Alle Jahre wieder: Nourûz!

Nourûz, das Neujahrsfest zu Beginn des Sonnenjahres im März, ist ein Fest des gesamten iranischen Kulturraums und deshalb zum Beispiel auch unter den Kurden verbreitet (als Newroz). Obwohl das Fest zoroastrische Ursprünge hat, feierten es schon früher auch muslimische Herrscher wie die Ghaznaviden.

Wie zum Beweis dafür, daß ihr Reich und vor allem ihre Hofkultur eindeutig Teil der Persophonie waren, begingen auch die Moguln unter Akbar, Dschahângîr und Schâh Dschahân Nourûz als offizielles Fest. Erst Aurangzêb schaffte es wieder ab (der Spielverderber ;-)).

Dschahângîr beschreibt das erste Nourûz-Fest nach seiner Thronbesteigung in seinen Memoiren wie folgt:

Da dies das erste Fest nach der glückverheißenden Thronbesteigung war, befahl ich, die Wände der privaten und öffentlichen Audienzhalle mit wertvollen Stoffen zu bedecken, wie es zur Zeit meines erhabenen Vaters üblich war, und alles mit äußerster Schönheit und Ausschmückung vorzubereiten.

Vom ersten Tag von Nourûz bis zum neunzehnten Tag des Frühlingsanfangs, der der Kulminationstag ist, vergnügten sich die Menschen und feierten gehörig. Musikanten aus allen Gruppen hatten sich versammelt. Tanzende Zigeuner und indische Schönheiten, die mit einem Augenaufschlag Engeln das Herz rauben konnten, brachten die Festgesellschaft in Stimmung.

Ich ordnete an, daß jeder an Rauschmitteln einnehmen dürfe, was ihm beliebe, und es kein Verbot geben solle.
(Dschahângîr-Nâme, S. 29; Übers. Thackston, S. 46)

Danach beschreibt er, wie zur Zeit seines Vaters jeden Tag einer der großen Emire ein Gelage gegeben, kostbare Geschenke präsentiert und den Herrscher persönlich zum Fest gebeten hatte. Akbar sei zu diesen Festen erschienen, um die Gastgeber zu ehren.

Weder Dschahângîr noch sein Sohn Schâh Dschahân waren Kinder von Traurigkeit, wenn sie auch unterschiedliche Vorlieben hatten. Erst mit Aurangzêb zogen ganz andere Sitten ein. Doch davon erzähle ich Ihnen ein anderes Mal.

Für heute lasse ich es damit gut sein, die Wißbegierigen unter Ihnen auf meine Nourûz-Serie hinzuweisen, sofern Sie sie noch nicht kennen. Die erste Folge finden Sie unter diesem Link.

Dieses Jahr war ich zwar mal wieder ein bißchen zu spät dran mit den Vorbereitungen, aber ich habe es immerhin geschafft, ziemlich kurzfristig doch noch ein bißchen sabze für unser „Haft-Sîn“ heranzuziehen:

sabze2016

Ich gebe zu, es sieht nicht allzu beeindruckend aus, aber da ich es sehr spät ausgesät habe, war ich überrascht, daß es überhaupt schon grünt. Wenn das kein gutes Vorzeichen für das neue Jahr ist! 🙂

Und für alle, die selbst Nourûz feiern:

عید شما مبارک

Quelle und Literatur

Nûr ed-Dîn Mohammad Dschahângîr-e Gûrkânî: Dschahângîr-Nâme/Tûzok-e Dschahângîrî. Hrsg. v. Mohammad-e Hâschem. Tehrân: Enteschârât-e bonyâd-e farhang-e Îrân, 1359 sch./1980, S. 29f.

Wheeler M. Thackston (transl.): The Jahangirnama: Memoirs of Jahangir, Emperor of India. New York: Oxford University Press, 1999. S. 46f.

Stephan Conermann, Das Mogulreich: Geschichte und Kultur des muslimischen Indien. München: Beck, 2006. S. 109.


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