prinzessin

In den letzten Jahren haben wir am Internationalen Frauentag immer eine Liste unserer Publikationen zu bedeutenden muslimischen Frauen veröffentlicht. Mit unseren Forschungen wollen wir zeigen, dass muslimische Frauen in der Vergangenheit oft über viel Einfluss und Handlungsspielraum in der von Männern dominierten Welt der Herrscherhöfe hatten.

Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht abereine Frau, deren Freiheit und Handlungsspielraum von einem Mann massiv eingeschränkt wurde: Zeb-un-Nisâ Begum (1638-1702). Der Mann, der sie schließlich mehr als 20 Jahren einsperrte, war ihr eigener Vater, der Mogulherrscher Aurangzeb ‘Alamgîr (st. 1707).

Zeb-un-Nisâs Vater Aurangzeb

Aurangzeb war der Urenkel des berühmten Mogulkaisers Akbar (st. 1605). Unter Aurangzebs Herrschaft hatte das Mogulreich seine größte Ausdehnung. Im heutigen Indien hat Aurangzeb einen denkbar schlechten Ruf. Ihm wird religiöser Fanatismus und Gewalt gegen andere Religionsgemeinschaften nachgesagt. So soll er die Zerstörung einiger Hindu-Tempel angeordnet haben, die “Kopfsteuer” (jizya) für Nicht-Muslime eingeführt und die Aufstellung hinduistischer Götterstatuen verboten haben. Außerdem ließ er wahrscheinlich mehrere Familienmitglieder hinrichten. Es ist durchaus glaubwürdig, dass Aurangzeb diese ihm vorgeworfenen Taten wohl wirklich begangen hat beziehungsweise diese in Auftrag gab. Eine Beurteilung der historischen Figur Aurangzebs steht jedoch noch aus. Doch zurück zu Aurangzebs Tochter Zeb-un-Nisâ.

Zeb-un-Nisâs Familie

Wie alle seine Vorgänger und Nachfolger hatte Aurangzeb mehrere Ehefrauen, namentlich bekannt sind uns vier. Seine Hauptfrau war seine erste Ehefrau Dilrâs Bâno Begum (st. 1657). Dilrâs Bâno gehörte zur Herrscherdynastie Persiens, den Safaviden. Die Moguln pflegten seit Akbars Vater Humâyûn enge Beziehungen mit den persischen Herrschern – schließlich hatte Humâyûn am Hof der Safaviden Zuflucht gefunden, nachdem er beinahe das ganze Mogulreich im Krieg verloren hatte. Die Ehe von Dilrâs Bâno und Aurangzeb war also ganz klar eine politische Entscheidung.

Die Quellen berichten leider nicht viel Persönliches über Dilrâs Bâno und ihr Leben an der Seite Aurangzebs. Schon kurz nach der Eheschließung verließen der Mogulprinz Aurangzeb und Dilrâs Bâno Agra und ließen sich in Daulatabad nieder, weil Aurangzeb zu diesem Zeitpunkt Vizekönig des Dekkan war.

Bereits neun Monate nach der Hochzeit brachte Dilrâs Bâno am 15. Februar 1638 ihr erstes Kind zur Welt: Zeb-un-Nisâ. Es folgten die Geburten von zwei weiteren Töchtern (Zînat-un-Nisâ und Zubdat-un-Nisâ) und zwei Söhnen (Muhammad ‘Azam Schâh und Sultân Muhammad Akbar). Nach der Geburt von Muhammad Akbar im Jahr 1657 erkrankte Dilrâs Bâno am Kindbettfieber, woran sie schließlich einen Monat später starb.

Zeb-un-Nisâ – Lieblingskind von Aurangzeb

Schon kurz nach ihrer Geburt wurde deutlich, dass Zeb-un-Nisâ Aurangzebs Lieblingskind war. Auf ihre Erziehung und Bildung legte ihr Vater besonderen Wert. Das betraf vor allem ihre religiöse Ausbildung. Wie üblich begann sie im Alter von etwa vier Jahren, den Qur’ân auswendig zu lernen. Mit sieben Jahren war sie eine Hafiza, sie beherrschte den gesamten Text des Koran auswendig. Ihr Vater ließ zu dieser Gelegenheit in Delhi große Feierlichkeiten ausrichten und Geld an die Bedürftigen verteilen.

Zeb-un-Nisâ bekam eine Lehrerin für Arabisch. Sie lernte die Sprache in vier Jahren und schrieb viele Verse auf Arabisch. Auch für Persisch wurde ihr ein Tutor zugeteilt. Er leitete sie beim Schreiben von Gedichten an. Mit dem Geld, das sie von ihrem Vater erhielt, lud sie berühmte Dichter an den Hof ihres Vaters ein.

Zeb-un-Nisâ wurde nicht nur in Literatur und Dichtung ausgebildet, sondern auch in Mathematik und Astronomie. Außerdem beherrschte sie die Kunst der Kalligraphie und kopierte viele Bücher.

