Kerman

Es ist November, und hier im deutschen Südwesten zieht gerade trübes und kaltes Winterwetter ein. Da dachte ich mir, ich entführe Sie mal wieder in einen Iran-Reisebericht aus einem anderen Blog.

Dieser hier enthält zwar keine Bilder (außer dem Titelbild), aber dafür wertvolle Informationen zum „Ta’ârofieren“. Falls Sie mal nach Iran reisen wollen, könnte das nützlich sein. 😉

Außerdem finden Sie auf diesem Blog noch weitere Berichte von dieser Iranreise, die per Couchsurfing stattfand – also ein richtiges Abenteuer. (Nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen, aber das muß jeder selbst wissen.)

Natürlich finden Sie in der iranischen Mittelschicht heute überwiegend Tische und Stühle, Sessel und Sofas wie bei uns auch. Aber in traditionellen oder weniger finanzstarken Haushalten oder wenn sich sehr viele Menschen auf einmal treffen und der Tisch nicht genügend Platz bietet, wird schon auch mal auf dem Boden gesessen. Ich persönlich mag das ja.

Viel Spaß beim Lesen und Stöbern!

Indo-muslimische Geschichte im TV: Razia Sultan

Auch im deutschsprachigen Raum erreichte der Bollywood-Sender Zee.One hohe Einschaltquoten mit der Bollyserie zur Mogulgeschichte, Jodha Akbar.
Nun geht eine weitere „episch-historische Hitserie“ auf Sendung: Razia Sultan – Die Herrscherin von Delhi. Angekündigt wird die Serie mit folgendem Text:

Der Weg auf den Thron ist schwer. Früh muss die schöne Prinzessin sich gegen Neider, Intrigantinnen und feindliche Armeen behaupten. Ihr Vater war als türkischer Sklave an den Königshof gekommen, und zum wichtigsten Berater des Sultans und Ehemann dessen Tochter Begum Qutub aufgestiegen. Von ihm lernt Razia Kampfgeist und Strategie. Ihr Großvater, der alte Sultan, lehrt sie Gnade und Besonnenheit.
….

Kann Razia sich gegen ihren rachsüchtigen Halbbruder Muiz, den Sohn ihres Vaters mit einer Sklavin, durchsetzen? Was entwickelt sich aus ihrer Kindheitsfreundschaft mit Malik, dem zukünftigen Regenten der Provinz Bathinda?

Ich persönlich war natürlich sofort begeistert von dieser Serie – als Bollywood-Fan und Islamwissenschaftlerin werde ich demnächst sicherlich häufiger über diese Serie bloggen. In der Serie geht es – wen überrascht das wirklich? – um Razias Aufstieg zur Herrscherin – vor allem aber um ihre (angeblichen) Liebesbeziehungen. Die Biographie Razias, die von 1205-1240 lebte,  bietet auch diesbezüglich einiges.

Wer jedoch erwartet, dass es eine historische Klarheit über die Figur von Razia gibt, wird bestimmt erneut enttäuscht war. Hatte ich ja schon damit angefangen, aufzulisten, warum es so schwierig ist, über Mogulgeschichte zu bloggen, steigert sich das Problem ja noch einmal, da Razia Sultân ja noch einmal knapp 300 Jahre VOR den Moguln lebte und herrschte.

Gesichert ist in jedem Falle, dass es Razia (eigentlich: Razîya oder Arabisch Radîya) bint Iltutmish tatsächlich gegeben hat, und sie vier Jahre lang über das Delhi Sultanat herrschte.

Die Herrschaft des Delhi Sultanates in Indien ging zurück auf einen türkischen Militätärsklaven (Mamluken) names Qutb ud-Dîn Aibek (st. 1210), der die Sklaven-Dynastie (ghulâmî khândân) begründete. Von seinem Geburtsort im heutigen Kirgistan konnte er Gebiete auf dem indischen Subkontinent erobern. Seine Hauptstadt war Lahore, später ja auch eine Hauptstadt der Moguln. Als er 1210 starb, wurde sein Schwiegersohn Shams ud-Dîn Iltutmish (auch Altumsh, st. 1236) nicht sein direkter Nachfolger, sondern im Jahr 1211 erst der übernächste.

Iltutmish war militärisch ebenfalls erfolgreich und konnte Herrschaft der Sklavendynastie in Indien festigen. Delhi wurde zum Zentrum und Hauptstadt des Reiches.
Razia war Iltutmishs ältestes Kind (mit seiner Frau Qutub Begum), und ihr Vater war sich Zeit seines Lebens darüber im Klaren, dass sie im Gegensatz zu ihren Halbbrüdern über außerordentliche Fähigkeiten und Intelligenz verfügte. Als er selbst kurz vor seinem Tod eine Militäraktion gegen das Gebiet um die heutige Stadt Gwalior durchführte, übertrug er Razia die Regierungsverantwortung während seiner Abwesenheit. Die einflussreichen 40 Generäle, die das militärische Rückgrat des Reiches bildeten, sprachen sich gegen Razia aus. Der berühmte Historiker Firishta, der 1620 starb, berichtete, dass Iltutmish gesagt haben soll:

