Nouruz Teil 1: Erste Vorbereitungen


Miniserie zum iranischen Neujahrfest

Teil 2: Die Geschichte in vorislamischer Zeit
Teil 3: Das „Haft-Sîn“-Special zum Jahreswechsel
Teil 4: Die Geschichte nach der muslimischen Eroberung

Im März feiert man in Iran und in vielen Gebieten der „Persophonie“ – also dem ehemaligen Einflußgebiet der persischen Sprache und Kultur – das Neujahrsfest Nouruz. „Nou“ bedeutet „neu“ und „ruz“ (mit stimmhaftem „s“) heißt „Tag“, aber die Festlichkeiten dauern keineswegs nur einen Tag lang. Nouruz ist in Iran ungefähr so wichtig wie Weihnachten in Deutschland, nur daß es in Iran zwei Wochen lang ähnlich zugeht wie bei uns „zwischen den Jahren“.

Das Nouruzfest beginnt mit dem astronomischen Frühjahrsbeginn. In diesem Jahr ist das Donnerstag, der 20.03.14, um 17:57 Uhr, und es gibt schon mehrere Seiten, auf denen ein Countdown läuft, z.B. hier.

Warum ich heute schon mit einer Nouruz-Miniserie beginne, sind die Vorbereitungen für die zentrale Nouruz-Dekoration: das „Haft-Sin“. Es handelt sich dabei um sieben (persisch: „haft“) Gegenstände, deren Bezeichnung mit dem Buchstaben „sin“ (scharfes „s“) beginnt und die in der Regel auf einem gesonderten Tisch aufgestellt werden. Häufig werden Gegenstände wie Knoblauch („sir“), ein Apfel („sib“), Essig („serke“), Münzen („sekke“), Hyazinthen („sombol“) und Mehlbeeren („senǧed“) verwendet. Und natürlich „sabze“, Sprossen von Weizen, Linsen oder Bohnen. Diese Sprossen müssen schon zwei bis drei Wochen vor Nouruz angesetzt werden, damit sie bis zum Fest auch schön sprießen. Im Idealfall hat man dann einen Teller voller grüner Sprossen, wie er hier auf dem „Haft-Sin“ zu sehen ist. Auf der verlinkten Seite sieht man auch noch weitere dekorative „Sin“-Gegenstände, die zur Auswahl stehen. Zusätzlich sind dort noch andere Dinge aufgestellt, die üblicherweise das „Haft-Sin“ zieren: ein Wasserglas mit einem Goldfisch, ein Spiegel, Kerzen und ein Buch – manche nehmen den Koran, andere einen „Diwan“ („Gedichtsammlung“) des Hafez.

Obwohl manchmal der Koran auf dem „Haft-Sin“ auftaucht, handelt es sich bei Nouruz aber nicht um ein islamisches Fest! Ganz im Gegenteil, es stammt noch aus dem vorislamischen Iran und hat sich nur hartnäckig gehalten – und ist an neue Bedürfnisse angepaßt worden.

Doch die Geschichte des Festes will ich erst im in den nächsten Teilen dieser Nouruz-Miniserie behandeln. Heute soll es um die aktuellen Bräuche gehen. Vor ein, zwei Generationen, als man für die Kinder nur einmal im Jahr neue Kleidung kaufen konnte, tat man dies zu Nouruz. Auch heute ist es natürlich noch wichtig, zu Nouruz das Haus zu putzen und neue oder zumindest schöne Kleidung anzuziehen. Außerdem bekommen die Kinder von den älteren Familienmitgliedern Geldgeschenke, und es gibt besonders gutes Essen und hausgemachte Süßigkeiten. Bereits vor Nouruz, am letzen Mittwoch des alten Jahres („Tschaharschambe Suri“), zündet man Feuer an und springt darüber, um Unheil fernzuhalten. Und nach dem Jahreswechsel folgen zwei Wochen der Besuche und Gegenbesuche unter Verwandten. Dabei werden zunächst die ältesten Familienmitglieder von den jüngeren Verwandten besucht. Diese bekommen dann einen Gegenbesuch von den Älteren. Die Altersregel gilt übrigens auch für die Nouruzanrufe: Die jüngeren Verwandten müssen die älteren anrufen, um ihnen ein gutes Neujahr zu wünschen.

Besonders schön finde ich die Sitte, zum neuen Jahr alten Ärger zu begraben. Wenn man mit jemandem Streit hat, dann wird er üblicherweise an Nouruz beigelegt. Wenn ich das recht verstehe, ist das einer der Aspekte, die Nouruz die Anerkennung durch die Vereinten Nationen als „International Day of Nowruz“ beschert hat (oder zumindest wird auf diesen Aspekt eigens hingewiesen).

Am 13. Tag schließlich, dem „Sizdah be dar“, verlassen alle ihre Wohnungen und Häuser und suchen sich ein schönes Plätzchen für ein ausgedehntes Picknick. Aber nicht nur für die Familien, die sich beim Picknick vergnügen, ist das ein fröhlicher Tag. Auch Einbrecher haben ihre Freude daran, wenn niemand zuhause ist und sie die freie Wahl unter all den leerstehenden Häusern haben. Habe ich zumindest mal gehört. 😉

Zum Picknick nimmt man übrigens auch die Sprossen („sabze“) mit und wirft sie in ein fließendes Gewässer. Das soll eine gute Ernte bringen. Anscheinend nutzte man die Entwicklung der Sprossen vor Nouruz auch als eine Art Ernte-Orakel und schloß daraus auf die Ernte im neuen Jahr.

Und  damit wären wir wieder bei dem angekommen, was mich überhaupt auf die Idee zu diesem Beitrag gebracht hat: bei den Sprossen. In diesem Jahr haben wir nämlich vor, ein „Haft-Sin“ zu dekorieren. Deshalb haben wir vor ein paar Tagen Linsen angesetzt. Nur leider sehen sie immer noch so aus:

2014-03-09 20.16.14

Eigentlich sollten sich langsam schon ein paar grüne Sprossen zeigen. Ich vermute, daß wir sie bisher nicht feucht genug gehalten haben. Auf alle Fälle will ich mal nicht hoffen, daß diese Keimlinge irgendeine Aussagekraft für die Ernten in diesem Jahr haben. Sonst sieht es trübe aus. 😉

Aber ich bin gespannt, ob wir zu Nouruz wenigstens kleine Sprossen bekommen. Ich werde weiter berichten.

Quellen

im Text verlinkt sowie

Nina Barzgaran/Susanne Kurz: „Nouruz – Neujahr auf Persisch“ in: ZenithBusiness 02/06, 48-49.

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11 Kommentare zu „Nouruz Teil 1: Erste Vorbereitungen“

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