Unser Blogprofil oder warum wir nicht über Politik bloggen


Im Moment habe ich Urlaub, befasse mich ziemlich intensiv mit einigen meiner Hobbies und bin dementsprechend mäßig einfallsreich. Ideale Bedingungen, um endlich zu tun, was ich schon lange vorhatte und was kürzlich ausdrücklich nachgefragt wurde: einen Beitrag zum Profil dieses Blogs verfassen.

Darüber habe ich deshalb schon länger nachgedacht, weil ich den Eindruck hatte, mein Profil auf den recht ausführlichen Vorstellungsseiten zu meiner Person reicht nicht aus, um das Profil des Blogs zu vermitteln.

Dabei entsprach das Blogprofil lange Zeit ziemlich genau meinem wissenschaftlichen Profil zuzüglich einiger „beruflicher Hobbies“ – also Themen, über die ich nicht systematisch geforscht habe, mit denen ich mich aber aus reinem Interesse befasse.

Da ich seit letztem Sommer nicht mehr allein blogge, empfiehlt es sich nun umso mehr, für Klarheit zu sorgen. Dabei besteht natürlich die Gefahr, daß wir uns zu sehr festlegen. Ein gewisses Maß an Ambiguität hat ja auch den Vorteil, Freiheiten zu schaffen.

Nehmen Sie die folgenden Ausführungen also bitte als Orientierung, wenn Sie wissen wollen, mit welcher Art von Inhalten Sie hier einigermaßen regelmäßig rechnen können. Aber bleiben Sie offen für Überraschungen.

Worüber wir bloggen

Zunächst einmal blogge ich in erster Linie über das, was mich interessiert. Sonst macht es mir nämlich keinen Spaß. Außerdem ist meine These, daß etwas, was mich interessiert, auch andere interessieren kann. Denn es muß ja etwas Interessantes dran sein, wenn ich es interessant finde. 😉

Zu diesen Dingen, die mich interessieren, gehören:

  • Geschichte – auch Ereignisgeschichte (vor allem wenn sie spannend ist und weil man sie hierzulande nicht voraussetzen kann), über mehrere Jahrhunderte hinweg; besondere Steckenpferde: das 11. Jahrhundert mit den Ghaznaviden und Beyhaqîs Geschichtswerk über Mas’ûd, mit den Seldschuken und dem Wesir Nezâm ol-Molk sowie neuerdings die Moguln (16.-19. Jh., Indien).
  • Kulturgeschichte – in dem Sinne, daß die politischen Ereignisse eher als Hintergrundfolie dienen, vor der man die Denk- und Lebensweise sowie die Welt- und Wertvorstellungen und die Gefühlswelt der Menschen verstehen lernen kann. Dazu gehört auch die Geschichte von Wissenschaften wie der Medizin und natürlich der Humor. Ich möchte aber auch immer wieder zeigen, wieso kulturhistorische Kenntnisse nicht nur interessant, sondern auch unmittelbar nützlich sind. Zum Beispiel für das Verständnis der heutigen Kultur.
  • Kultur – im oben schon erwähnten Sinne: Wissenschaft, Denkweise, Vorstellungswelten, Literatur und Kunst, aber ohne zeitliche Einschränkung. Ich blogge also durchaus auch mal über Themen der aktuellen (Alltags-)Kultur sowohl in Iran und Deutschland als auch in anderen Regionen der (ehemaligen) Persophonie oder nehme Gastbeiträge dazu auf (z.B. zu Indien oder Flüchtlingen). Das können Reiseberichte sein, Beiträge zur Musik oder allgemeine Beobachtungen und Nachrichten. Dabei richte ich mich nach meinen eigenen Interessen, Erlebnissen und Erfahrungen.
  • Islam – Als ausgebildete Islamwissenschaftlerin brennt mir gelegentlich auch mal etwas zum Thema Religion unter den Nägeln. In solchen Fällen habe ich mich auch schon in Blogbeiträgen zum Islam oder der Islamwissenschaft geäußert. Da Religion aber nicht im engeren Sinne mein Arbeitsgebiet ist, übernimmt seit letztem Sommer überwiegend Claudia Preckel diesen Part.
  • Interkulturelle Kompetenz – Claudia Preckel ist es auch, die sich im Rahmen ihrer Tätigkeit als interkulturelle Trainerin mit dem Islam im deutschen Alltag, der deutschen Politik und vor allem der Vermeidung interkultureller Mißverständnisse und Tips zum besseren Miteinander mit Muslimen beschäftigt. Sie ergänzt den Blog um einen Fokus auf diesem Thema. Ich selbst trage hier nur eigene Erfahrungen und Erkenntnisse aus meiner historischen Arbeit bei (s.o. unter Kulturgeschichte).

Worüber wir nicht bloggen und warum

  • Tagespolitik – Zwar erscheint mir ein weit gefaßter Kulturbegriff, der auch die Politik einschließt, in der wissenschaftlichen Arbeit durchaus sinnvoll. Dennoch sind wir keine Zeitung, die aktuelle Ereignisse berichtet, erläutert und kommentiert – auch nicht, wenn sie im (aktuellen und ehemaligen) persischen Sprach- und Kulturraum stattfinden oder einen Bezug dazu oder zum Islam haben.
  • längerfristige politische Zustände – Auch die politische Analyse gehört nicht zu unseren Kernkompetenzen. Keine von uns ist Politikwissenschaftlerin oder Soziologin. Daher beschränken sich unsere aktuellen Beiträge auf eigene Erfahrungen und Interessen und haben meist einen Bezug zur Alltagskultur, Kunst oder Literatur.
  • Auswirkungen von Politik auf Kunst und (Alltags-)Kultur – Es kann zwar vorkommen, daß wir am Rande darauf hinweisen, aber zum Gegenstand haben wir dieses Thema bisher nicht gemacht. Und das habe ich auch für die Zukunft nicht vor.