Zeb-un-Nisâ’ wird erwachsen

Aurangzeb, der sich nach Darstellung der Quellen immer mehr zu einem strikt religiösen Menschen entwickelte, förderte seine älteste Tochter und hörte in vielen Angelegenheiten auf ihren Rat. Als Aurangzeb 1659 zum Mogulherrscher gekrönt wurde, war Zeb-un-Nisâ 21 Jahre alt. Sie durfte sogar an vielen Beratungen Aurangzebs mit seinem Hofstaat teilnehmen. Dort erschien sie immer verschleiert.

Zwischen Zeb-un-Nisâ und ihrem Vater kam es im Laufe der Zeit allerdings zu einigen Konflikten. Während Aurangzeb wie erwähnt ein striktes Bild vom Islam verfolgte, fühlte sich Zeb-un-Nisâ dem mystischen Islam verbunden. Deshalb verstand sie sich besonders gut mit ihrem Onkel Dârâ Schukoh (st. 1659), der ebenfalls ein islamischer Mystiker war. Von ihrem Großvater Schâh Dschahân war Zeb-un-Nisâ mit Dârâs Sohn Sulaimân Schukoh verlobt worden. Diese Ehe mit ihrem Cousin kam jedoch nicht zustande, weil Dârâ Schukoh von Aurangzeb als Hauptkonkurrent um den Mogulthron angesehen wurde. Aurangzeb ließ zunächst seinen ältesten Bruder Dârâ hinrichten und bestieg den Thron. 1662 wurde dann Sulaimân Schukoh hingerichtet.

Nach dem Tod Sulaimân Schukohs gab es weitere Bewerber, die Zeb-un-Nisâ heiraten wollten. Darunter waren auch einige hochrangige persische Prinzen. Eine Ehe kam jedoch nicht zustande.

Eine Affäre in Lahore?

1666 erkrankte Aurangzeb schwer, und seine Ärzte empfahlen ihm einen Ortswechsel. Der gesamte Hofstaat reiste daraufhin von Delhi nach Lahore. Dort traf Zeb-un-Nisâ auf ‘Aqîl Khân, den Sohn des Gouverneurs (Wazir) von Lahore. Einige Quellen berichten, dass Zeb-un-Nisâ und ‘Aqîl Khân eine kurze Beziehung hatten. Aurangzeb hat diese (angebliche) Affäre entdeckt und begann Zeb-un-Nisâ zu misstrauen. Einerseits holte er ihren Rat nicht mehr ein, andererseits missfiel ihm ihr Lebensstil und vor allem ihr Interesse an Poesie, Musik und islamischer Mystik. Vor allem aber schien er davon überzeugt, dass Zeb-un-Nisâ auf der Seite ihres jüngeren Bruders Muhammad Akbar stand, der gegen 1681 gegen den Vater rebellierte und dessen Absetzung forderte.

Zeb-un-Nisâs Gefangenschaft

Schließlich ließ Aurangzeb seine Tochter Zeb-un-Nisâ im Fort von Salimgarh am Rand des heutigen “Old Delhi” unter Hausarrest stellen. Dort lebte Zeb-un-Nisâ die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens. In dieser Zeit verfasste sie zahlreichte Verse und Gedichte unter ihrem Künstlernamen “Makhfî”. Bezeichnenderweise bedeutete der Name “Der/die Verborgene”.

Ihr Gedichtband (Diwân) wurde erst 1929 in Delhi gedruckt und bereits 1913 teilweise ins Englische übersetzt.

Während ihrer Gefangenschaft unterstützte Zeb-un-Nisâ weiterhin andere Dichter und wohltätige Zwecke – bis Aurangzeb ihr alle Geldmittel kürzte.

Zeb-un-Nisâs Tod

Nach über 20 Jahren Gefangenschaft starb Zeb-un-Nisâ 1701 nach einer kurzen Erkrankung. Ihr Vater Aurangzeb war zu diesem Zeitpunkt nicht in Delhi. Zeb-un-Nisâ wurde in einem Garten in der Nähe des Forts bestattet. Als die Briten ab 1858 anfingen, die Eisenbahn in Old Delhi zu bauen, wurde Zeb-un-Nisâs Grab in den Gräberkomplex um Akbars Mausoleum in der Nähe von Agra verlegt.

Zeb-un-Nisâ und ihr Talent leben in ihren Gedichten weiter.

Ihr Aussehen wird anhand der Quellen so beschrieben:

“Sie war groß und schlank. Ihr Gesicht war rund und hatte einen hellen Teint, mit zwei Leberflecken oder Schönheitsflecken auf ihrer linken Wange. Ihre Augen und ihr volles Haar waren schwarz, und sie hatte dünne Lippen und kleine Zähne. Im Museum von Lahore gibt es ein zeitgenössisches Portrait von ihr, das sich mit dieser Beschreibung deckt. Sie färbte sich nicht die Zahnzwischenräume Schwarz und färbte sich nicht ihre Wimpern, obwohl das zu ihrer Zeit Mode war. Ihre Stimme war so schön, dass sie, wenn sie den Qur’ân rezitierte, ihre Zuhörer zu Tränen rührte. Ihre Bekleidung war stets einfach und schmucklos; als sie älter wurde, trug sie immer weiße Kleidung, und ihr einziger Schmuck war ein Perlenhalsband. In ihrem Verhalten war sie sehr bescheiden, freundlich, geduldig und philosophisch in ihrem Umgang mit Problemen.”

