Das größte Grabmal Indiens: Akbars Mausoleum in Sikandra

Kürzlich habe ich einen Beitrag über den Tod des Mogulherrschers Akbar (st. 1605) verfasst, heute soll es n dieser Stelle um Akbars Grabstätte in Sikandra, nicht weit von seiner Hauptstadt Agra, liegen. Sikandra existierte bereits unter der muslimischen Dynastie des Delhi Sultanats.

Etwa 1,5 km von Akbars Grab befindet sich das Grabmal von Maryam uz-Zamânî, (Jodha), der hinduistischen Ehefrau Akbars. Interessanterweise berichten britische Quellen der Kolonialzeit, dass Akbars nicht-muslimische Ehefrau Christin gewesen sei (Edmund W. Smith: Akbar’s Tomb. Allahabad, 1909, S. 1). Obwohl es schon um 1900 Zweifel an der christlichen Religionszugehörigkeit Maryams/Jodhas gab, wurde das Gebäude 1857 an die Church Missionary Society zur weiteren Verwaltung gegeben. Diese schloss die eigentliche Grabkammer – es steht zu vermuten, dass die Church Missionary Society (hinduistische und/oder muslimische Pilgerfahrten zu der Grabstätte verhindern wollte.

Im übrigen verwaltete die Church Missionary Society auch das Gebäude Kânch Mahall („Glaspalast“), das nicht weit entfernt von Akbars Grabbau ist. Man vermutet, dass es als Grabmal für eine von Dschahângîrs neunzehn (!! ) Ehefrauen gedacht war.

Nicht Seite an Seite?

An dieser Stelle wird häufig diskutiert, warum denn die Ehefrauen nicht zusammen mit ihren Ehemännern bestattet wurden. Hamîda Bâno ist beispielsweise zusammen mit Akbars Vater Humâyûn (st. 1556) bestattet, aber das ist die Ausnahme. Keine der Hauptfrauen Akbars wurde mit ihm zusammen bestattet: Maryam uz-Zamânis Grabstätte wurde bereits erwähnt, Salîma Sultân Begum (st. 1613) wurde in einem Garten in Agra bestattet, so wie sie es selbst angeordnet hatte. Ruqaiya Begum (st. 1626) wurde zusammen mit ihrem Vater Hindal Mîrzâ (st. 1556) in Kabul beerdigt.

Doch nun zurück zu Akbars Grabstätte. Bei den mongolischen und tatarischen Herrschern, auf deren Linie Akbar sich zurückführte, war es üblich, dass man bereits zu Lebzeiten mit dem Bau seiner Grabstätte begann. Akbars Vater Humâyûn hatte diese Tradition (vielleicht aufgrund seines Exils) erst spät halten können, somit ließ seine Witwe Hamîda Begum sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes das heute noch in dieser Form existierende Grabmal errichten. Dieses Grabmal zählt meiner Ansicht nach zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten Delhis.

Bruch mit architektonischen Traditionen

Akbar begann ebenfalls zu Lebzeiten mit der Konstruktion der Grabanlage, die die flächenmäßig größte Grabanlage Indiens ist. Und auch ansonsten ist sie sehr ungewöhnlich, da sie mit den Traditionen des Grabbaus Indiens bricht.

Akbar selbst veranlasste diesen Bau, ob er jedoch auch den ungewöhnlichen Baustil allein befahl, ist nicht mehr zu klären.

Das Grabmal befindet sich in einer großen Parkanlage, die nach dem persischen Prinzip des châr bagh (vierteiliger Garten) gestaltet ist. Der châgh bâgh symbolisiert mit seinen Wasserspielen, Grünanlagen und den dort lebenden Tieren die koranische Beschreibung des Paradieses. Auch in der heutigen Grabanlage leben noch viele Tiere – wie z.B. Pfauen, Affen und die obligatorischen Streifenhörnchen, die sich überall in Parks und Grünanlagen finden. In einer Torinschrift heißt es „Dies sind die Gärten des Paradieses – tritt ein und lebe ewig“.

Durch das Torhaus, das in seiner bestehenden Form von Akbar geplant wurde, kommt man zum eigentlichen Grabbau. Das Torhaus ist durch seine vier Minarette (châr minâr), wie man sie auch aus Hyderabad kennt, sehr interessant und für die Zeit architektonisch ungewöhnlich.

Noch ungewöhnlicher ist der Grabbau selbst: er besteht aus fünf Stockwerken und ist nach oben offen – normalerweise haben Gräber eine Kuppel. Architekten und Kunsthistoriker sind sich einig, dass sich hier buddhistische und hinduistische Einflüsse wieder finden lassen.

Im obersten Stockwerk steht ein großer Sarkophag, der mit einer marmornen, reich geschmückten Schreibschatulle verziert ist. Die Schreibschatulle ist ein Symbol dafür, dass es sich bei dem Toten um einen einflussreichen Mann handelte.

Die Grabkammer

Der Sarkophag ist ein so genannter Kenotaph, er enthält keine sterblichen Überreste und dient der Erinnerung. Das eigentliche Grab befindet sich unter dem Grabmal in der Erde. Neben Akbars Kenoph befinden sich zwei kleinere Kenotaphen, denn mit Akbar zusammen sind zwei seiner drei Töchter Shakar un-Nisâ und Ârâm Bâno bestattet.

Ich hoffe, dass es klar wurde, dass Akbars Grab in einigen Aspekten sehr ungewöhnlich ist. Es spiegelt Akbars ebenfalls ungewöhnliche (Religions-)Politik wider. Akbar begann mit der Realisierung des Grabmales vor seinem Tod im Jahr 1605, aber es dauerte acht Jahre, bis sein Sohn und Nachfolger Dschahângîr (st. 1627) die Arbeiten vollendete. Auf wen nun die außergewöhnliche Architektur zurückgeht – Akbar, Dschahângîr oder den unbekannten Architekten – lässt sich nicht endgültig ermitteln und wird vielleicht nie abschließend geklärt werden.

Literatur: Siehe das im Beitrag erwähnte Werk von Smith

Beitragsbild: Das Beitragsbild unterliegt der Wikimedia Commons licence 2.0

Hier geht es zu unseren Beiträgen zur Geschichte der Moguln

Tod und Trauer im Islam, Teil 1 und Teil 2

 

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