Interkulturell: Das Zeitverständnis in islamischen Gesellschaften (Neujahr 2017)

Zunächst einmal wünschen meine Kollegin Susanne Kurz und ich Ihnen ein Frohes Neues Jahr 2017!

Wie vielleicht viele von Ihnen verwende  auch ich ständig Formulierungen  wie „die Zeit rennt“ „je älter man wird, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen“ oder „das Jahr ist wieder wie im Flug vergangen“. Zeitmangel scheint ein gängiges Phänomen unserer Gesellschaft zu sein, Ratgeber zum Thema Zeitmangement füllen die Regale in Bibliotheken und Buchhandlungen.

„Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit“

Dieses Sprichwort wird häufig den Arabern zugeschrieben, einige meinen, dass es seinen Ursprung in Indien habe. Besuchern von islamisch geprägten Ländern oder Indiens scheint es so zu sein „als ob die Uhren dort langsamer ticken“ und das Leben tatsächlich nicht so hektisch (wie in Deutschland ) verläuft.

Der Tag in islamischen Gesellschaften ist zweifelsohne durch das fünfmalige Ritualgebet (salât) geprägt. In der globalisierten Welt gibt es natürlich auch andere Zeiteinteilungen (z.B. Schichtarbeit, Schulstunden), die oftmals mit den Gebetszeiten in Konflikt stehen – doch dieses ist ein anderes Thema, das einmal gesondert behandelt werden sollte.

Monochrones  vs. polychrones Zeitverständnis

Der Anthropologe Edward T. Hall (st. 2009) zählte Deutschland wie die meisten „westlichen“ Länder zu den  monochronen Gesellschaften: hier werden Aufgaben nach bestimmten Zeitplänen abgearbeitet, die vorher erstellt wurden. Arbeitsschritte werden nacheinander absolviert, ein Arbeitsschritt folgt dem anderen. Dieses ist in polychronen Gesellschaften anders: Projektpläne sind häufig nicht verbindlich, die Reihenfolge der Arbeitsschritte kann sich ständig ändern. Dazu kommt, dass nicht das Projekt und die Einhaltung von (Zeit-)plänen im Mittelpunkt stehen, sondern die Beziehung zum Geschäftspartner.

Im Umgang mit arabischen Bekannten und (Geschäfts-)Partnern empfehle ich also folgendes:

  • Wenn Sie z.B. zu einer Messe fahren, nehmen Sie sich ein (besser: zwei) Tage vorher und nachher Zeit und planen Sie nicht zu knapp. Nach der Messe werden die Geschäfte gemacht!
  • Im Unterschied zu Deutschland gilt es nicht als unhöflich, wenn man während eines persönlichen Gespräches auch noch telefoniert.
  • Wundern Sie sich nicht, wenn Pläne sich ständig ändern – bleiben Sie flexibel!
  • Sagen Sie niemals, dass Sie für Ihren Geschäftspartner/ Bekannten keine Zeit haben. Dieses gilt als extrem unhöflich!

Nehmen Sie doch einfach einmal zwischendurch Zeit und stellen Sie auch Ihre persönlichen Beziehungen zu Ihren Mitmenschen in den Mittelpunkt!

Susanne Kurz und ich freuen uns auch, wenn Sie sich die Zeit nehmen und noch einige Beiträge aus den TOP 10 des Jahres 2016 lesen, z.B.

Susannes Beitrag zu Flüchtlingen und dem Kulturschock

und natürlich viele weitere Beiträge zu Humor, dem Mogulreich und Interkultureller Kompetenz!

Viel Freude dabei wünschen

Ihre Claudia Preckel und Susanne Kurz!

Das Beitragsbild zeigt eine Persische Wasseruhr:

Nachweis: „Ancient water clock used in qanat of gonabad 2500 years ago“ -This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

 

 

 

 

1 Kommentar

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