Einleitung zur englischen Ausgabe ihres Diwan, S. 14.

Unsere Beiträge zum Thema Nouruz (Nouruz-Special 2021)

Susanne Kurz hat in diesem Blog schon einige Beiträge zum Thema Nouruz verfasst – einfach aus dem Grunde, dass sie es selbst auch feiert und uns alle an ihren Vorbereitungen des Festes teilhaben lässt.

Nouruz (Persisch: naurûz, Türkisch nevruz) bedeutet “Neuer Tag”. An diesem Tag, der in jedem Jahr auf den 20. oder 21. März fällt, wird der Beginn des Frühlings beziehungsweise des neuen Jahres gefeiert. Astronomisch ist es der Tag der Tagundnachtgleiche (Äquinox).

Als ich in Vorbereitung auf die Zusammenstellung unserer Beiträge noch einmal etwas zum Thema Nouruz gelesen habe, ist mir aufgefallen, dass sogar die Vereinten Nationen bereits 2010 diesen Tag zum “Internationalen Nouruz Tag” erklärt haben:

dass der Nouruz, der Tag der Frühlingstagundnachtgleiche, von mehr als 300 Millionen Menschen in der ganzen Welt als Beginn des neuen Jahres begangen und im Balkan, im Kaukasus, im Nahen Osten, im Schwarzmeerbecken, in Zentralasien und in anderen Regionen seit über 3.000 Jahren gefeiert wird

… und mit der weiteren Begründung, dass die UN die kulturelle Bedetuung und der Vielfalt des Nouruz Tages anerkennt. Dieses kann man HIER nachlesen.

Aber es soll ja hier sowohl um Praxis als auch Geschichte des Nouruz Tages gehen 🙂

Zum Fest allgemein und den Bräuchen :

… Und wieder naht Nouruz (2018)

Nouruz in der vorislamischen Zeit (anhand des Nouruz-Nama v. Omar Khayyam)

Susannes Mini-Serie zum Nouruz:

Teil 1: Erste Vorbereitungen

Teil 2: Nouruz in der Vorislamischen Zeit

Teil 3: Das Haft-Sîn-Special

Teil 4: Nach der muslimischen Eroberung

Und auch in Indien, vor allem im Mogulreich, wurde Nouruz gefeiert:

Nourouz, wie es bei Salîm / Dschahângîr gefeiert wurde

“Das wichtigste aller Feste” – Nouruz bei den Moguln

Und so wünsche ich allen, die Nouruz feiern,

Sal-e nou mubarak (“Ein gesegnetes neues Jahr”)

Das Beitragsbild habe ich aus unserem Archiv (Susanne Kurz)

So schwer wie Säcke voll Gold: die Aufwiegezeremonie am Mogulhof (Weihnachtsspecial 2020)

Bei der Aufwiegezeremonie ließen sich die Mogulherrscher gegen Gold, Silber und andere Kostbarkeiten aufwiegen – Ganze Säcke gefüllt mit wertvollen Dingen und mit Lebensmitteln wurden an die Untertanen verteilt.

Schon seit vielen Jahrhunderten ließen sich hinduistische Herrscher Indiens in Gold aufwiegen. Diese Zeremonie war als tulâdhâna bekannt. Als die muslimischen Mogulherrscher von Zentalasien aus Indien eroberten, übernahmen sie diesen Brauch. Einige Quellen sagen, dass schon der erste Mogul-Kaiser Bâbur (st. 1530) die Aufwiegezeremonie am Mogulhof einführte. In den Memoiren von Bâburs Enkel Akbar (st. 1605) finden wir eine ausführliche Beschreibung der Aufwieg- Zeremonien.

Das Aufwiegen (wazn) am Hof Dschahângîrs

Doch besonders umfassende Berichte haben wir aus der Zeit von Akbars Sohn Dschahângîr (st. 1627). Der englische Diplomat Sir Thomas Roe (st. 1644), der sich eine längere Zeit an Dschahângîrs Hof aufhielt, beschrieb die Feierlichkeit und die großen Reichtümer, gegen die Dschahângîr aufgewogen und die an die Bedürftigen verteilt wurden:

Der erste September war der Geburtstag des Königs, und die Feierlichkeiten des Aufwiegens, die ich besuchte, wurden in einem großen und wunderschönen Garten gefeiert. In der Mitte des Gartens befand sich ein mit Wasser gefülltes Viereck, an der Seite standen Blumen und Bäume. Auf einer Anhöhe wurde die Waage vorbereitet. Diese wurde in ein ein großes Gestell gehängt, die Waagschalen waren aus reinem Gold. An ihren Rändern waren sie mit Rubinen und Türkisen besetzt. Die Ketten der Waage waren aus massivem Gold, aber dennoch verstärkt mit Kordeln aus reiner Seide.

Die Adeligen des Hofes nahmen an der Zeremonie teil, sie saßen auf Teppichen, bis der König endlich kam.

