Jesus: Bilder aus der Islamischen Welt (Weihnachtsspecial 2016)


Kurz vor Weihnachten 2016 schlug die Diskussion um ein Verbot der Weihnachtsfeier  an einer deutschen Auslandsschule in Istanbul hohe Wellen. In verschiedenen islamischen Gesellschaften ist zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder darüber debattiert worden, wie mit dem christlichen Weihnachtsfest umzugehen sei: Ist es erlaubt, mit Christen Weihnachten zu feiern? Darf man Christen „Frohe Weihnachten“ wünschen?

Jesus als Prophet im Islam

Eines ist jedoch klar: niemals würde ein Muslim negativ über Jesus sprechen, denn Jesus gilt den Muslimen als Prophet. Ich hatte  ja bereits in meinem Beitrag zum Thema Ostern darauf hingewiesen, dass im Koran Kreuzigung und Wiederauferstehung Jesu‘ negiert werden.  Es gibt jedoch auch Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam. In Sure 19 wird die Geburt Jesu (Îsâ)  durch die Jungfrau Maria (Maryam) geschildert. Die Jungfrauengeburt ist also auch im Islam völlig unstrittig.

Jesus und seine Darstellung am Mogulhof

In Indien waren die muslimischen Herrscher des Mogulreiches von Jesus fasziniert: sein Leben ließ und lässt sich sehr gut mit dem Leben indischer (muslimischer) Heiliger und Asketen, also mit den Sufis, vergleichen. Die Missionierung der Jesuiten am Mogulhof im 16. Jahrhundert verlief ja zum Teil sogar erfolgreich, da einige Mogulprinzen kurzfristig zum Christentum konvertierten.

Besonders eindrucksvoll ließ und lässt sich der christliche Einfluss in der Malerei des Mogulhofes nachweisen: hier schweben Engel und Putten auf der Leinwand, die Herrscher lassen sich auf Portraits mit Gloriolen oder Aureolen abbilden. Sehr eindrucksvoll ist auch das Doppelportraits des Mogulherrschers Dschahângîr und Jesu, gemalt ca. 1610-1620 vom berühmten Maler Hâschim.

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Quelle: Wikimedia Commons, Hashim and Abu’l Hasan. Jahangir and Jesus. Jahangir by Hashim c. 1615-1620. Jesus by Abu’l-Hasan, c. 1610-1620. Chester Beatty Library, Dublin. (http://www.cbl.ie/)

Sehr eindrucksvoll ist das ebenfalls aus der Zeit Dschahângîrs stammende Bild „Mutter mit Kind und weißer Katze“, das europäischen Darstellungen von Maria mit dem Jesuskind gleicht, aber von Manohar (aktiv 1582-1624), dem vielleicht berühmtesten Mogulmaler, stammt – übrigens einem Hindu.

Die Faszination Jesu im multireligiösen Indien ist und bleibt sehr groß – einige meiner indischen Freunde verweisen auf die Bedeutung von Weihnachten auch im Koran:

Heil sei über mir  (i.e. Jesu) am Tag, an dem ich geboren wurde…. (Sure 19, Vers 33)

Ich persönlich freue mich immer sehr über die Weihnachtswünsche meiner indo-muslimischen Freunde (natürlich auch der anderen Muslime weltweit).

In diesem Sinne wünsche ich allen noch eine gesegnete Weihnacht!

Ihre

Claudia Preckel

Dr. Claudia Preckel (claudia.preckel (at) islam-consult.de)

Nachweis des Beitragsbildes: Hierbei handelt es sich um eine  Alte Persische Miniatur, Public Domain.

 

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3 Kommentare zu „Jesus: Bilder aus der Islamischen Welt (Weihnachtsspecial 2016)“

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