Ruqaiya Begums Grab in Kabul


Ruqaiya Begum (ca. 1542 – 1626) war ohne Zweifel eine der wichtigsten Ehefrauen des Mogulherrschers Akbar – und wohl die wichtigste der drei Frauen, mit denen Akbar eine offizielle Heiratsbeziehung nach islamischem Recht eingegangen ist.

Als Ruqaiya und Akbar vierzehn Jahre alt waren, wurden die beiden miteinander verheiratet. Die beiden waren Cousin und Cousine ersten Grades: Ruqaiyas Vater  Hindal Mîrzâ (st. 1551) war der Bruder von Akbars Vater Humâyun (st. 1556). Die Heirat der beiden war also wichtig, um die Mogul-Dynastie zusammenzuhalten und die Herrschaftsansprüche sowohl in Kabul als auch in Indien (Agra) aufrecht zu erhalten.

Über Ruqaiyas Zeit als Kaiserin und erste Gemahlin Akbars soll hier an anderer Stelle gebloggt werden. Unbestreitbar ist, dass sie im Harem über einen sehr großen Einfluss verfügte. Da sie selbst kinderlos blieb, übertrug Akbar ihr die Erziehung seines Enkels Khurram (später Kaiser Schâh Dschahân). Auch auf ihren Ziehsohn Salîm  / Dschahângîr hatte Ruqaiya maßgeblichen Einfluss.

Dieses wird besonders deutlich in der Beschreibung von Ruqaiyas Tod in Dschahângîrs Memoiren Tuzuk-e Dschahângîrî. Während dem Tod von Dschahângîrs Mutter Jodha / Maryam uz-Zamânî nur ein knapper Satz gewidmet wird, würdigte der Herrscher Ruqaiya mit mehreren Sätzen. So erfahren wir, dass Ruqaiya in Akbarabad (sprich: Agra) verstorben ist. Wir können nur vermuten, dass sie zunächst in Agra gemäß der islamischen Bestattungsvorschriften beerdigt wurde: das heißt: innerhalb von 24 Stunden.

Akbar war ja bereits 1605 verstorben, Ruqaiya überlebte ihren Ehemann um zwanzig Jahre. 1607 führte sie zusammen mit Dschahângîr und Prinz Khurram eine Pilgerfahrt nach Kabul durch. Ziel waren die Gräber ihres Großvaters Bâbur und ihres Vaters. Auch Bâbur war in Agra verstorben – sein Körper wurde 17 Jahre nach seinem Tod nach Kabul überführt und in einem Mausoleum im Bagh-e Bâbur (Garten Bâburs) bestattet – also in einem Garten, der von Bâbur selbst angelegt wurde.

Schâh Dschahân ließ den Garten während seiner Regierungszeit neu anlegen. Die Anlage wurde auf 15 Terrassenstufen angelegt, das Grab von Bâbur befindet sich auf der 14. Stufe, das von Ruqaiya auf der 15.

Viele Leute fragen sich, warum Ruqaiya nicht in Akbars Nähe bestattet wurde, war sie doch seine erste Hauptfrau. Viele interpretieren auch die Tatsache, dass  Jodhas / Maryam uz-Zamânîs Grab näher an Akbars Grab war, als Beweis ihrer Liebe.

Ganz so ist das wohl nicht zu sehen. Es ist in islamischen Kontexten nicht üblich, Eheleute zusammen zu bestatten, es bleibt eine Ausnahme. Im indo-muslimischen Kontext sind Friedhöfe auch heute noch oft nach Geschlechtern getrennt. Im islamischen Kontext zählt zudem die männliche islamische Linie mehr als die „angeheiratete“. Insofern ist es nicht unüblich, eine Tochter in der Nähe ihres Vaters bzw. Großvaters zu bestatten.

Zudem war das Grab Ruqaiyas auch ein Zeichen Schâh Dschahâns, dass er den Anspruch der Moguldynastie auf Kabul nicht aufgeben würde und die Gräber seiner Vorfahren als Zeichen der Macht der Moguln in Afghanistan betrachtete.

Bildnachweis:

Bild des Bagh-e Babur:

By Daniel Wilkinson (U.S. Department of State) (U.S Embassy Kabul Afghanistan) [Public domain], via Wikimedia Commons

Ein Überblick über unsere Beiträge zur Geschichte der Moguln

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8 Kommentare zu „Ruqaiya Begums Grab in Kabul“

  1. In der Fernsehserie wird Ruqaiya als ziemlich intrigantes Biest dargestellt, auch als jene Person, die Prinz Saleem in noch jungen Jahren mit Opium und alkoholischen Getränken praktisch angefixt haben soll.

    1. Sorry, auf dem Tablet abgerutscht…so, wie es aussieht, brauchte Salîm Ruqaiya für seinen Drogenkonsum nicht, das hat man bei Hofe einfach so mitbekommen..

      1. Ja, das kann ich mir gut vorstellen… Vielleicht bist du als Wissenschaftlerin jetzt entsetzt – aber eines meiner Lieblingsbücher ist M. M. Kaye’s recht umfangreicher Roman „Palast der Winde“. Die Autorin gibt da einen durchaus recht detaillierten Einblick in die Sitten und Gepflogenheiten an indischen Fürstenhöfen.

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