Er (Dschahângîr) war bekleidet oder besser – beladen – mit Diamanten, Rubinen, Perlen und anderen kostbaren Eitelkeiten. So großartig! So ruhmreich! Ebenso überladen waren sein Schwert, sein Schild, sein Thron. Zudem sein Kopf, sein Nacken, seine Brust, Arme, Oberarme und seine Handgelenke. An jedem seiner Finger trug er zwei oder drei Ringe, die mit Ketten verbunden waren. Rubine so groß wie Nüsse, einige sogar noch größer, und Perlen so groß wie meine Augen konnten bewundert werden.

Plötzlich bestieg er (Dschahângîr) die Waagschalen und setzte sich wie eine Frau auf seine Beine. Dann wurden in die anderen Waagschalen viele Säcke mit Kostbarkeiten getan, um sein Gewicht zu erreichen. Diese wurden sechs mal ausgetauscht. Sie sagten, dass es sich um Silber handelt (….) , danach um Gold, Juwelen und Edelsteine. Allerdings habe ich nichts davon gesehen, und da es in Säcken war, könnten es auch Kieselseine gewesen sein.

Danach wurde Dschahângîr erneut aufgewogen, dieses Mal gegen kostbare Stoffe, die mit Gold durchwirkt waren und gegen Stoffe aus Seide und Leinen. Zumindest musste ich das so glauben, da die Stoffe in Bündeln waren. Zuletzt wurde der Herrscher gegen Lebensmittel wie Getreide und Butter aufgewogen. Diese wurden ebenfalls an die Bedürftigen verteilt.

In jedem Jahr ließ sich Dschahângîr mindestens zwei Mal aufwiegen: zu Beginn eines Sonnenjahres (das 365 Tage andauert) und zu Beginn eines Mondjahres (das 354 Tage hat) sowie an seinem Geburtstag und anderen außergewöhnlichen Gelegenheiten.

Dschahângîr lässt Khurram aufwiegen

In Dschahângîrs Memoiren, dem Dschahângîr-nâma (“Nachrichten über Dschâhângîr”) findet sich ein Bericht über die Aufwiegezeremonie von Prinz Khurram, dem späteren Mogulherrscher Schâh Dschahân (st. 1666).

Khurram, der später für seine Frau Mumtâz Mahal das Tâj Mahal erbauen ließ, war der Lieblingsenkel seines Großvaters Akbar, mit seinem Vater Dschahângîr war das Verhältnis eher schwierig.

Als Khurram kurz vor seinem sechzehnten Geburtstag im Mondjahr stand, veranstaltete Dschahângîr ein Aufwiegefest für seinen Sohn. Ein Grund war, dass das Horoskop für Khurram laut der Hofastrologen ungünstig für das kommende Jahr war. Zudem kränkelte Khurram.

Zu diesem Zeitpunkt hielt die Familie sich in Kabul auf, und Dschahângîr veranstaltete die Aufwiegezeremonie im Haus Khurrams im Orta Bagh (“Garten”). Khurram wurde bei der Zeremonie gegen Gold, Silber und andere Metalle aufgegwogen, und das Gold wurde an die Bedürftigen verteilt.

Als Khurram später zum Mogulherrscher Schâh Dschahân wurde, führte er die Tradition der Aufwiegezeremonien weiter. Nachdem seine Tochter Dschahânâra Begum sich von ihren schweren Brandverletzungen erholt hatte, ließ er sie gegen Gold und andere Metalle aufwiegen.

Obwohl Thomas Roe argwöhnisch meinte, dass Dschahângîr nicht wirklich gegen Gold und Edelsteine aufgewogen wurde, gibt es daran aufgrund der Reichtümer der Moguln keinen Zweifel.

Literatur:

Jahangir. The Jahangirnama : memoirs of Jahangir, Emperor of India / transl., ed. and annotated by Wheeler M. Thackston. Oxford: OUP, 1999, S. 81.

Beitragsbild:

“Dschahângîr lässt Khurram (später Schâh Dschahân) aufwiegen”

Mughal Style, Public domain, via Wikimedia Commons

Der Wazwan in Kaschmir: Kulinarisches Festmahl und kaschmirische Lebensart

Kashmiriyat, so nennen die Kaschmiris ihre Lebensweise. Sie bezeichnet nicht nur das traditionell harmonische Zusammenleben der Religionen Hinduismus, Islam und Sikhismus, sondern auch die regionale Kultur, die Kleidung und die traditionelle Küche. Ich frage meinen Freund Younis, der in Srinagar geboren wurde, nach weiteren Beispielen für Kashmiriyat. “Schau Dir die Legende der Mystikerin Lal Ded an, Lal Ded oder Lalleswari lebte im 14. Jahrhundert. Ihre mystischen Verse wurden von Hindus und Muslimen zugleich zitiert. Als sie starb, verwandelte sich ihr Körper in eine Figur aus Blüten, von denen die eine Hälfte von Hindus, die andere von Muslimen nach ihren Riten bestattet wurde”. “Das ist Kashmiriyat”, erklärt Younis. “Und natürlich der Wazwan …”.

