Die neun Juwelen am Hofe Akbars, Teil 3: Abû l-Fazl (st. 1602)

In zwei älteren Beiträgen hatte ich schon  einiges zu den „Neun Juwelen“, den wichtigsten Gelehrten am Hof des Mogulkaisers Akbar (st. 1605), geschrieben und ‚Abd ur-Rahîm Khân-e Khânân (st. 1627)  sowie den Musiker Tânsen (st. 1586) vorgestellt.

Heute soll es um den Mann gehen, der die wohl bedeutendste Quelle zum Hofleben  Akbars, das Akbar-nâma,  geschaffen hat: Abû l-Fazl b. Mubârak, genannt Abû l-Fazl ‚Allâmî (st. 1602).

Abû l-Fazl  entstammte einer prominenten Familie: sein Vater Shaikh Mubârak (st. 1593), war ein bedeutender Gelehrter, der ursprünglich aus Rajasthan stammte, und  sich in Akars Hauptstadt Agra niederließ. Shaikh Mubârak stand jedoch nicht in Kontakt zum Hof der Moguln. Abû l-Fazls Bruder Abû l-Faiz „Faizî“ war der bedeutendste Dichter am Hof Akbars und zählte selbst zu den neuen Juwelen Akbars. Über ihn werde ich noch einen eigenen Beitrag verfassen.

Beide Brüder erhielten von ihrem Vater Shaikh Mubârak  bis im Alter von etwa 15 Jahren eine gründliche Ausbildung in religiösen Disziplinen, arabischer Grammatik, Mystik, Medizin und (griechischer) Philosophy. Schon früh interessierte er sich auch für den Hinduismus. Mit etwa zwanzig Jahren führte Abû l-Fazl das Leben eines asketischen Gelehrten – nach heutigen Maßstäben würde man anhand der Quellen sagen, dass Abû l-Fazl unter Depressionen litt und sich von der Außenwelt zurück zog. Anders als sein Bruder hielt er sich auch von Hofkreisen fern. Erst durch Einwirken eines Freundes nahm Abû l-Fazl seine Studien wieder auf.

Zudem geriet zur selben Zeit sein Vater Shaikh Mubârak  in Konflikt mit einigen Gelehrten, die den Islam in Fragen der Mystik (Sufismus) strikter auslegten als er. Shaikh Mubarak verließ Agra und lebte einige Zeit in Delhi, kehrte später aber nach Agra zurück.

Das Leben am Hof Akbars

Etwa 1574 kam Abû l- Fazl erstmals an den Hof Akbars, wo er sofort Eindruck auf dne Mogulherrscher machte. Dieser hatte bereits zehn Jahre zuvor angefangen, einen theologischen Austausch zwischen den Religionen am Hof anzufangen. Dazu gab es wöchentliche Diskussionen in dem neu geschaffenen ‚ibâdat-khâna. Doch Akbar musste feststellen, dass die Mehrheit der Gelehrten und persisch-sprachigen muslimischen Eliten seines Hofes nicht bereit waren, sich mit den Lehren des Hinduismus oder Christentums auseinander zu setzen. Aus diesem Grund begründete Akbar ein maktabkhâna (Schreibbüro / Bibliothek), in dem Werke des Hinduismus wie z.B. das Ramayana oder das Mahabarata aus dem Sanskrit ins Persische übersetzt. Diese von Akbar geschaffene Tradition wurde unter Salîm / Dschahângîr fortgesetzt. Abû l-Fazl übersetzte sogar die Bibel ins Persische, so dass die Lehren des Christentums auch an Akbars Hof bekannt wurden.

Freund und Sekretär Akbars

25 Jahre lang war Abû l-Fazl Akbars Sekretär und auch sein persönlicher Freund. Durch Abû l-Fazl konnte Akbar seine Projekte durchführen und sich selbst als perfekter Herrscher inszenieren.

Susanne Kurz hat in ihrem Beitrag „Gott ist groß – Gott ist Akbar“ genau darauf hingewiesen. Ohne Abû -Fazls Wirken wäre dieses nicht möglich gewesen. Besonders ein Dekret (Persisch: farmân) aus dem Jahr 1579 war besonders  wichtig: hierdrin wurde festgelegt, dass Akbar auch in religiösen Angelegenheiten die letztendliche Entscheidung hatte, ohne auf die Rechtsgelehrten (‚ulamâ‘) angewiesen zu sein.

Intrigen am Hof

Abû l-Fazls Freundschaft zu Akbar und sein persönlicher und religiöser Einfluss am Hof blieben nicht ohne Neider. Abû l-Fazl brachte nicht nur konservative Gelehrte gegen sich auf, sondern auch Prinz Salîm / Dschahângîr. Dieser war fest davon überzeugt, dass es Abû l-Fazl war, der seine, Salîms, Machtbetrebungen verhinderte. 1599 entschied Akbar, Abû l-Fazl zum General im Dekkan zu machen, auch, um in Agra aus der Schusslinie zu nahmen. Abû l-Fazl erwies sich als fähiger General, obwohl er ja eigentlich ein Gelehrter war. 1602 rief Akbar ihn zurück nach Agra, da der Konflikt mit Salîm weiter eskalierte.

Salîm, und das ist anhand der Quellen erwiesen, ließ Abû l-Fazl durch Vir Singh Deo, den Rajputen-General, ermorden. Sein abgetrennter Kopf wurde nach Agra geschickt und dem sichtlich geschockten Akbar präsentiert.

Für Akbar bedeutete der Tod Abû l-Fazls nicht nur der Verlust eines Freundes. Auch seine Religionspolitik wurde dadurch nachhaltig geschwächt.

Die Ermordung Abû l-Fazls hinderte Salîm später als Herrscher Dschahângîr nicht daran, dessen Sohn Shaikh Afzal Khân (st. 1613) zum Gouverneur von Bihar zu machen.

Abû l-Fazls Werk lebt bis heute als wichtigste Quelle über Akbar weiter.

Das Beitragsbild zeigt, wie Abûl-Fazl Akbar das Akbar-nâma an Akbar überreicht. Das Bild ist Public Domain.

Literatur:

Conermann, Stephan: Das Mogulreich. Geschichte und Kultur des muslimischen Indien. München 2006.

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