Eheprobleme am Mogulhof: Dschahângîr und seine erste Ehefrau Mân Bai

Dass eine arrangierte Ehe innerhalb der Familie nicht immer ein Glücksgriff sein muss, zeigt das Beispiel von Salîm (später der Mogulherrscher Dschahângîr) und seiner Cousine ersten Grades Mân Bai (st 1605) .Salîm war 15 Jahre alt, als diese Eheschließung von Akbar und seiner rajputischen Ehefrau Jodha (Maryam zu-Zamânî) beschlossen wurde. Mân Bai war die Tochter von Raja Bhagwan Das von Amber, Jodhas Bruder. Sie war zudem die Schwester von Mân Singh, der als einer der Neun Juwelen zur Elite am Hofe Akbars gehörte. Abû l-Fazl, Akbars Hofchronist, notierte, dass Mân Bai eine außerordentlich schöne und intelligente Frau sei.
Akbar selbst hoffte, dass die Verbindung der beiden Familien durch die Ehe der beiden zu stärken und zudem, viele Nachkommen zu bekommen. Zudem sollte nicht verschwiegen werden, dass Mân Bais Familie eine beträchtliche Mitgift zahlte.

Die Hoffnung auf Nachkommen erfüllte sich bald. Nachdem die Ehe Salîms und Mân Bais 1585 geschlossen wurde (d.h. der Bräutigam war 15, die Braut 13), wurde bereits im April 1586 eine Tochter namens Sultân un-Nisâ‘ geboren. Im August 1587 kam Khusrau, Dschahângîrs erster Sohn, zur Welt. Nach seiner Geburt bekam Mân Bai den Titel Shâh Begum verliehen.

Doch es gab kein harmonisches Familienleben. Einer der Vertrauten Dschahângîrs, schrieb (zitiert nach Eraly, 274) , dass Mân Bai argwöhnisch den möglichen Aufstieg anderer Bewohner(innen) des harem beobachtete, und jedes Mal gewalttätig wurde, wenn es nicht nach ihrem Willen ging.

Auch Dschahângîr wusste zu berichten, dass seine Frau gelegentlich zu Stimmungsschwankungen und Depressionen neigte. Viel schwerwiegender war jedoch, dass auch Khusraus Beziehungen zu seinem Vater sich permanent verschlechterten und schließlich in einer offenen Revolte endete. Auch zu seinen Brüdern, vor allem zu Khurram (später Shâh Dschahân) hatte Khusrau ein sehr schlechtes Verhältnis, das schon früh unter der Frage der Thronfolge litt.

Mân Bai versuchte die Wogen zwischen Vater und Sohn zu glätten, was ihr allerdings nicht gelang. Nur kurze Zeit vor Akbars Tod und Dschahângîrs Thronbesteigung beging Mân Bai Selbstmord mit Opium. Es gibt Hinweise in den Quellen, dass ihr Vater Bhagwan Das ebenfalls versucht hatte, sich zu töten, allerdings erfolglos. Die Umstände seines Todes sind allerdings ebenso bis heute ungeklärt. Auch Mân Bais Brüder sollen unter Depressionen gelitten haben.

Obwohl Dschahângîr das Verhältnis zu seiner ersten Ehefrau und Cousine als belastet empfand und 19 weitere Frauen zur Ehefrau nahm, berichtete er in seinen Memoiren Jahângîr-nâme, dass er unter dem Tod Mân Bais litt und sehr trauerte:

Ich verbrachte einige Tage ohne jegliche Vergnügungen des Lebens, und für vier Tage nahm ich weder Speisen noch Getränke zu mir.

Auch auf Alkohol und Opium soll er verzichtet haben, was für seine Verhältnisse ungewöhnlich war. .

Mân Bai war Salîms erste Frau – und er schrieb in seinen Memoiren, dass er durch die Eheschließung erwachsen wurde. Seine bedeutendste Ehefrau war jedoch seine 20. Frau: Nûr Dschahân. Doch das ist ein anderes Thema.

Literatur:
Eraly, Abraham: Emperors of the Peacock Throne. New Delhi, 1997.
Das Beitragsbild zeigt das Grabmal Mân Bais in Allahabad.
Es unterliegt der Wikimedia Commons License.

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8 Kommentare

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  2. Arrangierte Eheschließungen, die für beide Partner danach zur lebenslangen Hölle wurden, hat es in europäischen Adelsgeschlechtern ja auch zur Genüge gegeben… Mir fällt seit einer Weile auf, dass die Darsteller der Fernsehserie Jodha und Akbar bezüglich des Alters nicht unbedingt historisch korrekt sind – die „Alten“ sind mittlerweile viel zu jung, und die Mimen von Salim, Anarkali und Mon Bai etc. sichtlich viel zu alt. 😉

    • Stimmt, die islamische Welt hat ja kein Monopol auf Cousinenheirat und arrangierte Ehen… Ob diese glücklicher oder unglücklicher sind als Liebesheiraten, ist ja auch nicht zu sagen – obwohl man in Indien weiterhin an arrangierten Ehen festhält…… ja, und die Geschichte mit der Geschichte und der Chronologie… das muss man wohl unter dem Motto BOLLYWOOD abhaken

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