Ich fahre mit vier anderen Ehrengästen zur Hochzeit eines Facebook-Freundes in der Nähe Srinagars.  Dass ich zu den Ehrengästen der „Walima“, des Hochzeitsempfanges, zähle, war schon deutlich, als meine Freunde angekündigten, dass uns ein Wazwan serviert würde. Ich also entsprechend vorbereitet und trug auch einen Shalwar kameez, ein langes Hemd, das locker über einer Hose getragen wird. Als Schal oder Kopfbedeckung trägt man eine dupatta. Mein Shalwar kameez ist türkis, mit pastellfarbenen Blüten bestickt. Ich fühle mich wohl im Shalwar kameez und bin voller Vorfreude auf die Feier und den Wazwan.

Das traditionell aus 36 Gängen bestehende Menü ist bereits seit Jahrhunderten ein königliches Festmahl, das auch an den Höfen der Herrscher Kaschmirs aufgetischt wurde. Die Zubereitung ist nicht einfach “Kochen”, sondern Kunst. Die Zubereitung nimmt mehr als 36 Stunden in Anspruch. Vegetarier kommen beim Wazwan nicht auf ihre Kosten, denn Hammel- und Hähnchenfleisch in verschiedenen Saucen gekocht gehören zu den Hauptzutaten. Vorsorglich halte ich am Tag der Hochzeit das Frühstück knapp.

Wazwan – eine Herausforderung für Vegetarier

Bei unserer Ankunft am Ort der Feierlichkeiten sehe ich auf der linken Seite des Grundstückes ein großes Zelt, in dem die Braut mit allen weiblichen Gästen feiert – zumindest in dieser Familie feiert man also nach Geschlechtern getrennt. Die Frauen, in traditionelle kaschmirische Trachten oder wie ich in Shalwar Kameez gekleidet, genießen ein großes Buffet. Zwei Frauen winken mir zu – ich winke zurück.

Wir betreten das Haus und werden in das sehr große Zimmer geleitet, das für den Empfang von Besuch gedacht ist, und wo man gewöhnlich an große Kissen gelehnt auf dem Boden sitzt. Heute jedoch stehen knapp 30 Stühle in dem Raum, auf denen schon etwa 25 weitere Ehrengäste Platz genommen haben. Männliche Ehrengäste, denn ich bin die einzige Frau. Als nicht-Muslimin stehe ich außerhalb des gesellschaftlichen Systems und kann mich frei sowohl in der männlichen als auch der weiblichen Gesellschaft bewegen.

Nach dem obligatorischen Tee, Knabbereien und Small-Talk beginnt der Höhepunkt der Feier, der Wazwan: Die Stühle werden aus dem Raum geschafft, alle nehmen in Gruppen zu 4-6 Personen auf dem Boden Platz. Alle – nur ich nicht. Ich bleibe auf dem Stuhl sitzen und bekomme einen kleinen Tisch zugeteilt. Dann folgt der erste obligatorische Teil: Bedienstete tragen das tash-t-naer herein, ein “Handwaschbecken”, in dem jeder sich die Hände reinigt. Auch ich bekomme eine kleine Extraversion davon und reinige meine Hände. Vor die Männer wird nun eine große Servierplatte gestellt, auf denen sich ein Berg Reis und pro Person zwei Sheekh-Kebab-Spieße befinden – dann werden in schneller Reihenfolge folgende Köstlichkeiten auf die Platte gelegt: Lamm oder Huhn mit  Bockshornklee (methi),  zwei gekochte Lammrippen, in Milch und Gewürzen geschmort und dann in Butter gebraten, Huhn in weißer Sauce (safed kokur)  und Huhn in Safransauce (zafran kokur).

Ich erhalte alles auf einer kleineren Version der Servierplatte, aber natürlich dieselben Gerichte. Köstlich sind sie, diese Speisen, die verschiedenen Gewürze, die hellen und dunklen Saucen, der Wechsel von milderen und pikanteren Aromen. Ich schmecke Bockshornklee, Kurkuma, Joghurt, Safran… Ich esse unter anerkennendem Nicken der anderen Gäste. Trotz des Genusses bin ich erleichtert, als das gushtaba, das Fleisch-“Bällchen” in Joghurtsauce serviert wird – denn ich weiß, dass es der letzte Gang ist. Nein, nicht ganz der letzte Gang, denn es kommt ja noch der Milchreis zum Dessert.

Mengenmäßig war der Wazwan eine Herausforderung, geschmacklich war er königlich. Bevor ich die Feier verlasse, gehe ich natürlich auch noch kurz in das Zelt der Frauen, um zu gratulieren.

Das Abendessen habe ich an dem Tag ausfallen lassen

Wenn ich heute meine indischen Freunde wiedersehe, sprechen wir oft davon, wie wir zusammen in Kaschmir den Wazwan aßen.

Beitragsbild: Das Beitragsbild unterliegt der Creative Commons License.

Das Bild zeigt eine Servierplatte mit einem Wazwan.

Oniongas, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Eine fast verhinderte Ehe: Akbar und Salîms Hochzeiten

Prinz Parviz Persophonie

Susanne und ich haben hier auf der Persophonie schon einiges über den Mogulherrscher Akbar (st. 1605) und das schwierige Verhältnis zu seinem Sohn Salîm (dem späteren Herrscher Dschahângîr, st. 1627) berichtet. Auch Salîms Ehen mit Mân Bai, mit Sâliha Bâno Begum und schließlich mit Nûr Dschahân standen hier schon im Mittelpunkt .