“ Meine Söhne geben sich nur dem Wein und allen anderen möglichen Exzessen hin – keiner von ihnen hat die Fähigkeiten, das Reich zu führen. Razia ist besser als meine Söhne“

Aus diesem Grund hatte Iltutmish seine Tochter auch zu seiner Nachfolgerin, nachdem sein ältester Sohn Nasîr ud-Din plötzlich verstorben war. Doch Razias Gegner in der eigenen Familie bzw. im Harem waren sehr mächtig: Anstatt Razia bestieg nach Iltutmishs Tod ihr (Halb-) Bruder Rukn ud-Dîn Firûz den Thron. Rukn ud-Dîn war der Sohn der einflussreichsten Frau im Harem: Shâh Turkân. Sie stand hinter Rukn ud-Dîns Herrschaftsambitionen. Sowohl der Herrscher als auch seine Mutter galten laut Firishta als „extrem grausam“.
So wurden beide nur wenige Monate nach Rukn ud-Dîns Machtergreifung ermordet. Vor allem die Bevölkerung Delhis soll die anschließende Thronbesteigung Razias unterstützt haben, galt sie doch wie ihr Vater als weise und Förderin der Künste.

Doch auch Razia verfügte neben ihren vielen Unterstützern vor allem in der Bevölkerung Delhis über viele Gegner – vor allem unter den 40 Generälen.

Unter anderem bewegte die Frage, ob Razia in der Öffentlichkeit verschleiert oder unverschleiert auftrat, die Gemüter.

Und dass eine angedichtete (??) Affäre zur damaligen Zeit politische Auswirkungen haben konnte, wird uns in einer anderen Folge der Razia Sultan Reihe beschäftigen.
Dieser Blogbeitrag soll mit einem Gedicht des berühmten Dichters Amîr Chosrau (st. 1325) enden:

Für einige Monate war ihr Gesicht verschleiert
Wie ein Blitz kam der Strahl ihres Schwertes hinter dem Vorhang hervor
Die Schwerter waren in ihren Mänteln verblieben
Als viele Rebellionen unerwidert blieben
Doch dann zerriss sie mit einem königlichen Schlag den Schleier
Die Löwin zeigte so viel Kraft,

Dass tapfere Männer sich tief vor ihr verbeugten

Auch der Dichter war augenscheinlich von Razia beeindruckt……

Das Beitragsbild zeigt die offiziellen Münzen Razias – das Bild unterliegt der Wikimedia Commons Lizenz.

+++ Hier gibt es einen Überblick über unsere Beiträge zum Sultanat von Delhi ++++

Iran oder Persien – Perser oder Iraner?

Wenn es für ein und dasselbe Land mehrere Bezeichnungen gibt, kann das verwirrend sein. Gerade bei Iran ist das besonders auffällig. Hier macht es tatsächlich einen großen Unterschied, welche Bezeichnung man wählt. Denn mit „Iran“ und „Persien“ sind ganz unterschiedliche Vorstellungen verbunden.

Testen Sie es einmal: Wenn Sie einem einigermaßen gut informierten Bekannten erzählen, daß Sie nach Iran reisen wollen, werden Sie möglicherweise auf Unverständnis oder gar Entsetzen stoßen. Iran hat keinen sonderlich guten Ruf in den europäischen Medien. „Iran“ – das sind die Mollas, das ist religiöser Fanatismus, das sind aufgepeitschte Massen, die sich selbst verletzen, das ist Haß auf Amerika.

Sagen Sie aber, es geht nach Persien, dann ist das faszinierend. „Persien“ steht für eine jahrtausendealte Kultur, für Kunsthandwerk und wertvolle Teppiche, für Poesie und Musik, Weisheiten und antike Sehenswürdigkeiten. Persien – das hat etwas Märchenhaftes, Buntes, Verzaubertes. Das erinnert an die Pracht des Schahs von Persien mit seiner Frau Soraya, die zur Hälfte Deutsche war. Und mittlerweile denkt man vielleicht auch an leckeres Essen.

Diese sehr unterschiedlichen Vorstellungen, die sich mit den beiden Bezeichnungen des Landes verbinden, und vor allem die nahezu gegenläufigen Wertungen, die damit verknüpft sind, veranlassen viele Iraner hierzulande dazu, sich selbst nicht als Iraner zu bezeichnen, sondern als Perser.

Das ist verständlich, aber nicht korrekt. Denn „Iran“ ist nun mal die offizielle nationale und internationale Bezeichnung des Landes. Wer die iranische Staatsangehörigkeit hat, ist daher automatisch „Iraner“, ob das nun angenehm ist oder nicht. Es sagt auch nichts über die Volkszugehörigkeit aus, denn Iran ist ein Vielvölkerstaat, in dem mehrere Volksgruppen leben.

Reliefkarte von Iran

„Perser“ sind dagegen streng genommen nur die Menschen, die aus der „Persis“ stammen – heute heißt dieses Gebiet im iranischen Südwesten „Fârs“ und ist eine große Provinz mit der Hauptstadt Schirâs.

