(K)eine Liebe auf den ersten Blick: Akbars Eltern Hamîda Bâno und Humâyûn


Der Mogulherrscher Akbar war Zeit seines Lebens umgeben von starken Frauengestalten, die auch Einfluss auf seine politischen Entscheidungen hatte. Hier sind vor allem seine Ehefrauen Jodha (Maryam uz-Zamânî, st. 1623), Ruqaiya Sultân Begum (st. 1626) und Salîma Sultân Begum (st. 1613) zu nennen.
Doch auch in seiner Elterngeneration war er von starken Frauen umgeben, die auch außerhalb des Harems das Geschehen am Mogulhof und darüber hinaus entscheidend prägten. Zum einen waren das seine Amme Jîjî Anga, die Ehefrau von Akbars Ziehvater Atga Khân, seine Amme Mahâm Anga (st. 1562) sowie seine leibliche Mutter Hamîda Bâno Begum (st. 1604).

Hamîda Bâno wurde ca. 1527 geboren. Ihr Vater war ein einflussreicher schiitischer Gelehrter, der aus Persien an den Hof Bâburs gekommen war. Dort wurde ‚Alî Akbar Jâmi‘ Lehrer von Humâyûns Halbbruder Mîrzâ Hindal.

Humâyûn verlor nach dem Tod seines Vaters Bâburs jedoch die sicher geglaubten Ländereien, die von den Moguln erobert worden waren. Er lebte im Exil und zog mit seinen Truppen durch die Gebiete befreundeter und verbündeter Fürsten.

Ein erstes Treffen

In dieser Situation arrangierte Dildâr Begum, die Mutter Hindals und Gulbadan Begums, ein Festbankett in Hindals Militärlager. Dort traf Humâyûn zum ersten Mal auf Hamiîda Bâno, die zu diesem Zeitpunkt vierzehn Jahre alt war. Es gibt zwei Quellen, die uns von dieser ersten Begegnung berichten: zum einen die Berichte Jawhars, eines Dieners Humâyûns, zum anderen das Humâyûn-nâma, das von Gulbandan Begum verfasst wurde.

Jawhar berichtete, dass Humâyûn Hamîda erblickte und sich erkundigte, ob wer sie sei und ob sie schon einem anderen Mann versprochen sei. Dieses wurde verneint, und Humâyûn kündigte daraufhin an, dass er sie heiraten wollte. Daraufhin fragte Hindal erzürnt, ob Humâyûn gekommen sei, um ihm (i.e. Hindal) die Ehre zu erweisen, oder ob er nur auf Brautschau sei. Er, Hindal, betrachte Hamîda als seine Schwester und Tochter.

Zwischen Humâyûn und Hindal kam es zum Streit in dieser Angelegenheit – man warf sich gegenseitig ungebührliches Verhalten vor. Nur durch die Vermittlung Dildâr Begums sei weiterer Streit der Brüder verhindert worden. Humâyûn und Hamîda wurden umgehend miteinander verheiratet.

Gulbadan Begum, die eine enge Freundin Hamîdas war, schilderte Eheschließung ihres Bruders mit Hamîda ein wenig anders.
Laut Gulbadan Begum war es nicht nur Hindal, der gegen die Ehe Humâyûns und Hamîdas war – sondern vor allem Hamîda selbst. Diese habe sich mehr als vierzig Tage geweigert, in diese Ehe einzuwilligen. Erst dann sei sie bereit gewesen, den Mogulherrscher zu heiraten.

Weibliche Unterstützung

An der Schilderung dieser Episode werden einige Dinge deutlich:

  • Das Verhältnis von Humâyûn und Hindal war in einiger Hinsicht durch Konkurrenz geprägt. Es ist offensichtlich, dass Hindal (übrigens später Vater von Ruqaiya Sultan Begum) selbst Interesse an einer Ehe mit Hamîda hatte. Diese wollte wohl zunächst lieber Hindal als Humâyûn heiraten. Auch in dieser Version ist es Dildâr Begum, die dafür sorgt, dass die Ehe Humâyûns und Hamîdas schließlich zustande kommt.
  • Interessant ist die Rolle der beteiligten Frauen: selbst die vierzehnjährige Hamîda ist laut Gulbadan stark genug, eine Ehe mit dem Padîshâh abzulehnen – und es ist eine Frau, die diese für die weitere Geschichte des Mogulreiches so entscheidende Verbindung schließlich arrangieren kann.

In seinem Beitrag „Perspektiven aus Harem und Heerlager in der frühen Mogulzeit“ in unserem Sammelband Muslim Bodies (Münster 2016, S. 213-238) geht es Nader Purnaqsheband genau um diese Macht der Frauen des königlichen Harems der Mogulzeit. Diese Ergebnisse sind wichtige Erkenntnisse zur Geschichte der Frauen dieser Zeit, die selbstverständlich weiter vertieft und ausgedehnt werden sollten.

Bildnachweis:

See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

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Ein Überblick über unsere Beiträge zur Mogulgeschichte

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7 Kommentare zu „(K)eine Liebe auf den ersten Blick: Akbars Eltern Hamîda Bâno und Humâyûn“

  1. Hm, das spannende Thema Heiratspolitik gab und gibt es auch in europäischen Gefilden, wie beispielsweise Sabine Weigand in ihrem eindrucksvollen historischen Roman „Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche“ schildert. So ermöglicht der Blick in die persophonische Geschichte ebenso, Anderes wie Eigenes wieder zu erkennen. Danke und viele Grüße

  2. Das ist wieder einmal sehr interessant! – In der Bollywood-Serie „Jodha Akbar“ wird die Mutter Jalaluddin Muhammad Akbars ja als eine sehr starke aber stets auf kluge Weise besänftigend eingreifend dargestellt.

    1. Das stimmt, widerspricht sich ja auch nicht unbedingt. Als Witwe war man ja im muslimischen Kontext zur Zurückhaltung aufgefordert, auch wenn sich nicht jede Herrscherwitwe daran hielt…

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