Salîm und seine Ehefrauen

Salîm ging im Laufe seines Lebens zwanzig offizielle Ehen ein- viele seiner Beziehungen wurden jedoch von seinem Vater Akbar geplant und aus machtpolitischen Erwägungen durchgesetzt. So heiratete Salîm zahlreiche Töchter lokaler Fürsten, so z.B. die die Tochter des Fürsten von Bikaner oder des Herrschers von Ladakh. Die Quellen unterscheiden sich auch häufig bei den Hochzeitsdaten und/oder bei den Namen der Frauen bzw. ihrer Väter, so dass die Namen aller Ehefrauen Dschahângîrs nicht ganz geklärt werden konnte. Doch über einige liegen uns mehr Informationen vor.

Salîm verliebt sich in Sâhib-i Dschamâl

Interessant ist, dass wir in einigen Quellen lesen können, dass Salîm sich spontan in eine seiner späteren Ehefrauen verliebte. Die erste, bei der das der Fall war, war Sâhib-i Dschamâl. Das, was eigentlich wie ein Name klingt, ist ein Titel – ihren eigentlichen Namen erfahren wir aus den Quellen nicht. Zu diesem Titel kommen wir später…

Sâhib-i Dschamâl wurde in Herat im heutigen Afghanistan geboren. Teile Afghanistans gehörten ja nach Akbars Sieg über seine Stiefmutter Mâh Chûchak weiterhin zum Mogulreich und wurde direkt von Akbar bzw. seinen Gouverneueren verwaltet. Akbar und sein Hofstaat bereisten regelmäßig Kabul.

Bei einer dieser Gelegenheiten im Oktober 1586 verliebte sich Salîm /Dschahângîr in Sâhib-i Dschamâl aufgrund ihrer Schönheit. Akbar befürwortete eine Hochzeit der beiden – und so wurde Sâhib-i Dschamâl die dritte Ehefrau des Thronfolgers Salîm. Während der prunkvollen Hochzeit der beiden bekam Sâhib-i Dschamâl ihren Titel, der “Herr(in) der Schönheit” bedeutet, von Akbar persönlich verliehen.

Akbar hatte diese Ehe nicht zuletzt auch deshalb befürwortet, weil Sâhib-i Dschamâl die Cousine von Akbars Milchbruder Zain ud-Dîn Kokâ (st. 1601) war. Susanne und ich hatten ja hier schon öfter auf die Bedeutung von Akbars Ammen wie Mâham Anga oder Jîjî Anga oder seiner Milchbrüder wie Adham Khân hingewiesen. Zain ud-Dîns Mutter, bekannt als Pîja Anga, war eine von mehreren Ammen Akbars.

Sâhib-i Dschamâls Cousin Zain ud-Dîn machte als Milchbruder Akbars ebenfalls Karriere am Hof. Zunächst wurde er militärischer Befehlshaber, dann beförderte Akbar ihn zum Gouverneur von Kabul. Eine enge familiäre Bindung zwischen Akbar und Zain ud-Dîn war also im Interesse beider.

Salîm und Sâhib-i Dschamâls Ehe

Leider sind die Quellen nicht sehr auskunftsfreudig in Bezug auf Sâhib-i Dschamâls Charakter oder den weiteren Verlauf dieser Ehe. Das, was wir erfahren, ist, dass Sâhib-i Dschamâl zwei Kinder zur Welt brachte: zum einen eine Tochter, die allerdings bereits während ihrer Kindheit starb – zum anderen Dschahângîrs zweiten Sohn Parvîz Mîrzâ (1589-1626). Parvîz wurde in Kabul geboren, und wir wissen somit nicht, ob Sâhib-i Dschamâl ständig am Hof Dschahângîrs lebte.

Wie oben bereits erwähnt, war Dschahângîr für seine Impulsivität in Bezug auf Frauen bekannt. 1596 verliebte sich Dschahângîr erneut unsterblich in eine Frau – und wollte sie sofort heiraten. Doch sein Vater Akbar war dieses Mal gegen die Eheschließung. Was war der Grund dafür?

Salîm verliebt sich in Khâs Mahal

Salîm Angebetete, die später den Titel Khâs Mahal erhielt, war die Tochter von Akbars oben erwähntem Milchbruder Zain ud-Dîn Kokâ – also die Cousine 2. Grades von Sâhib-i Dschamâl . Akbar war dagegen, dass sein Sohn gleich zwei miteinander verwandte Frauen heiratete. Er verweigerte zunächst die Zustimmung. Dschahângîr betonte jedoch dass sein “Herz von dieser Liebe übermäßig betroffen” sei, und schließlich gab Akbar nach.

Dschahângîr durfte Zain ud-Dîn Kokâs Tochter heiraten. Die Hochzeit fand am 28. Juni 1596 im Palast von Akbars Mutter Hamîda Bâno Begum statt. Die Feierlichkeiten sollen besonders prunktvoll gewesen sein. Während der Zeremonie erhielt Zain ud-Dîn Kokâs Tochter (deren eigentlichen Namen wir ebenfalls nicht kennen) von Akbar den Titel Khâs Mahal (“Exzellenz des Palastes”).