Das F und das P sind im Laufe der Geschichte häufig gegeneinander ausgetauscht worden. Das ist eine typische Art der Lautverschiebung. Und da die Araber kein P hatten, wurde es mit deren Machtübernahme und der Verbreitung der arabischen Sprache und Schrift in vielen Wörtern durch ein F ersetzt.

Wenn Sie also aus „Fârs“ einmal „Pârs“ machen, dann erkennen Sie das Wort auch in der „Persis“ wieder.  Diese Bezeichnung stammt aus den Werken griechischer Historiographen, von denen wir viele unserer Kenntnisse über das vorislamische Iran und besonders über die Achämeniden (6.-4. Jh. v.u.Z.) haben.

Die Sassaniden (224-642 u.Z.) stammten aus Fârs, und die Achämeniden hatten dort sogar ihren Königssitz (Persepolis liegt in der Nähe von Schirâs). Da es sich bei der Persis also um den Kern der beiden bekanntesten vorislamischen Reiche handelte, nannte man diese Reiche in Europa die „Perserreiche“ und das Land „Persien“.

Das änderte sich offiziell erst 1935, als auch international die Landesbezeichnung „Iran“ eingeführt wurde . Im allgmeinen Sprachgebrauch hatte sich das aber meines Wissens noch bis weit in die siebziger Jahre hinein nicht durchgesetzt, zumal die Regenbogenpresse gern über den „Schah von Persien“ berichtete.

So richtig ins öffentliche Bewußtsein vorgedrungen ist die „neue“ Landesbezeichnung deshalb erst nach der islamischen Revolution. Daher die gedankliche Verbindung mit der heutigen Regierung und den Mollas.

In Iran selbst allerdings war die Bezeichnung „Iran“ (auf persisch Îrân mit langem i und dunklem a) schon viel länger üblich. Sie taucht bereits in vorislamischer Zeit unter den oben genannten Sassaniden in der Form „Êrân“ auf, zunächst wohl noch in der Bedeutung „Arier“ im Plural, schon bald aber auch als Name des Reiches. Das Reich der Sassaniden wurde aber auch „Êrânschahr“ genannt: das Reich der Arier oder das Reich Iran.

Für „Persien“ gibt es bezeichnenderweise gar kein persisches Wort. In deutsch-persischen Wörterbüchern finden Sie entweder die Entsprechung „Iran“ oder die Beschreibung „alte Bezeichnung Irans im Westen“ oder ähnliches.

Soweit so klar. Wesentlich weniger klar wird es bei der Verwendung von Adjektiven. Denn bis heute sprechen wir ja von „persischem Essen“ und „persischer Musik“. Besonders logisch ist das nicht, und es wird auch kaum zu schweren Mißverständnissen kommen, wenn man stattdessen „iranisch“ sagt.

Wichtig ist dagegen die Unterscheidung zwischen „persischer Sprache“ und „iranischen Sprachen“. Denn iranische Sprachen gibt es mehrere, neben dem Persischen zum Beispiel das Kurdische. „Iranisch“ mit Bezug auf Sprachen bezeichnet also eine Untergruppe der Familie der indogermanischen Sprachen. Ein Iraner spricht demnach nicht „iranisch“ – denn das ist keine Sprache -, sondern in der Regel persisch.

Natürlich gibt es auch Iraner, die kurdisch oder türkisch oder eine andere Sprache sprechen. Aber wenn wir von der Amtssprache Irans reden, dann meinen wir das Persische. Dem entspricht übrigens auch die persische Bezeichnung der Sprache: „fârsî“ (früher und unter Puristen auch „pârsî“).

Ich hoffe, jetzt ist alles klar. 😉

Bildnachweis

Reliefkarte von Iran:
Quelle: Wikimedia Commons
Urheber: Uwe Dedering
Lizenz: Creative Commons 3.0
unverändert übernommen

Literatur

D.N. MacKenzie, „ĒRĀN, ĒRĀNŠAHR“, Encyclopædia Iranica, online edition, 1998 (letztes Update 2011), erreichbar unter http://www.iranicaonline.org/articles/eran-eransah (aufgerufen am 22.10.2017).

Wenn Ihnen der Beitrag gefallen hat, können Sie diesen Blog unterstützen durch: Liken, Bewerten, Teilen oder durch eine PayPal- oder Flattr-Spende. Facebook- und Twitter-Buttons kann ich leider aus rechtlichen Gründen nicht einbinden. Sie können mir aber auf Facebook und Twitter folgen: Facebook: https://www.facebook.com/persophoniekulturgeschichtewordpresscom-694581900616159/ und Twitter: @PersophonieKuGe (s. auch die neue Twitter-Timeline im linken Menü).


Donate Button with Credit Cards

Salîm und Anarkalî – Grausige Liebesgeschichte oder nur eine Legende?

 

Dass Konflikte zwischen Vater und Sohn sehr unschön eskalieren können, hat schon das Beispiel von Ödipus in der griechischen Tragödie gezeigt. Unzählige Beispiele in der realen Geschichte oder der fiktionalen Literatur demonstrieren, dass Vater-Sohn-Konflikte an einem Fürstenhof sogar in einem Krieg enden können – Akbar und sein Sohn Salîm, der spätere Mogulkaiser Jahângîr, waren eines dieser Beispiele.

