Akbars Amme Mâham Anga: Mogulgeschichte im TV (Jodha Akbar)


Kürzlich bin ich in meinem Beitrag schon einma kurz  auf die  Darstellung Mâham Angas in der TV-Serie Jodha Akbar eingegangen. Heute möchte ich noch einmal auf Akbars Amme Mâham Anga eingehen, die über einen großen Einfluß am Hof Akbars verfügte.

Akbars Vater Humâyûn (st. 1556) war durch eine militärische Niederlage gegen die Sur-Dynastie gezwungen, in Persien und Afghanistan im Exil zu leben. Später gelang es dem Mogul-Herrscher, die kurze Zwischenherrschaft der Suris zu beenden und als Herrscher nach Indien zurück zu kehren. Akbars Mutter Humaida Begum lebte mit ihrem Mann im Exil und ließ Akbar bei Mâham Anga zurück.

Mâham Anga hatte insgesamt vier Söhne und eine Tochter, von denen ja vor allem Akbars Milchbruder Adham Khân eine große Rolle spielte. Als Humâyûn 1556 starb, war Akbar erst 13 Jahre alt. Die Herrschaft übernahm Bairam Khân, ein bedeutender Militärführer, der zudem mit einer Halbschwester Humâyûns verheiratet war. Er konnte seinen Einfluss dadurch vergrößern, dass er wichtige Gegner der Moguln  besiegte.

Der Sturz Bairam Khâns

Mâham Anga war jedoch nicht ohne eigenen politischen Ehrgeiz – zudem wolte sie ihren Sohn Adham Khân in eine einflussreiche Stellung bringen. Die Machtkämpfe am Hof verschärften sich mit dem zunehmenden Alter Akbars. Dieser wollte die Macht nicht mehr ausschließlich in den Händen Bairam Khâns belassen, sondern selbst als Herrscher auftreten. Mâham Anga bestärkte Akbar in seiner Absicht, Bairam Khâns Macht zu beschränken – und so brach Bairam Khân zu einer Pilgerfahrt nach Mekka auf. 1561 wurde er ermordet.

Mâham Anga hatte ihr  Ziel erreicht, sie war de facto die Herrscherin am Mogulhof und zog in finanzieller und politischer Hinsicht die Fäden und beeinflusste die entscheidenden Netzwerke des Hofes.

Einfluss und Macht

Wie nahe Mâham Anga Akbar stand, zeigt das Bild, das ich hier als Beitragsbild verwende. Es zeigt eine Illustration aus dem Akbar-nâma – genauer gesagt stellt das Bild die Hochzeit Adham Khân dar. Mâham Anga ist direkt unterhalb es Herrschers zu sehen – ein deutlicher Hinweis auf Mâham Angas Stellung am Hof. Das Bild und die Beschreibung der Hochzeit im Akbar-nâma sind insofern schon erstaunlich, als Mâham  Anga ja nicht mit dem Herrscher verwandt war.

Dann beging  Adham Khân einen Fehler. Nach der Eroberung von Malwa in Zentralindien übergab Adham Khân die Kriegsbeute nicht – wie vorgeschrieben – dem Mogulherrscher, sondern behielt zwei  junge Frauen aus dem Harem Bâz Bahâdurs für sich. Als Mâham Anga dieses herausfand, ließ sie die beiden Frauen ermorden, um Adham Khâns Verfehlung zu vertuschen.

Erst mit der Ermordung  Ataga Khâns hatte Adham Khân und damit auch Mahâm Anga das Vertrauen Akbars verspielt. Akbar tötete  Adham Khân persönlich – und Mâham Anga soll sein Handeln als richtig empfunden haben. Sie starb aber bereits kurz darauf – und ist zusammen mit ihrem Sohn in einem Grab in Mehrauli (Delhi) bestattet.

Einige Historiker, z.B. I.H. Qureshi bezeichnen Mâham Anga als gerissene, intrigante Machtpolitikerin, die auch vor Mord nicht zurückschreckte. In ihrem Buch „Indian Feminism“ schrieb Rukhsana Iftekhar, dass diese Beschreibung nicht wirklich zutreffend sei – und schließlich seien diese Verhaltensweisen bei Männern akzeptiert.

Was ist Ihre Meinung dazu?

Beitragsbild: Illustration des Akbar-nâmahs, Hochzeit von Adham Khân, Public Domain.

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Ein Überblick über unsere Beiträge zur Mogulgeschichte

Kontakt zur Autorin: claudia.preckel (at)  islam-consult

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11 Kommentare zu „Akbars Amme Mâham Anga: Mogulgeschichte im TV (Jodha Akbar)“

  1. „Gerissen“ und „intrigant“ sind die Adjektive für Frauen, an deren Stelle man bei Männern „geschickt“ und „diplomatisch versiert“ verwenden würde… Ich weiß nicht genug über Mâham Anga, um sie selbst einschätzen zu können, aber der Feststellung von Rukhsana Iftekhar stimme ich zu.

    1. Das scheint in der Tat so zu sein – Verhaltensweisen, die bei Männern als „tatkräftig“, „willensstark“ etc. gelten, werden bei Frauen ausschließlich negativ gedeutet. Auch, wenn man Mord nicht als Mittel der Politik rechtfertigen sollte, gehörte er an den Höfen dieser Welt dazu – scheinbar in allen Kulturen zu allen Zeiten. Diese Ergebnisse kann ich auch von meinen eigenen Forschungen zu Bhopal (18-20. Jh) bestätigen. Das Buch Von R Ifthekhar werde ich mir auf jeden Fall auch noch einmal anschauen …

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