Wie Sâhib-i Mahal, ihre Cousine 2. Grades, verfügte auch Khâs Mahal nicht über eine außergewöhnliche Schönheit, sondern auch über eine umfangreiche Bildung. Zudem kannten beide Frauen die Hofetikette. In den Augen der Briten, die Dschahângîr in dessen letzten Regierungsjahren besuchten, war Khâs Mahal eine der wichtigsten vier Frauen Dschahângîrs, dennoch haben wir nur wenige Informationen.

Sâhib-i Mahal starb bereits 1599. Noch heute kann man ihr Grabmal in Lahore besichtigen. Über das Todesdatum Khâs Mahals wissen wir nichts, sie lebte aber noch 1642 in der Regierungszeit von Salîms Dschahângîrs Sohn Schâh Dschahân (st. 1666). Über eventuelle Kinder Khâs Mahals erfahren wir ebenfalls nichts – es ist somit davon auszugeben, dass sie entweder kinderlos blieb oder die Kinder schon sehr früh verstarben.

Wie sich die Ehe der beiden Cousinen Sahib-i Dschamâl und Khâs Mahal mit demselben Mann auf ihre Beziehung auswirkte, bleibt ebenfalls unbekannt.

Also muss man auf die Entdeckung neuer Quellen hoffen, um mehr über das Leben im Mogulharem zu erfahren.

Beitragsbild

Das Beitragsbild zeigt Sahib-i Dschamâls Sohn Parvîz Mîrza – es unterliegt der Wikimedia Commons License.

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Jodhas letzte Ruhestätte? Das Grab Maryam uz-Zamânîs

Auch nach dem berühmten Film Jodhaa Akbar von Ashutosh Gowariker aus dem Jahr 2008 und der Serie Jodha Akbar (2013-2015) ist die historische Figur der Jodha umstritten. So gibt es nach wie vor Zweifel daran, dass der muslimische Mogulkaiser Akbar (st. 1605) die Tochter eines Rajputenfürsten geheiratet hatte. Viele Historiker sind jedoch zwischenzeitlich überein gekommen, dass Akbar Harka Bai oder Hira Kunwari, die Tochter des Rajas von Amber, Bharmal (st. 1574), offiziell nach islamischem Recht geheiratet hatte. Uneinigkeit herrscht nach wie vor darüber, ob Harka Bai denn wirklich den Beinamen Jodha Bai getragen hat.

Der Mangel an verlässichen Quellen über Jodha

Durch den Mangel an verlässlichen Quellen wird die Sache nicht einfacher. Sowohl Akbars Biographie Akbar-nâma von Abû l-Fazl als auch die seines Sohnes Salîm / Dschahângîrs, Dschahângîr-nâma, erwähnen eine gewisse Jodha Bai nicht – Dschahângîrs Mutter ist nur mit ihrem Ehrentitel Maryam uz-Zamânî (“Maria ihrer Zeit “) bekannt. Diesen Ehrentitel erhielt sie nach Salîms / Dschahângîrs Geburt – wobei manche Quellen behaupten, sie habe den Titel erst nach ihrem Tod erhalten. Trotz dieses Titels und trotz der Tatsache, dass sie den Thronfolger geboren hatte, war Jodha nicht Akbars Hauptfrau. Dieses blieb Akbars Cousine und erste Ehefrau, Ruqaiya Begum, die als Pâdschâh Begum bekannt war.

Über Maryam uz-Zamânîs Bedeutung, ihr eigenes Einkommen und ihre Handelsaktivitäten hatte ich ja hier schon ausführlicher geschrieben. Ansonsten erfahren wir von Dschahângîr nur wenig über seine Mutter. Interessant ist, dass während Dschahângîrs Regierungszeit alle wichtigen Familienfeiern im Palastteil Maryams am Hof in Agra stattfanden.

Leider ist Dschahângîr in Bezug auf persönliche Details und Anekdoten über seine Mutter sehr wortkarg – wir erfahren nichts über ihr Leben und ihren Alltag am Hof.

Selbst über den Tod seiner Mutter verliert Dschahângîr kaum ein Wort. Wir erfahren lediglich, dass sie am 19. Mai 1623 verstorben ist.

Zu dieser Zeit erreichte uns die Nachricht aus Agra, dass Ihre Majestät Maryam uz-Zamânî verstorben ist. Möge Gott sie mit einem Meer von Barmherzigkeit überschwemmen!

The Jahangirnama / Ed. and transl. Wheeler M. Thackston. Oxford: OUP, 1999, S. 397, Übersetzung aus dem Englischen CP

Maryam uz-Zamânî wurde über 80 Jahre alt. Sie überlebte Akbar 18 Jahre.

Jodhas/ Maryams Grabmal in Sikandra

Aus Akbars Biographie wissen wir, dass er selbt persönlich den Leichnam enger Verwandter, wie den seiner Mutter, seiner Ziehmütter oder Tante zum Grab geleitete. Dschahângîr geleitete den Leichnam seiner Mutter Maryam uz-Zamânî nicht zu ihrem Grab – er hielt sich zum Zeitpunkt auf einer Militärmission in Ajmer auf.