Einer der berühmtesten Filme Bollywoods (wie ich meine: DER beste Film Bollywoods überhaupt), nämlich Mughal-e Azam (Regie: K. Asif), macht für die kriegerischen Auseinandersetzungen eine Frau verantwortlich: Anârkalî.

Mughal-e ‘Azam

Hier ist die Handlung des großartigen Filmes aus dem Jahr 1960: Der Mogulkaiser Akbar (Prithviraj Kapoor) hat alles, was ein Mensch haben möchte: Geld, Macht, mithilfe eines fähigen Militärs und einer effektiven Verwaltung herrscht er über ein großes Reich. Doch eine Sache fehlt ihm: ein männlicher Erbe. Mit seiner rajputischen Ehefrau Jodha Bai (Durga Khote) macht Akbar sich auf zu einer Pilgerfahrt zu Salîm Chishtî. Jodha wird tatsächlich schwanger und verbleibt bis zur Geburt des Sohnes bei Salîm Chishtî. Von einer Dienerin erfährt Akbar in Agra von der Geburt seines Sohnes, den er zu Ehren Salîm Chishtî Salîm nennt. Der Dienerin übergibt Akbar aus Freude über die Nachricht einen Ring und das Versprechen, eines Tages einen Wunsch freizuhaben.

Jahre später ist aus Salîm (großartig: Dilip Kumar) ein selbstsüchtiger, Alkohol und Opium konsumierender Kronprinz geworden. Akbar missfällt das Verhalten seines Sohnes. Er betraut ihn mit einer großen militärischen Mission. In der Tat ist Akbars Plan erfolgreich: Saliîm ist erwachsener und verantwortungsvoller geworden, als er an den Hof nach Agra zurückkehrt. Doch dann entdeckt er Anârkalî (noch großartiger: Madhubala), eine der Kurtisanen und Tänzerinnen von Akbars Harem. Er beginnt eine Beziehung mit Anârkalî (wörtlich: die Blüte des Granatapfels), wodurch er ein direkter Konkurrent seines Vaters wird. Salîm möchte Anârkalî heiraten, doch Akbar verbietet dieses. Daraufhin erklärt Akbar seinem Vater den Krieg – den er allerdings verliert. Akbar verurteilt seinen Sohn zum Tode. Anârkalî bietet Akbar an, sich für Salîm zu opfern, allerdings unter der Bedingung, dass sie als Akbars (angebliche) Ehefrau mit ihm eine letzte Nacht verbringen darf. So geschieht es: Anâkalî verabreicht Salîm Opium, verbringt eine Nacht mit ihm. Kurz bevor das Todesurteil vollstreckt wird, wird Akbar daran erinnert, dass er Anârkalîs Mutter ein Versprechen gegeben hat. Im letzten Moment entkommen Anârkalî und ihre Mutter. Sie leben ihr Leben außerhalb des Mogulreiches, ohne jemals wieder in Kontakt mit Salîm zu treten.

Geschichte oder Fakten?

Der Film beruht auf einem Theaterstück, das bereits 1922 von Imtiâz ‚Alî Tâj geschrieben wurde. Der berühmte Dichter ‚Abdul Halîm Sharâr (st. 1926) schrieb die Geschichte von Anârkalî erstmals auf.

Gibt es eigentlich Fakten, auf denen Geschichte, Theaterstück und Film beruhen? Ist eine historische Figur mit dem Namen Anârkalî bzw. Nadîra oder Sharaf un-Nisâ‘, wie ihr eigentlicher Name gewesen sein soll, belegt? Ganz klar: NEIN!

In den persischen Quellen, das heißt den Memoiren Akbars oder Jahahângîrs, finden sich absolut keine Hinweise auf die Anârkalî-Legende.

Es gibt nur einen Hinweis auf die Anârkalî-Geschichte: das Grabmal von Anârkalî in Lahore. Dieses wird vom Historiker Syad Muhammd Latif in seinem Buch Lahore: Its History, Antiquities and Remains von 1892 ausführlich beschrieben. Aber auch Latif nennt keine persischen Original-Quellen. Für ihn ist die persische Inschrift im Grabmal genug Beweis für die Legende, die im Übrigen von zwei britischen Reisenden überliefert wurde. Die Inschrift ist ein Vers von „Salîm Akbar“, der sich als Majnûn „(Liebes-)Verrückt bezeichnet. Der Vers lautet in deutscher Übersetzung:

Ah! Wenn ich das Gesicht meiner Geliebten noch einmal sehen könnte, würde ich dem Allmächtigen Gott bis zum Tag des Jüngsten Gerichtes danken.

Insgesamt beschreiben Historiker mehrere mögliche Varianten der Anarkalî-Legende, die alle weder bestätigt noch ausgeschlossen werden können.

