Mogulkaiser mit Heiligenschein? (Weihnachtsspecial 2017)

Die Malerei der Mogulzeit Indiens ist reich an Portraits von Herrschern, ihrer Ehefrauen und der Eliten des Hofes. Dabei fällt auf, dass der Mogulkaiser einen Heiligenschein trägt. Wie kommt es, dass indo-muslimische Herrscher ab Mitte des 16. Jahrhunderts mit Heiligenscheinen abgebildet sind, die für uns „im Westen“ eng mit der christlichen Tradition verbunden sind?

Zunächst einmal gibt es in der Kunst vieler Kulturen Lichtdarstellungen, die entweder nur den Kopf oder aber den ganzen Körper umstrahlen Der Fachausdruck für einen Heiligenschein oder Nimbus (lat.: Wolke) ist Gloriole oder Glorienschein. Man unterscheidet eine Aureole, die zumeist kreisförmig ist und den Kopf einer Figur umgibt, und die Mandorla, die mandelförmig ist und meistens den ganzen Körper erleuchtet.

Doch stammt die Darstellung des Nimbus wirklich aus der christlichen Kunst? Nein, interessanterweise wurde der Heiligenschein bei der Darstellung Buddhas verwendet, etwa ab dem 1. Jahrhundert. Auch hinduistische Werke zeigen große Heiligenscheine. Islamische Darstellungen von Propheten (inklusive Muhammads) enthielten häufig „Heiligenscheine“ in Form von Flammen, die das Prophetentum von Abraham, Moses, Jesus oder eben Muhammads anzeigten. Derartige Darstellungen stammten meist aus dem schiitisch geprägten Teil der islamischen Welt.

Nach Indien kehrte der Heiligenschein in der Kunst jedoch wahrscheinlich eher über die Kontakte zur christlichen Kunst wieder nach Indien: in meinem Beitrag über die Ostereier am Mogulhof hatte ich bereits die Kontakte Akbars und Dschahângîrs zu den portugiesischen Jesuiten-Mönchen erwähnt.

Christliche Einflüsse lassen sich auch in Akbars neu begründeter Religion, der dîn-e illâhî („die göttliche Religion“) finden.

In der Malerei ließen sich bereits zur Zeit Akbars Portraits mit Heiligenscheinen finden, jedoch waren besonders unter Dschahângîr und Shâh Dschahâns Abbildungen der Mogulherrscher mit Nimbus verbreitet. Nach den Mogulherrschern übernahmen auch andere regionale Herrscher den Heiligenschein als Symbol ihrer Macht.

Der Herrscher, im wörtlichen Sinne eine „Lichtgestalt“, strahlt Macht und Autorität aus. Dabei spielt das Licht eine große Rolle:

Akbars Chronist Abû l-Fazl schrieb in seinem Werk Akbarnâma über die Symbolik des Lichtes:

So war es für die Schüler Seiner Majestät (i.e. Akbar, C.P.) notwendig, sich vor dem Herrscher niederzuwerfen (sajda). Sie betrachten das Niederwerfen vor Seiner Majestät wie das NiederwerLifen vor Gott. Das Königtum ist das Symbol für die Macht Gottes, und ein lichtspendender Strahl von der Sonne des Absoluten (zitiert nach Qaisar/Verma (eds.): Arts and Culture. New Delhi 2002, S. 48)

Die Mogulmalerei zeigt also sehr deutlich , dass die Mogulherrscher sich selbst als besondere Gestalt sah, die von Gott mit besonderer Macht und Autorität ausgestattet wurde. Der Herrscher wurde gleichsam zu einem Heiligen wurde, der sich von allen seinen Untertanen abhob.

PS: Für diejenigen, die meinen, dass Weihnachten ja schon vorbei sei: die Weihnachtliche Festzeit endet erst am Sonntag nach dem 6. Januar 🙂

9 Kommentare

  1. Pingback: [Persophonie] Mogulkaiser mit Heiligenschein? (Weihnachtsspecial 2017) – #Iran

  2. Immer wieder ist es erhellend, sich den Ausdruck des Glaubens und der Symbole interreligiös und geschichtlich zu vergegenwärtigen.
    Bei der Weihnachtsfeier in der Gemeinschaftsunterkunft erzählten uns die Iraner, dass dort am 21. Dezember in den Familien ein Winterfest gefeiert wird mit den sieben S, und sie sangen gemeinsam ein Lied dazu: „Kie ashkato pak mikone“.
    Daher vielen Dank für die anregenden Beiträge des zurückliegendes Jahres.
    Weiter frohe Weihnachtstage und alle guten Wünschen zum neuen Jahr! Viele Grüße, Bernd

  3. Pingback: Eine persische Jesusbiographie für Akbar: „Spiegel der Heiligkeit“ (Osterspecial 2018) | Persophonie: Kultur-Geschichte

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