Akbars Lieblingstante: Gulbaban Bâno (st. 1603)

Am Hof des Mogulkaisers Akbar (regierte 1556-1605) spielten die Frauen seiner Familie eine große Rolle. Sie hatten zum Teil einen erheblichen Einfluss auf den Herrscher und waren auch an politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen beteiligt. Dieses betraf sowohl Akbars Ehefrauen (Jodha Bai/Maryam uz-Zamânî (st. 1623) und Salîma (st. 1613 )) als auch seine Mutter Hamîda Bâno (st. 1604). In diesem Beitrag soll es um Akbars Lieblingstante Gulbadan Begum gehen (wörtlich “der Körper einer Rose”).

Gulbadan Begums Zeit in Kabul

Gulbadan Begum war eine der jüngeren Töchter des ersten Mogulherrschers Indiens, Bâbur (st. 1530) und seiner Frau Dildâr. Zur Zeit ihrer Geburt 1523 in Kabul beherrschte Bâbur erst weite Teile des heutigen Afghanistans – erst ab 1525 begannen die Eroberungen in Nordindien. Ab dieser Zeit wurde Gulbadan Begum von Mahâm Begum, der Mutter ihres Bruders Humâyûns (st. 1556), erzogen. 1526 eroberte Bâbur nach der erfolgreichen Schlacht von Panipat Delhi und später Agra und begründete somit das Mogulreich. An seinen gesamten weiblichen Hofstaat ließ er über einen Vertrauten Geschenke verteilen und befahl den Frauen, von Kabul nach Agra umzusiedeln. Ein Grund dafür schien gewesen zu sein, dass die Frauen des Harems sich  immer wieder in politische Angelegenheiten eingemischt hatten – der Herrscher erhoffte sich, die Frauen in Agra besser unter Kontrolle haben zu können. So kam Gulbadan Begum zum ersten Mal nach Agra, das sie 1540 wieder verlassen musste, als ihr Bruder Humâyûn das indische Gebiet wieder verlor und mehr als 15 Jahre im Exil in Lahore, Kabul und Persien lebte.

Gulbadan Begum kehrte nach Kabul zurück, zu dieser Zeit wohl schon verwitwet. Sie war in Indien mit 17 Jahren mit Khizr Khwâja Khân verheiratet worden. Mit ihm hatte sie wahrscheinlich mehrere Kinder, die jedoch wohl alle sehr jung starben – leider erfahren wir aus den Quellen nicht mehr darüber.

Gulbadan Begum kommt nach Agra

1556 änderte sich Gulbadan Begums noch einmal entscheidend, denn ihr Neffe Akbar wurde nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Humâyûn mit nur 14 Jahren Herrscher des Mogulreiches.

1557 traf Gulbadan zusammen mit Akbars Mutter Hamîda Begum in Agra ein. Die beiden Frauen zählten nun mit Akbars Ratgebern Bairam Khân  (st. 1561) und Atga Khân (st. 1562) zu den wichtigsten Personen am Hof.

Gulbadan war dafür bekannt, dass sie ein gewisses erzählerisches Talent hatte und gut Geschichten erzählen konnte. Aus diesem Grund war sie die Person, die Akbar beauftragte, eine Geschichte der Ereignisse rund um Bâbur und Humâyûn zu verfassen.

Gulbadan Begums “Familiengeschichte”

Dieser Aufgabe kam Gulbadan Begum gerne nach, und sie verfasste das Werk, das unter dem Titel Humâyûn-nâma (“Nachrichten über Humâyûn”) bekannt wurde. Darin thematisierte sie nicht nur die positiven Seiten ihres Vaters und ihres Bruders, sondern beschrieb auch in Details dessen Konflikt mit dem weiteren Bruder Kâmrân Mîrzâ (st. 1557). Aus dem Werk können wir auch entnehmen, dass sie sich besonders gut mit ihrem Bruder Hindal Mîrzâ, dem Vater von Akbars Cousine und Ehefrau Ruqaiya Begum verstand.

Die Rolle der Frauen im Harem bei der Vermittlung in familiären Streitigkeiten und bei der Ehestiftung wird von Gulbadan hervorgehoben. Das Werk ist auf Persisch verfasst – und die einzige erhaltene Biographie dieser Zeit, die von einer Frau geschrieben wurde. Es endet aber vier Jahre vor dem Tod Humâyûns.

Über das weitere Leben Gulbadans wissen wir nicht sehr viel, denn darüber berichtet sie ja nichts mehr.

Gulbadan Begums Pilgerfahrt nach Mekka

1575 brach Gulbadan Begum  zusammen mit Hamîda Bâno und Salîma Sultân zu einer Pilgerfahrt nach Mekka auf. Doch Gulbadan Begum verbrachte insgesamt vier Jahre in Mekka und zusätzlich zwei Jahre in Aden (Jemen), bevor sie nach sieben Jahren wieder an Akbars Hof ankam. Dort wurde sie von Akbar mit besonderen Ehren empfangen.

Um ihre Pilgerfahrt soll es noch ein einem separaten Blogbeitrag gehen.

Gulbadan Begum starb 1603. Sie wurde von Akbar besonders betrauert. Ihr Werk ist bis heute ein interessantes Gegengewicht zu allen von Männern geschriebenen Quellen dieser Zeit.

Literatur

Gulbadan Begum: Humayun-nama :The history of Humayun. (tr. by Annette S. Beveridge) Royal Asiatic Society, 1902.

Purnaqcheband, Nader: “Perspektiven aus Harem und Heerlager in der frühen Mogulzeit”, in: Susanne Kurz, Claudia Preckel, Stefan Reichmuth (eds.): Muslim Bodies. Münster 2016, 213-238.


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