  • Anârkalî war nicht nur eine einfache Kurtisane und Tänzerin, sondern sogar die Mutter von Salîms Halbbruder Daniyâl. Diese Variante ist unwahrscheinlich.
  • Anârkalî wurde lebendig in den Mauern des Forts von Lahore eingeschlossen und starb. Salîm ließ voller Verzweiflung das Grabmal errichten.
  • Anârkalî konnte aufgrund der Bitten ihrer Mutter entkommen und lebte außerhalb des Mogulreiches, ohne jemals wieder Kontakt zu Salîm haben.
  • Anârkalî floh mit ihrer Mutter aus dem Mogulreich. Nach Akbars Tod im Jahr 1605 holte Salîm, nun Jahângîr, Anârkalî aus dem Exil und gab ihr als Nûr Mahal (Licht des Palastes) bzw. Nûr Dschahân (Licht der Welt) eine neue Identität.

Aber wie gesagt: Es gibt wieder einmal keine Beweise für die eine oder andere Variante. Das ist aber nicht relevant, um diesen tollen Film und natürlich auch die Serie Jodha Akbar weiter zu schauen!

Die Legende ist wieder ein Beweis, warum es so schwierig ist, über Mogulgeschichte zu bloggen!

Hier gibt es einen Überblick über alle Beiträge zur Mogulgeschichte.

Das Beitragsbild zeigt Jahâhgîr mit einem Porträt seines Vaters Akbar, der die Welt in den Händen hält. Das Bild ist aus den 1640er-Jahren und unterliegt der Wikimedia Commons License.

Warum es so schwierig ist, über Mogulgeschichte zu bloggen

In den vergangenen Monaten haben wir hier viel zu Themen rund um die Bollywood-Serie Jodha Akbar gebloggt, was uns beiden immer sehr viel Spaß macht, da wir selbst viel zum Thema an der Ruhr-Universität Bochum gelehrt und geforscht haben. Auch von unseren Studentinnen und Studenten ist häufig die Frage gestellt worden, warum wir viele Widersprüche in den Quellen bis heute nicht klären können. Hier sind einige Antworten. Da diese doch sehr umfangreich sind, muss ich auch diesen Blogpost in mehrere Teile aufgliedern.

Voranschicken möchte ich, dass ich selbst seit 1999 über verschiedene Themen in Indien forsche, vor allem über das 19. Jahrhundert. Ich musste feststellen, dass einige der genannten Schwierigkeiten ALLE Forschungsthemen in Indien betreffen.

Die Verfügbarkeit der Quellen

Wenn man die Biographie Akbars nachzeichnen möchte, stehen einem aus dem Umfeld des Mogulhofes die folgenden Quellen zur Verfügung:

Fakten zu Kindheit und Jugend Akbars finden sich im Humâyûn-nâma, das von Akbars Tante Gulbadan Begum (st. 1603) aufgezeichnet wurde. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich um die Biographie des zweiten Mogulherrschers Humâyûn (st. 1556), also Akbars Vater. Wir erfahren aber natürlich auch sehr viel über Bâbur und Humâyuns Auseinandersetzungen mit seinem Bruder Kamrân Mîrzâ und Sher Shâh Sûrî und die Umstände, die dazu führten, dass Akbar nicht bei seinen Eltern aufwuchs, sondern von Mahâm Anga und Bairam Khân erzogen wurde. Da Gulbadan selbst zur Herrscherfamilie gehörte, ist es relativ klar, dass viele Konflikte und Familiengeheimnisse nicht erwähnt wurden. Das Manuskript des Humâyûn-nâma war verschollen, bis es in der Sammlung von Colonel Hamilton in der British Library aufgenommen wurde. Es wurde von Anne Beveridge ins Englische übersetzt und somit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Akbar selbst ließ eine Herrscherchronik aufzeichnen, die in drei Teilen erschien. Das als Akbar-nâma bekannte Werk wurde von Abu l-Fazl (st. 1602) verfasst, der zu den neun Juwelen am Hof Akbars gehörte. Vor allem der dritte Teil, der als ‚Ain al-Akbarî bekannt wurde, informiert uns über den Hof und die Verwaltung Akbars.

Auch das Manuskript des Akbar-nâma befindet sich heute in Großbritannien, und zwar im Victoria and Albert Museum. Die Illustrationen wurden aus dem Manuskript gelöst und wurden einzeln gezeigt. Das Akbar-nâma liegt ebenfalls in englischer Übersetzung vor.

Ein weiteres Werk unter dem Titel Akbar-nâma wurde von Faizî Sirhindî verfasst. Dieses basiert allerdings auch größtenteils auf Abu l-Fazls Werk. Eine weitere Akbar-Biographie, die bei der Schilderung Akbars im Widerspruch zu Abu l-Fazls Werk steht, soll im nächsten Teil dieses Blogs im Mittelpunkt stehen.

Die genannten Ausführungen sollten deutlich gemacht haben, dass die Geschichte der Manuskripte der Mogulgeschichte mit der britischen Kolonialgeschichte eng verknüpft ist. Wer also als Historiker über das Mogulreich forschen möchte, muss sich nach Großbritannien begeben.

Die blutigen Auseinandersetzungen des Jahres 1948, die zum Ende der Kolonialzeit und zur Entstehung der Staaten Indien, Pakistan und Bangladesch führten, waren ebenso nicht förderlich für eine Sicherung der Manuskripte und der Erstellung einer ausgewogenen Geschichtsschreibung.

