Hunde am Mogulhof: Jagdgefährten und Statussymbole

In meinem ersten Gastbeitrag in der Persophonie habe ich über Hunde im Islam geschrieben: darüber, dass vor allem schwarze Hunde gefürchtet sind, Überlieferungen über Hunde im Koran und dem hadîth-Korpus und die Rolle von Hunden als Jagdhunden. Hier ist durchaus bemerkenswert, dass man Tiere, die von Jagdhunden apportiert wurden, essen darf – obwohl ja der Speichel der Hunde die Beutetiere berührt hat.

In meinem heutigen Beitrag möchte ich auf die Rolle von Hunden am Hofe der Moguln näher eingehen.

Schon alleine die Bezeichnung von Hunden am Mogulhof war durchaus interessant, die Bezeichnung lautete sag-e tâzî, was zum einen „Windhunde“ oder auch „Rennhunde“ bedeutet, zum anderen aber auch für „arabisch“ steht. Als tâzî bezeichnete man sowohl am persischen Hof als auch am Mogulhof „arabische Pferde“, also „Araber“. Einige Autoren meinen, dass die Tiere nicht unter „arabische Hunde“, sondern unter „persische Hunde“ bekannt waren – doch zum Thema, woher Hunde denn überhaupt bezogen wurden, kommen wir später.

persophonie_sloughi

Ein Blick auf die am Mogulhof vertretenen Rassen zeigt, dass die Bezeichnung „arabische Hunde“ wahrscheinlich nicht ganz verkehrt ist: so ist der Sloughi auch als „Arabischer Windhund“ oder „Tâzî“ bekannt. Diese Rasse stammt aus Marokko, hat aber nichts mit dem Saluki zu tun – obwohl das ja dem Namen nach naheliegen würde. Salukis wurden übrigens nachweislich sehr oft am Mogulhof gehalten.

Windhunde verschiedenster Herkunft bildeten wohl die Mehrheit der am Hof vertretenen Hunderassen. Besonders berühmt waren die Afghanischen Windhunde.

Bâbur (st. 1530), der erste Mogulherrscher, klagte in seiner Autobiographie, dem Bâbur-nâma, über die von ihm besetzten Gebiete Hindustâns: (Bâbur-nâma, Übersetzung von A. S. Beveridge, S. 518)

Es gibt keine guten Pferde, keine guten Hunde, keine Trauben, keine (Kantalup)Melonen oder andere exzellenten Früchte, kein Eis oder kaltes Wasser, kein gutes Brot oder gekochtes Essen in den Bazaren, keine heißen Bäder oder Kerzen.

Im Gegensatz dazu war Afghanistan, von wo Bâbur das Mogulreich ausgedehnt hatte, auch bei britischen Reisenden, Händlern und Vertretern der späteren britischen Kolonialmacht immer für seine Windhunde bekannt gewesen.

Diese Haltung finden wir auch in Abû l-Fazls Chronik Ain-i Akbarî, der Chronik der Herrschaftszeit Akbars (Ain-i Akbarî I, 301): Dort wird über Akbar und seine Einstellung zu Hunden gesagt:

Seine Majestät schätzt diese Tiere (i.e. Hunde, C.P.) wegen ihrer hervorragenden Eigenschaften sehr und importiert Hunde aus allen Ländern. Exzellente Hunde kommen aus Kabul (i.e. Afghanistan), vor allem aus dem Hazara Distrikt. Sie schmücken die Hunde und geben ihnen sogar Namen. Hunde greifen jedes Tier an, und es ist bemerkenswert, dass sie sogar Tiger angreifen! Einige von ihnen tun sich zusammen und ringen den Feind nieder!

In der Tat wurden die Hunde auch am Mogulhof mit kostbaren Halsbändern und Leinen geschmückt und trugen Namen.

Während ja in oben genannter Quelle hauptsächlich von Afghanistan und Afghanischen Windhunden die Rede ist, erfahren wir aus dem Dschahângîr-nâma, der Autobiographie von Akbars Sohn Dschahângîr (st. 1627), dass er die Hunde an seinem Hof nicht nur aus Afghanistan, sondern auch vom safavidischen Herrscher Schâh ‘Abbâs bezog. So berichtete er im Jahr 1614, dass Mustafa Beg, der Abgesandte des Schâhs, ihm Pferde, Kamele, Textilien aus Aleppo und „neun europäische Jagdhunde“ überbrachte.

An dieser Stelle des Textes gibt es auch einen Hinweis, dass es hier einen Austausch bzw. Handel mit dem Osmanischen Reich gab. Auch dort genossen Jagdhunde einen hohen Stellenwert. Besonders erwähnenswert sind Mastiffs, die im heutigen Polen, Russland und Moldavien gefangen und nach Istanbul gebracht wurden. Wahrscheinlich handelte es sich bei den oben beschriebenen neun Hunden ebenfalls um Mastiffs.

persophonie_mastiff

Dschahângîr war von europäischen Hunden besonders angetan – so bat er den Vertreter der Briten an seinem Hof, Sir Thomas Roe, darum, ihm doch bitte aus Europa „noch mehr Mastiffs, Irische Windhunde (Irische Wolfshunde??) und andere Hunde, die in Eurem Land jagen“ zu besorgen. Hier wissen wir nicht, ob Roe diesem Ansinnen nachkam.