Interessant ist, dass Maryam uz-Zamânî nicht, wie im Hinduismus üblich, verbrannt, sondern bestattet wurde. Dieses lässt Raum für Spekulationen über ihre Religionsangehörigkeit – und könnte auch aufzeigen, dass Jodha Bai / Maryam uz-Zamânî im Laufe ihrer Ehe mit Akbar zum Islam konvertiert war.

Wie allgemein üblich, wurde ein Leichnam der kaiserlichen Familie provisorisch innerhalb eines Tages bestattet, zumindest wenn noch kein Grabmal erbaut worden war. Es war und ist bis heute in der muslimischen Gemeinschaft Indiens nicht üblich, Männer und Frauen gemeinsam zu bestatten, vor allem die Bestattung mit den Ehepartnern ist ungewöhnlich. So sind in Akbars Grab mit ihm zwei seiner unverheirateten Töchter, eine Ur-Ur-Enkelin sowie andere männliche Nachfahren bestattet.

Doch zurück zu Maryam uz-Zamânîs Grab. Dieses wurde von Dschanhângîr kurz nach dem Tod seiner Mutter in Auftrag gegeben. Die Bauzeit betrug vier Jahre.

Interessant ist, dass Dschahângîr kein neues Grabmal bauen ließ, sondern ein bestehendes Monument zu einem Grab umgestaltete. Das Grab Maryam uz-Zamânîs befindet sich nur einen knappen Kilometer von Akbars Grab entfernt – und ist somit das einzige Grab von Akbars Ehefrauen, das sich in der Nähe seines Grabes befindet. Dschahângîr wählte für das Grabmal seiner Mutter einen offenen Pavillion (baradari), der bereits Ende des 15. Jahrhunderts vom (muslimischen) Herrscher des Delhi Sultanats, Sikander Lodî (st. 1517) erbaut worden war. Auf diese Struktur wurden kleine kuppelförmige Pavillions, so genannte chhattris, aufgesetzt (auf dem Beitragsbild zu sehen).

Das ganze Grabmal hat drei Grabsteine: einen in der unteren Grabkammer, in der sich das eigentliche Grab Maryam uz-Zamânîs befindet, einen am Kenotaph (Scheingrab) genau über der Grabkammer und einen am Scheingrab auf einer Terrasse.

Die Verzierungen der Wände enthalten viele Blumenmotive und geometrische Formen, die auf den vorherigen Gebrauch des Gebäudes als Pavillion hindeuten. Dschahângîr gestaltete den ganzen Grabkomplex inklusive der Gartenanlage im klassischen Mogulstil. Für knapp 200 Jahre blieb das Grab in der errichteten Form bestehen.

War Jodha / Maryam uz-Zamânî eine Christin?

Während der britischen Kolonialzeit, also irgendwann nach 1857, wurde das Grabmal an die Church Missionary Society übergeben. Diese errichtete einen großen Komplex rund um das Grab. Noch heute existieren dort eine Schule und eine Kirche. In der Grabstelle Maryam uz-Zamânîs wurde die Krypta geschlossen.

Heutzutage ist das Grab wieder eine Grabstätte, die unter der offiziellen Beaufsichtigung des Archaeological Survey of India steht. Es ist somit ein geschütztes Denkmal, das au

Dass das Grab der christlichen Church Missionary Society übergeben wurde, liegt wahrscheinlich an einem Missverständnis: so war man bei der Church Missionary Society überzeugt, dass Maryam uz-Zamânî eine christliche Frau Akbars gewesen sei. Dieser Irrtum ging laut Frederic Fanthome auf die portugiesischen Jesuiten-Mönche zurück, die sich an Akbars Hof aufhielten. Sie erkannten zwar, dass Maryam die arabisch-persische Variante des Namens Maria ist, ihnen war aber wohl nicht bekannt, dass Maria (Maryam) auch im Islam eine bedeutende Rolle hat. Die gesamte Sure 19 ist nach ihr benannt, die Jungfrauengeburt Jesu ist in Sure 21 erwähnt.

Wie dem auch sei, in den Originalquellen gibt es keinerlei Hinweise auf eine christliche Ehefrau Akbars – und genauso wenig darauf, dass Jodha/Maryam uz-Zamânî eine Christin gewesen ist.

Wie fast immer am Ende eines Beitrages muss ich schreiben, dass es in den Quellen noch viel Neues zu entdecken gibt – vielleicht erfahren wir eines Tages ja noch mehr über Jodha, Maryam uz-Zamânî und die Grabstelle in Sikandra.

Literatur:

Fanthome, Frederic: Reminescences of Agra. 2nd ed. Calcutta: Thacker & Spink, 1895.

Smith, Edmund W.: Akbar’s Tomb at Sikandrah, near Agra. Allahabad, 1909. (Archaeological Survey of India)

Das Beitragsbild zeigt ein Detail des Grabes von Maryam uz-Zamânî.

Es unterliegt der Creative Commons License. 4.0 / Wikijib / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

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