Das Ende von mehr als 50 Jahren Herrschaft: Akbars Tod

Der Mogulkaiser Akbar (geb. 1542) galt als der bedeutendste Herrscher des Mogulreiches. Nicht ohne Grund war Dschalâl ud-Dîn Muhammad bereits zu seinen Lebzeiten als “der Große” bekannt.

Die Länge seiner Herrschaft machte sicherlich einen Teil seines Ruhmes aus: 1556 trat Dschalâl ud-Dîn als Teenager die Nachfolge seines Vaters Humâyûn an. Knapp 50 Jahre lang bestimmte Akbar die Geschicke des Mogulreiches.

Versuchter Giftmord?

Diese lange Regierungszeit ist auch insofern erstaunlich, als dass Intrigen, Rebellion und Mordanschläge im Mogulreich nicht unbekannt waren.

1591 gab es Gerüchte, dass Prinz Salîm / der spätere Herrscher  Dschahângîr versucht habe, seinen Vater zu vergiften. Akbar erkrankte an einer Durchfall und Fieber. Akbars berühmter Wesir und Geschichtsschreiber Abû l-Fazl, Autor des Akbarnâmas, unterstützte indes die These, dass der junge Prinz Salîm nicht auf einen natürlichen Tod seines Vaters warten wollte.

Diese Vorwürfe waren einer der Hauptgründe für das Zerwürfnis zwischen Salîm und Abû l- Fazl. Salîm ließ seinen Widersacher 1602 auf dessen Reise vom Dekkan-Plateau nach Delhi ermorden.

Akbar erfreute sich jedoch bald wieder einer stabilen Gesundheit – wahrscheinlich handelte es sich bei dem Vorfall von 1591 um eine einfache Lebensmittelvergiftung. Die Enttäuschung Akbars über die mögliche Tat seines Sohnes blieb jedoch groß und verstärkte sich, als Salîm 1600 offen gegen in rebellierte.

Wer soll der Nachfolger werden?

Spätestens von diesem Zeitpunkt an überlegte Akbar, seinen Sohn Salîm bei der Thronfolge zu übergehen und stattdessen seinen Enkel Khusrau Mîrzâ (geb. 1587) auf dem Thron zu installieren. Scheinbar belastete Akbar diese Nachfolgefrage schwer.

In den letzten Septembertagen 1605 arrangierte Akbar einen Elefantenkampf: Salîms preisgekrönter Elefantenbulle Giranbar trat gegen Khusraus Bullen Abrup an – und Khusraus Bulle verlor.

Akbar suchte scheinbar ein Vorzeichen in diesem Kampf, trug sich aber dennoch schwer, eine Entscheidung öffentlich zu verkünden. Stattdessen erkrankte er erneut an schweren Durchfällen und Fieber.

In Salîms Memoiren, dem Jahângîrnâma, erfahren wir im Vorwort (S. 17, :

Am Montag, dem 20. Jumada I 1014 (23. September 1605) geriet das Temperament Seiner Majestät aus dem Gleichgewicht und es entwickelte sich ein hohes Fieber, das in starken Durchfällen endete.

Interessant ist hier, dass die Erklärung für Akbars Erkrankung aus der graeco-islamischen Medizin (Unani Medizin) stammt, die Gesundheit als das Gleichgewicht der vier Körpersäfte Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Phlegma definiert. Auch die Behandlung wurde von einem Hakîm, einem Praktizierenden der Unani Medizin, übernommen. Es wird schließlich gesagt, dass eine Heilung nicht möglich war, da Akbars Zeit gekommen war, und somit jegliche Behandlung zwecklos.

Schließlich starb Akbar am 16. Oktober 1605. Tage zuvor hatten die portugiesischen Jesuiten ihm einen offiziellen Besuch abgestattet und realisiert, dass dem Herrscher nicht mehr viel Zeit blieb. Die Legende, dass Dschahângîr von seinem Vater kurz vor dessen Tod einen Turban als Symbol der Machtübernahme erhielt, kann auch nicht bestätigt werden.