Dschahângîr präsentierte seinerseits bei etlichen Gelegenheiten den Würdenträgern seines Reiches „arabische Hunde“ als Geschenke, auch hier sind allerdings die Hunderassen nicht näher bekannt.

Dschahângîr war dafür bekannt, dass er in seiner Autobiographie auch besondere Erlebnisse und Beobachtungen die Natur in „Hindustân“ betreffend notierte. So berichtete er über die Jagd auf Schafe und Antilopen und andere Tiere, dass es zwölf sehr schneller Jagdhunde bedurft hatte, um einen Asiatischen Steinbock niederzuringen – und selbst diese hatten einige Probleme (Dschahângîr-nâma, S. 84). Er stellte zudem fest, dass man, um die Hunde in der indischen Hitze nicht zu überfordern, im Sommer früh am Morgen oder abends mit Hunden jagen sollte (S. 86).

Beenden möchte ich diesen Blogbeitrag mit Dschahângîrs Beschreibung der Tollwut bei einem Hund – allerdings nicht bei einem seiner Hofhunde.

Ich wusste, dass jedes Tier, das von einem tollwütigen Hund (in der englischen Übersetzung „mad dog“, C.P) gebissen wird, mit Sicherheit sterben würde, aber bis dahin war das bei Elefanten nicht bekannt. In einer Nacht während meiner Herrschaft gelangte ein tollwütiger Hund in den Bereich, in dem mein persönlicher Elefant Kachi angebunden war. Der Hund biss in das Bein des weiblichen Elefanten, der die Gefährtin meines Elefanten war. Der weibliche Elefant fing sofort an zu brüllen, so dass die Elefantenwärter sofort ankamen und den Hund in das Dorngebüsch in der Nähe warfen. Ein wenig später kam der Hund jedoch zurück, diesmal zu meinem Elefantenbullen, und biss ihn ins Bein. Der Elefant trat auf den Hund und tötete ihn. Einen Monat später wurde die Elefantenkuh während des Grasens vom Blitz getroffen. Sie fing an zu brüllen, alle Glieder zitterten, und sie warf sich auf den Boden. Sie stand wieder auf, speichelte und sabberte aber die nächsten sieben Tage. Dann fing sie wieder an zu brüllen. Keine Behandlung der Elefantenwärter war hilfreich. Am siebten Tag fiel sie tot um.

Einen Monat nach dem Tod der Elefantenkuh brachte man den Elefantenbullen zum Fluss, und es war ebenfalls bewölkt und gewittrig. Der Elefantenbulle geriet ebenfalls in Rage und zeigte dieselben Erscheinungen wie die Elefantenkuh. Obwohl die Elefantenwärter ihn sofort nach Hause brachten und jegliche Fürsorge zeigten, starb er auf dieselbe Weise wie die Elefantenkuh. Das ist wirklich erstaunlich. Es ist bemerkenswert, dass einem so großen Tier durch die Wunde eines so kleinen Tieres solche Schmerzen zugefügt werden können.

Diese Beschreibung Dschahângîrs ist nicht nur an sich interessant und bemerkenswert, sondern sie zeigt auch die Unterschiede zwischen den Hofhunden und den freilebenden Hunden, die häufig in der Tat von Tollwut betroffen waren.

Zusammengefasst zeigt sich, dass Hunde am Mogulhof ein wichtiges Statussymbol waren, mit dem sich die Herrscher auch gerne porträtieren ließen. Eine Zusammenstellung einiger Malereien aus Indien sehen Sie hier in meinem Pinterest-Account:

https://de.pinterest.com/claudiapreckelg/hunde-indien/

Das Beitrags-Bild zeigt den „Mastiff von Persepolis“, ca. 550 v. Chr. – Siehe die Creativ Commons License.

Das Bild hat mich persönlich sehr beeindruckt, deshalb habe ich es als Titelbild gewählt, obwohl es ja eigentlich nicht zum Thema MOGULHOF passt.

Statue of a molosser-type dog, the Mastiff of Persepolis, from the south east tower of the Apadana of Persepolis. National Museum, Tehran, Iran.
Datetaken in 2002-05
SourceOwn work
AuthorPhilippe Chavin (Simorg)
Permission
(Reusing this file)
Own work, copyleft: Multi-license with GFDL and Creative Commons CC-BY-SA-2.5 and older versions (2.0 and 1.0)

Das zweite Bild zeigt einen Sloughi,  dieses Bild ist unter Public Domain.

Das dritte Bild zeigt ein Gemälde des Mastiffs „Lucky’s Governor“ aus dem Jahr 1869. Es ist PUBLIC DOMAIN.

3 Kommentare

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