Weitere Probleme, die mit den oben genannten zusammen hängen, ist der Zustand der indischen Bibliotheken. Aufgrund der klimatischen Bedingungen ist eine sachgerechte Aufbewahrung der Quellen sehr schwierig. Nur wenige Bibliotheken haben die Digitalisierung ihrer Bestände in Angriff genommen. Dieses wäre jedoch sehr wichtig, um das kulturelle Erbe zu bewahren.

Geschichte der Frauen und Kinder? Fehlanzeige

Nur sehr am Rande werden in den Quellen der Mogulgeschichtsschreibung Frauen überhaupt erwähnt. Dieses ist keineswegs ein Phänomen islamischer Geschichtsschreibung – es war bzw. wäre (ohne dass ich aus Erfahrung spreche) ebenso schwierig, die Geschichte der Frauen und Nachkommen deutscher Dynastien des 15./ 16. Jahrhunderts lückenlos zu dokumentieren. Europäische Reisende waren vom Harem fasziniert – Schilderungen des Harem reichen von Empörung über die Anzahl der Frauen des Harem, ihre Unterdrückung bis zur Faszination über Exotik und Erotik schöner Frauen – wie sie sich in der Malerei des 19. Jahrhunderts widerspiegelt. Die meist unbekleidete und ebenso willenlose orientalisch Haremsdame, die darauf wartet, in das Gemach des Herrschers gerufen zu werden, beschäftigte europäische Betrachter.

Doch wie ist es überhaupt möglich, aus den Quellen Erkenntnisse über den Harem zu ziehen? Ich hatte ja schon in einigen Beiträgen davon gesprochen, dass es am Hof verschiedene Fraktionen gab, die mehr oder minder miteinander konkurrierten: die turk-stämmigen, die iranischen oder die rajputischen. Gerade die Vergabe des Amtes der Amm war wichtig und stärkte die eine oder andere Gruppe.

Schaut man auf Akbars Hof, so wurde zunächst die Gruppe der turkstämmigen Hofmitglieder gestärkt (Bairam Khân, Atga Khân), dann die persische Elite oder die sufisch orientierte Gruppe der indischen Muslime um Salîm Chishtî.

Trotz erster detaillierter Untersuchungen zum Mogul-Harem durch Autoren wie Ruby Lal gibt es hier noch sehr viel zu forschen.

Vielleicht werden in Bibliotheken und Archiven auch noch weitere Werke entdeckt, die zur Erforschung des Harem beitragen können.

HIER ist ein Überblick über unsere Beiträge zur Mogulgeschichte.

Das Beitragsbild zeigt eine Kriegsszene aus dem Akbar-nâma, in der Akbar auf einem Elefanten einen Gegner verfolgt- das Bild unterliegt der Wikimedia.Commons License.

Golestan Palast der Palast der Blumen

Heute bekommen Sie ein paar Bilder und Reiseimpressionen, die ich selbst Ihnen nicht bieten kann. Ich habe mich nämlich nie lange genug in Teheran aufgehalten, um die dortigen Paläste begutachten zu können. Deshalb greife ich auf einen Beitrag aus einem anderen Blog zurück.

Nur zwei Anmerkungen dazu: „Golestân“ heißt in der Tat „Rosengarten“. „Gol“ (türkische Variante: gül) ist die Rose, „-estân“ ein Ortssuffix. Und die etwas schwammige Bezeichnung „alte persische Herrscherfamilie“ bezieht sich auf die danach erwähnte Kadscharendynastie, die Iran vom späten 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert beherrschte. Es handelt sich um die Vorgängerdynastie der Pahlavîs, also um die vorletzte Königsdynastie. Im übrigen ist „persische Herrscherfamilie“ natürlich falsch. Die Kadscharen waren nämlich, wie viele Herrscher Irans, keine Perser. Zum Thema „iranisch“ und „persisch“ muß ich aber mal einen eigenen Beitrag verfassen.

Für heute wünsche ich Ihnen viel Spaß mit den Bildern vom Golestân-Palast!

Auf den Spuren der Moguln

Wenn ich es recht sehe, sind heute wieder die Moguln dran. Nur bekommen Sie dieses Mal einen Beitrag von einem anderen Blog zu lesen. Ich finde, der hier ist ganz flott geschrieben und vor allem mit vielen schönen Bildern bestückt. Zu Schah Dshahan und seinem unrühmlichen Ende liefere ich Ihnen auch noch einen Beitrag – sobald ich es schaffe. Für heute aber erst einmal viel Vergnügen mit diesem Reisebeitrag!

Wenn ein Scherz nach hinten losgeht

Wir waren in den letzten Wochen zu ernst für meinen Geschmack. Zeit für einen neuen Witz! Dieses Mal habe ich einen ausgesucht, der auch in Europa belegt ist.

Er ist daher ein schönes Beispiel für eine Akkulturation, also eine Anpassung der Details an ein anderes Umfeld. In der arabischen Fassung ist er, wenn ich mich recht erinnere, sogar so stark angepaßt worden, daß man ihn kaum noch erkennt.