Dschahângîr berichtete, dass seine Söhne Khurram und Khusrau kurz vor Akbars Tod beide versuchten, die Macht zu erlangen. Er bezeichnete sie beide als unwürdig – was natürlich seiner eigenen Sichtweise entspricht. Der Vater-Sohn-Konflikt zwischen Akbar und Salîm setzte sich  zwischen Salîm und seinen Söhnen fort.

Letzten Endes kann auch nicht geklärt werden, ob Salîm (oder Khurau) nicht doch für den Tod Akbars verantwortlich war. Dieses Rätsel kann wohl nicht mehr gelöst werden.

Literatur:

Collier, Dirk: The Great Mughals and Their India. (Kindle Edition)

Das Beitragsbild, ein Portrait Akbars, ist gemeinfrei.

5 Kommentare

  1. Pingback: Das größte Grabmal Indiens: Akbars Mausoleum in Sikandra - Persophonie: Kultur-Geschichte

  2. …. vielen Dank für eine so ausführliche geschichtliche Darstellung über die Mogulenherrschaft von Akbar. Ich war lange auf der Suche nach der Wahrheit über Jodha in einigen Foren wurde spekuliert sie hätte nicht existiert und in anderen wiederum wurde behauptet sie wäre die Frau von Salem gewesen.
    Ich habe natürlich auch den Film bzw. die Serie gesehen und war wie viele verzaubert über Kleidung, Schmuck und das Leben bei Hofe. Die Serie Jodha Akbar soll die teuerste sein die jemals im indischen Fernsehen produziert wurde. Dankeschön noch mal für Ihre Recherche. Jodha hat wirklich gelebt ☺️

    • Vielen Dank für das Feedback! Leider ist und bleibt die Frage nach der Existenz Jodhas vor allem ein Politikum und eine Art Auseinandersetzung über Kultur-/ Religion/ Ethnien /Sprachen im heutigen Indien. Insofern sorgte die Serie ja auch für viel Aufsehen. Fakt ist immer noch, dass der Name Jodha in den persischen Quellen nicht erwähnt wird, es ist immer nur von Salîms Mutter Maryam uz-Zamânî die Rede. Es ist und bleibt spannend auch in der Forschung!

  3. Vielen Dank für die ausführliche Information der Mogulendynasti. Ich bin froh, daß Jodha wirklich existierte. Es bedarf wirklich noch viel Forschung über die desolate Familienfede dieser Humâyûn- Akbar Familie und deren Intrigen. Ich würde gerne noch sehr viel mehr auf deutsch über diese gesamte Geschichte lesen oder sehen. Ich danke allen , die sich die Mühe machten diese wunderbare aber auch tragische Geschichte auf so eine fesselnde Art und Weise den Interessenten, nahe gebracht zu haben. Ich bin so gespannt auf mehr. Danke, Danke Danke und nochmals ganz herzlichen Dank und unendlich viele Sterne für Bollywood, die Drehbuchautoren, die Regisseuere und natürlich die hervorragenden Darsteller und die wunderware Kleidung, Schmuck usw. Eine Augenweide, die es in keiner Serie bis jetzt gab, welche ich in meinem leben sah. Aber mich interessiert viel mehr die gesamte Geschichte dieses Mogulenreiches und ich freue mich, daß alle Bauten wie Palast, Mosschee usw und Gräber zum Weltkuturerbe erklärt wurden. Ich habe mich in diese Geschichte verliebt. Danke nochmals allen Mitwirkenden , diese Geschichte der Welt zu erzählen.

    • Hallo, guten Morgen und vielen Dank für das Feedback! In der Tat machen ja einige Dinge wie die Abwesenheit einer Erwähnung von “Jodha” in den Quellen stutzig. Weitere Forschung in den indischen Regionalsprachen wären nötig.
      Interessant ist ja auch, dass britische Quellen behaupten, Maryam uz-Zamani sei Christen gewesen..
      Forschung muss also sein.. 🙂

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