Diwali: Das Festival der Lichter am Mogulhof

Heute, am 7. November 2018, wird in den hinduistisch geprägten Gesellschaften Südasiens aber auch in der Diaspora das Lichterfest Diwali statt. Dieses Fest wird von dem hinduistischen Kalender bestimmt und beginnt am 15. Tag des Monats Katika, der durch den Stand von Sonne und Mond festgesetzt wird. In Nordindien gilt dieser Tag auch als Beginn des neuen Jahres.

Bedeutung

Diwali erinnert der Überlieferung nach an die Rückkehr der Gottheiten Rama, Sita und Lakshman nach einem langen Exil in ihre Heimatstadt Ayodhya. Die dortige Bevölkerung zündete Kerzen und Lampen an, um den Gottheiten den Weg zu erleuchten. Wie viele Festlichkeiten symbolisiert Diwali so den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit und des Guten über das Böse.

Am Mogulhof

Der indische Mogulherrscher Akbar (reg. 1556-1605) war dafür bekannt, dass er an seinem Hof Feste und Feierlichkeiten vieler Religionen seines Reiches feierte. Sein Chronist Abû l-Fazl notierte:

Er wollte die Religionen verstehen, um besser zu herrschen. Und Feierlichkeiten waren ein fröhlicher Weg dieses zu tun.

Wir hatten auf diesem Blog schon darüber berichtet, dass das persische Neujahrsfest Nourûz und das Frühlingsfest Holi intensiv gefeiert wurden. Während diese Feste ja im Frühling gefeiert wurden, markiert Diwali das Ende des Monsoons und der Erntezeit. Traditionell begannen die Moguln nach Diwali auch die Feldzüge, da ja die Männer des Dorfes nun nicht mehr für die Feldarbeit benötigt wurden.

Dass Akbar und sein Sohn Salîm / Dschahângîr damit begannen, Diwali am Hof von Agra zu feiern, lag vor allem an ihren Hindu-Ehefrauen: sowohl Akbars Ehefrau Jodha / Maryam uz-Zamâni (die Mutter Salîms) als auch Salîms Ehefrauen Mân Bai und Jagat Gosain waren ja Hindus geblieben und praktizierten ihren Glauben weiter.

In seinen Memoiren (The Jahangirnama, ed. / transl. W.M. Thackston, Oxford 1999, 147) berichtet Dschahângir interessanterweise davon, dass Diwali eine Feierlichkeit der Kaste der Vaishyas, der Händler und Hirten, sei. Diese würden den Tag mit Spielen und Feierlichkeiten verbringen. Zudem glaubten sie, dass ein Bankkonto (Engl. account, hier vielleicht eher Geschäft), das an diesem Tag begonnen wurde, besonders erfolgreich sei.

Vor dem Hintergrund dessen, dass Dschahângîr bereits in seiner Kindheit die Diwali-Feierlichkeiten in Agra mitbekommen hatte, verwundert die Äußerung. Es könnte aber auch daran liegen, dass die Moguln häufig nicht die Bezeichnung Diwali verwendeten, sondern den Begriff Jashn-e chighangân, Lampenfest.

Lampen und Lichter

Ebenfalls erstaunlich ist die Aussage Blakes, dass der Mogulherrscher Shâh Dschahân, also Akbars Urenkel (st. 1666), das Fest nicht beging (Blake: Time in Early Modern Islam, 89).

Dabei war es gerade Shâh Dschahân, der die Diwali-Feierlichkeiten in Delhi besonders  pompös beging. Nachdem er seine Hauptstadt von Agra nach Delhi verlegt und das Rote Fort zum Symbol seiner Macht wurde, feierte er Diwali mit großer Pracht. Er  war der erste, der die so genannten Himmelslampen (âkâsh chighân) aufstellte. Diese wurden auf einer fast 40 Meter hohen Konstruktion aufgestellt und strahlten so hell, dass sie nicht nur das Rote Fort, sondern auch im  Chandni Chowk zu sehen waren.

Spätere Mogulherrscher ließen auch prachtvolle Feuerwerke abbrennen, um Diwali gebührend zu feiern.

Unislamischer Brauch?

Es soll nicht verschwiegen werden, dass es von muslimischer Seite nicht nur positiv betrachtet wurde, dass Diwali mit großem Pomp gefeiert wurde.

Der bedeutende islamische Reformer Sayyid Ahmad Sirhindî (st. 1624) kritisierte die Diwali-Feierlichkeiten unter Muslimen – und erteilte einen Seitenhieb auf muslimische Frauen und ihre angebliche Anfälligkeit für unislamische Neuerungen (bida‘) (Blake: Time in Early Modern Islam, 89).

Während Diwali feiern die ignoranten Muslime, vor allem die Frauen, die Zeremonien. Sie feiern es wie ihr eigenes ‚id (gemeint ist: wie ein muslimisches Fest, CP) und schicken Geschenke an ihre Töchter und Schwestern. Sie färben ihre Töpfe, füllen sie mit rotem Reis und versenden sie als Geschenk. Sie verleihen dieser Festlichkeit viel Bedeutung und Gewicht.

1665 führte die Kritik von muslimischer Seite dazu, dass Akbars Urenkel Aurangzeb (st. 1705) die Diwali-Feierlichkeiten am Mogulhof abschaffte. Ihm waren vor allem Alkoholkonsum und Würfel- und Kartenspiel ein Dorn im Auge.

Das änderte aber nichts daran, dass die späteren Mogulherrscher die Diwali-Feierlichkeiten wieder einführten. Bis die Briten 1857 die endgültige Herrschaft übernahmen, wurde Diwali im Red Fort gefeiert.

Literatur:

Blake, Stephen P. Time in Early Modern Islam. Calendar, Ceremony, and Chronology in the Safavid, Mughal, and Ottoman Empires. Cambridge: CUP 2013.

Beitragsbild:

By Karanchheda13495 [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

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Hinweis: Unsere Beiträge zur Geschichte der Moguln

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