Aber hier bekommen Sie natürlich die persische Fassung in deutscher Übersetzung:

Man erzählte einem König: „In dieser Stadt gibt es einen gewitzten Mann, der Euch ähnlich sieht.“
Der König ließ ihn holen und begann mit ihm zu scherzen: „Mann, ich kenne deine Mutter: Sie war schön und Heiratsvermittlerin und ging in die Häuser der Könige.“
Der gewitzte Mensch entgegnete: „Meine Mutter hat nie das Haus verlassen, aber mein Vater hat in den Gärten der Könige in der Nähe des Frauenhauses als Gärtner gearbeitet.“
Dem König gefiel diese Antwort, und er machte ihn zu seinem Gesellschafter. (Safî, S. 134)

Ich nehme an, Sie verstehen, welche alternativen Auffassungen über die Herkunft der Ähnlichkeit der König und der Untertan hier jeweils ansprechen. 😉

Die Aussage, daß die Mutter nie das Haus verlassen hat, mag Ihnen übertrieben erscheinen. Sie ist aber an einem Ideal züchtigen Verhaltens orientiert. Im Idealfall mußte die Frau das Haus nicht verlassen und geriet so natürlich auch nicht in Gefahr, mit fremden Männern in Kontakt zu kommen. Das ist auch das am deutlichsten an das Umfeld angepaßte Element in der Erzählung.

Der Mann will also sagen: „Meine Mutter war ein Musterbeispiel an Keuschheit.“ – Ganz im Gegensatz zu dem, was der König andeutet. Die Replik hat es übrigens in sich, denn sie zieht ja auch die Abkunft des Königs von dessen Vater in Zweifel. Und das Setting legt in diesem Fall nahe, daß dieser auch schon König gewesen ist.

So kann es gehen, wenn man andere ohne Not provoziert.

Quelle

Safî, Fachr od-Dîn ʿAlî b. Hoseyn Vâ’ez-e Kâschefî: Latâ’ef ot-tavâ’ef. Hrsg. v. Ahmad-e Goltschîn-e Ma’ânî. 4. Aufl. Tehrân: Eqbâl, 1362 sch./1983. S. 135.

Die neun Juwelen am Hofe Akbars, Teil II: Tansen

Nachdem ich die Reihe über die neun berühmten Gelehrten und Künstler am Hofe Akbars, genannt die Neun Juwelen mit dem Beitrag über ‚Abdul Rahîm Khân-e Khânân begonnen. Im zweiten Teil soll es heute um Tânsen, den vielleicht berühmtesten Musiker der klassischen indischen Musik.

Tânsens Biographie – wenige Fakten

Über Tânsens Biographie gibt es widersprüchliche Angaben. Das Problem ist, dass es nur wenige schriftliche Quellen zu seiner Biographie gibt, und sich Legenden und Tatsachen miteinander vermischen.

Tânsen wurde unter dem Namen Ramtanu als Sohn eines wohlhabenden Dichters und Musikers in Gwalior geboren, wahrscheinlich im Jahr 1506 (andere Quellen sagen 1493). Schon frühzeitig wurde klar, dass Ramtanu / Tânsen in die Fußstapfen seines Vaters treten und ebenfalls Musiker werden würde.

Hinduistische Legenden und Quellen berichten, dass Ramtanu Schüler des berühmten Predigers des Vishnuismus und Musikers Swami Haridas wurde und seine musikalische Ausbildung bei ihm weiterführte.

Muslimische Quellen geben eine andere Version von Ramtanus Jugend. Sie berichten, dass Tânsens Vater vom Umland Gwaliors in die Stadt pilgerte, um dort den Segen des berühmten muslimischen Heiligen Muhammad Ghauth (st. 1549) zu erhalten. Dieser band Tânsens Vater ein buntes Band um die Hand und prophezeite, dass ihm ein Sohn geboren würde. Den muslimischen Legenden nach wurde Ramtanu in seiner Jugend Muslim und schloß sich Muhammad Ghauth als Schüler an. Dabei ging es aber wohl eher um Musik – nicht um die islamische Mystik an sich .

Sowohl hinduistische als auch muslimische Quellen sind sich einig, dass Tânsen Schüler sowohl von Muhammad Ghauth als auch von Swami Haridas war. Als Muhammad Ghauth starb, übernahm Tânsen dessen Haus in Gwalior. So wurde der musikalische Stil Tânsens als Gwalior Gharana bekannt.

Wie in der damaligen Zeit üblich, lebte man als Musiker, Maler oder Dichter am Hofe eines Fürsten, der einen förderte und bezahlte. Tânsen war dadurch bekannt, dass er einige Fürsten mit seiner Musik begeistern konnte. So lebte er mindestens sieben Jahre am Hof von Ram Chand, dem Fürsten von Rewa, unweit von Gwalior. Eines Tages, wahrscheinlich im Jahr 1562, erreichte ein Schreiben Akbars den Hof von Rewa. Akbar lud den berühmten Musiker ein, an seinem Hof zu musizieren. Doch Ram Chand wollte Tânsen nicht gehen lassen, und auch Tânsen war nicht gewillt, an Akbars Hof zu wechseln. Doch Ram Chand konnte es sich nicht erlauben, Akbar eine Bitte abzuschlagen – zu klein war sein Staat im Vergleich zu Akbars wachsendem Mogulreich. So schickte er Tânsen mit zahlreichen Geschenken an den Hof von Agra.