Die wichtigsten Gründe dafür, diese Themen nicht oder höchstens beiläufig zu behandeln, sind die folgenden:

  1. Sie liegen nicht innerhalb unserer fachlichen Kernkompetenzen. Das heißt: Es gibt Kollegen, die das besser können. Also überlassen wir es denen.
  2. Nach meinem bisherigen Eindruck ist es fast unmöglich, einen iran- oder orientbezogenen Blog zu finden, der sich NICHT maßgeblich mit Politik befaßt. Wer sich also hauptsächlich dafür interessiert, sollte genügend Auswahl haben. Eine (wahrscheinlich kommentierte) Linkliste dazu wollen wir auch demnächst noch erstellen, um Ihnen die Suche zu erleichtern.
  3. Mich persönlich interessieren viele der politischen Details einfach nicht genug, um mich intensiver damit zu befassen. (Am ehesten noch der dritte Punkt.) Das trifft auf Claudia Preckel nicht in dieser Form zu. Aber sie ist hier ja nicht allein, und das Konzept des Blogs stammt von mir. 🙂

Selbstverständlich gibt es neben meinem wissenschaftlichen Profil auch noch einen anderen handfesten Grund, warum unser Blog genau das hier beschriebene Profil hat und kein anderes. Nämlich diesen hier:

Zielsetzung des Blogs

Als von Natur aus widerborstiger Mensch habe ich eine Abneigung gegen alles, was auch nur entfernt nach Mainstream aussieht – auch innerhalb der Wissenschaft übrigens. Wenn es alle interessiert, ist das schon ein Grund, warum es mich allenfalls mäßig interessieren wird. Ist ja auch langweilig, das zu tun, was sowieso schon alle anderen machen.

Ein wesentliches Ziel dieses Blogs ist es deshalb, die Leser für das zu erwärmen, was mich selbst fasziniert: Die Themen, die eben nicht überall im öffentlichen Diskurs vertreten sind. Ich möchte Ihnen also neue Themen nahebringen, die ich für interessant, wichtig oder einen zentralen Bestandteil der persischsprachigen Kultur halte. Hier sollen Sie finden, was Sie anderswo eben nicht zu lesen bekommen. So können wir auch am ehesten einen Mehrwert schaffen.

Deshalb habe ich das Profil des Blogs von Anfang an so konzipiert, wie Sie es vor sich sehen. Mir ist klar, daß wir uns damit in einer Nische innerhalb einer Nische bewegen. Deshalb haben wir nach drei Jahren noch immer keine Millionen von Besuchern.

Trotzdem wachsen die Besucherzahlen stetig an. Und das scheint mir die beste Bestätigung dafür, daß es irgendwie doch funktioniert und unser Profil attraktiv ist. Oder?

Bildnachweis

Beitragsbild: eigenes Bild (Esfahân, Meydân-e Naqsch-e Dschahân)

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6 Kommentare zu „Unser Blogprofil oder warum wir nicht über Politik bloggen“

  1. Ich persönlich finde den Blog, so wie er ist, sehr interessant. Genau dass es hier so oft um Themen geht, die man eben nicht überall findet, gefällt mir – ich habe noch aus jedem Beitrag etwas lernen können.

    Vielen Dank dafür, und weiter so! 🙂

    1. Danke, das freut mich sehr! ☺ Wir dachten nur, wir sollten mal für alle deutlich sagen, was wir hier machen und was nicht, einfach um Mißverständnissen und falschen Erwartungen vorzubeugen.

  2. Liebe Frau Kurz,

    auch wenn Sie nicht über Politik schreiben, so thematisieren Sie nach meiner Beobachtung doch immer mal wieder die Machtspielchen und Rangeleien zwischen Herrschern und Völkern, die selbstverständlich zur Politik dazugehören.

    In diese Ihre Betrachtungen könnte etwas passen, das in dem Beitrag Die Erfindung der Demokratie vom 19.3.2017 bei der „Süddeutschen“ thematisiert wird. Auch wenn es in dem recht umfangreichen SZ-Beitrag um die einstige Republik Tlaxcallan geht, die im Gebiet des heutigen Mexiko lag. Analogien zu anderen Gemeinwesen / Staaten der Menschheitsgeschichte und -gegenwart sind offenkundig.

    Mit besten Grüßen

    Eckhardt Kiwitt, Freising

    1. Lieber Herr Kiwitt, da gaben Sie völlig recht. „Nicht über Politik“ ist natürlich etwas verkürzt formuliert. Gemeint waren, wie im Beitrag erläutert, aktuelle Tagespolitik und jüngste Zeitgeschichte. Was auch nicht heißt, daß wir uns dafür nicht interessieren würden. Herzlichen Dank für den Link! Solche Querverbindungen sind oft sehr anregend.
      Beste Grüße
      Susanne Kurz

  3. Ja, in der Tat, ich bin ja auch ein sehr politischer Mensch, und natürlich schalte ich mich mit meinen „Interkulturell“-Beiträgen auch irgendwie in das aktuelle politische Geschäft in Deutschland ein. Über einen kleinen Prozentsatz hinaus möchte ich das aber vermeiden. Mir geht es primär um die DARSTELLUNG verschiedener Positionen im Diskurs – auch im innerislamischen.

    Dennoch möche auch ich nichts über das aktuelle politische Tagesgeschehen Irans oder Indiens schreiben – ich bin nämlich ebenfalls der Ansicht, dass auch die Vergangenheit schon politisch genug war 🙂
    Unter Themenmangel werden wir in der Persophonie jedenfalls NICHT leiden!

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