Der „böse Prinz“ der Sklavendynastie? Rukn ud-Dîn Firoz Shâh

In der zee.one Serie Razia Sultan – die Herrscherin von Delhi gibt es vor allem zwei Gegenspieler Razias (st. 1240): erstens die Kurtisane (und spätere Ehefrau) ihres Vaters Iltutmish (st. 1236) Shâh Turkân (st. 1236) und zweitens der aus dieser Verbindung hervorgegangene Sohn Rukn du-Dîn Firoz Shâh (st. 1236).

Die Serie schildert die wenig geschwisterliche Beziehung Razias und Rukn ud-Dîns, die später (historisch korrekt) in der Auseinandersetzung um den Thron des Delhi Sultanats endete.

Wir wissen leider wenig über die Biographie unseres „bösen Prinzen“ Rukn ud-Dîn, nicht einmal sein genaues Geburtsdatum ist bekannt. Auch über seine Jugend wissen wir sehr wenig. Die Rukn ud-Dîn betreffenden Quellen sind auch nicht gerade freundlich in der Beurteilung Rukn ud-Dîns. Historischerweise korrekt berichtet der marokkanische Reisende Ibn Battûta (st. 1377), dass Rukn ud-Dîn für die Ermordung seines und Razias jüngeren Bruders Qutb ud-Dîn verantwortlich war. Aus diesem Grund habe Razia bei der Versammlung nach dem Freitagsgebet den Tod des jüngeren Bruders beklagt – daraufhin hätten die vierzig einflussreichsten Generäle und Gelehrten Rukn ud-Dîn entmachtet (und später hinrichten lassen) sowie Razia zur Herrscherin erklärt (The Rehla of Ibn Battuta, S. 34).

Dieses ja doch schon negative Bild wird von einer weiteren – diesmal indischen – Quelle noch übertroffen, nämlich von dem Werk Tabaqât-e Akbarî von Nizâm ud-Dîn Ahmad (st. 1621). Diese Quelle, die knapp 400 Jahre nach Razias Tod entstand, ist in der Beurteilung Rukn ud-Dîns negativ geprägt und hatte wohl auch den größten Einfluss auf die Drehbuchschreiber  der Serie Razia Sultan. Zunächst erfahren wir (Englische Übersetzung, Teil 1, S. 72), dass Iltutmish seinen Sohn Rukn ud-Dîn zunächst zum Gouverneur von Bada’ûn machte.

Bei Iltutmishs Tod wurde Rukn ud-Dîns dann zum Nachfolger Iltutmishs bestimmt. Zunächst wurde die Ernennung Rukn ud-Dîns auch von den türkischen Hofeliten positiv begleitet. Der Hofsekretär Taj ud-Dîn Rezâ schrieb anlässlich der Thronbesteigung Rukn ud-Dîns eine lange Ode, für die er mit vielen Geschenken geehrt wurde.

So hieß es dort (S. 72, Übersetzung aus dem Englischen CP)

Möge das ewige Königreich unter gutem Vorzeichen stehen

Für den König, besonders in seiner Jugend

Die Unfehlbarkeit des Reiches (yaqîn-e daulat) Rukn ud-Dîn

Doch die Zufriedenheit mit dem Herrscher hielt nicht lange an (s. 72/73, Übersetzung aus dem Englischen CP):

Als er (i.e. Rukn ud-Dîn) auf dem Thron saß, hinderte ihn sein Streben nach Vergnügen und Amüsement am Regieren. Er öffnete die Tore der Schatzkammern und gab die Schätze weg….  die meisten Geschenke gingen an Tänzerinnen und Menschen der niederen Sorte, an Idioten und Narren.

Nizâm ud-Dîn Ahmad schilderte zudem, dass die eigentliche Macht im Staate in den Händen von Rukn ud-Dîns Mutter Shâh Turkân lag. Rukn ud-Dîn war wohl nicht mehr als eine Marionette seiner Mutter. Während Rukn ud-Dîn sich Alkohol und Vergnügungen widmete, formierte sich unter der türkischen Hofelite der Widerstand. Da das Reich des Delhi Sultanats noch nicht stabil war, mussten die Notabeln befürchten, bei einer militärischen Niederlage ihre Positionen zu verlieren.

Aus diesem Grund wurde Rukn ud-Dîn schließlich gestürzt und durch Razia Sultân ersetzt, die sich als fähige Regentin und Militärführerin erwies.

Zusammenfassend muss man sagen, dass Rukn ud-Dîn übereinstimmend von den Quellen als schwacher Herrscher charakterisiert, der auch durch seine Grausamkeit, vor allem aber durch seine Vergnügungssucht auffiel. Die ausführlichste Quellen entstand allerdings 400 Jahre nach seinem Tod und wurde aus dem der Perspektive des Mogulreichs verfasst. Ob es noch andere, vielleicht gegensätzliche Quellen gibt, lässt sich derzeit nicht sagen und muss zukünftigen Forschungen zur Klärung überlassen werden.

Literatur: Siehe Beitrag

Beitragsbild: Manuskript aus dem Salar Jung Museum in Hyderabad,

 

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