In Agra wurde Tânsen ein begeisterter Empfang bereitet, worauf Tânsen weiterhin mit Zurückhaltung reagierte. Später unterrichtete er Akbar und einige andere Mitglieder des Hofes. Als Tânsen 1586 starb, stand Akbar an seinem Sterbebett – ihm war wohl klar, dass kein anderer Musiker am Hof jemals das Können Tânsens erreichen würde.

……. doch viele Legenden

Zum Schluß folgen noch zwei Legenden, die das Können und die Bedeutung Tânsens am Hof illustrieren und die Bedeutung Tânsens in der Literatur bis heute zeigen.

Eines Tages forderte Akbar Tânsen auf, eine besonders komplizierte Tonfolge (raga) namens Deepak zu singen. Tânsen war erschrocken, denn diese raga hatte die Macht, Lampen zu entzünden und Feuer zu entfachen – im schlimmsten Fall verbrannte der Sänger selbst. Akbar bestand jedoch darauf, dass Tânsen die raga Deepak singen sollte. Tânsen erbat sich 14 Tage Zeit zum Üben. Dann fragte er eine Schülerin von Swami Haridas namens Rupa, ob sie mit ihm singen könnte. Rupa willigte ein. Nach 14 Tagen begann Tânsen vor der Hofgesellschaft mit dem Singen der raga Deepak. Man sah, wie die Lampen entzündet wurden, die Blumen verdorrten und das Gras vertrocknete. Dann begann Rupa, gleichzeitig mit Tânsen zu singen – die raga Megh. Plötzlich wurde es dunkel und es begann zu regnen. Jeder, der zugehört hatte. begann den kühlenden Effekt zu spüren. Tânsens Körper jedoch blieb heiß und fiebrig – der Sänger konnte mehr als zwei Monate nicht auftreten. Akbar hatte die Vorstellung genossen, aber er war geschockt, dass Tânsen beinahe gestorben wäre.

Eine weitere Legende, die in unterschiedlichen Versionen überliefert ist, berichtet folgendes:

Akbar war vom Gesang Tânsens so angetan, dass er ihn überschwänglich lobte. Bescheiden sagte Tânsen, dass er zwar gut sänge, aber nicht so gut, dass er der beste Sänger der Welt sei. Akbar fragte ihn, wer denn der allerbeste Sänger sei. Tânsen antwortete, dass dieses sein Lehrer und Meister Swami Haridas sei. Akbar fragte, ob er Swami Haridas singen hören könnte. Tânsen antwortete, dass Swami Haridas in einer einsamen Hütte am Fluß Jamuna lebte, und es nicht sehr schätzte, Besuch zu empfangen. Außerdem sei er ein einfacher Mann – Akbar solle nicht mit allem Pomp eines Kaisers dort ankommen. Akbar stimmte zu, und so kamen Tânsen und Akbar bei Swami Haridas an. Dieser weigerte sich zunächst, vor dem Kaiser zu singen. Schließlich stimmte Tânsen einige ragas an und Swami Haridas übernahm. Akbar war begeistert und meinte, Swami Haridas würde die Natur und vor allem die Vögel noch das Singen lehren. Er fragte Tânsen, warum er denn nicht so gut wie Swami Haridas singen könne. Tânsen antwortete: „Ich singe nur für einen weltlichen Herrscher, mein Meister für das Göttliche.“

Tânsen starb wie gesagt 1586. Sein Grab in Gwalior ist eine Pilgerstätte: so soll einem Sänger eine bessere Stimme gegeben werden, wenn er ein Blatt vom Tamarindenbaum neben dem Grab isst und das Grab berührt. …

Für Akbars Hof hatte Tânsen eine unschätzbare Bedeutung, da er hinduistische und muslimische Kulturelemente zusammenführte – etwas, das Akbar für eine seiner wichtigsten Aufgaben hielt.

Das Beitragsbild eines unbekannten Malers zeigt Tansen. Das Porträt wurde während Akbars Herrschaftszeit angefertigt . Es unterliegt der Wikimedia Commons License.

+++++++++++HINWEIS ++++++++++++++

Ein Überblick über unsere Beiträge zur Mogulgeschichte

Erfrischender Tee aus getrockneten Limetten

Da ich mich kürzlich beim Heimwerken etwas verschätzt habe (aus zwei Tagen Arbeit sind mal schnell zwei Wochen geworden – voraussichtlich), bleibt mir im Moment nicht viel Zeit zum Schreiben.

Also erfreue ich Sie heute wieder einmal mit einem kleinen „Schmankerl“, das ich auf einem anderen Blog gefunden habe. Diesmal geht es nicht um Essen, sondern um ein Getränk. Und zwar eines, das Sie sowohl bei Hitze als auch bei Kälte genießen können. Haben wir ja zur Zeit alles innerhalb einer Woche. 😉

Viel Vergnügen beim Lesen!

++++ HIER geht es zu dem sehr schönen Beitrag mit dem REZEPT ++++