„Das weinende Schreibrohr“ – Was wollen Sie als nächstes lesen?

Wie angekündigt, bekommen Sie heute ein Beyhaqi-Special zur Wochenmitte. 🙂 Ursprünglich hatte ich ja vor, Sie der Reihe nach in mehrere Kapitel hineinlesen zu lassen. Aber weil das E-Book wahrscheinlich Ende nächster Woche an den Start geht (außer die Technik macht mir einen Strich durch die Rechnung), hatte ich eine andere Idee: Ich gebe Ihnen einen Überblick über den Inhalt und lasse Sie bestimmen, aus welchem Kapitel Sie noch eine Leseprobe haben wollen. Die wird dann vielleicht auch etwas länger als bisher. 🙂

Dazu habe ich die Kapitelüberschriften und die kurze Zusammenfassung, die ich jedem Kapitel voranstelle, für Sie in eine Übersicht gebracht. So sollte es Ihnen möglich sein, sich eine Vorstellung von den Inhalten der Kapitel zu machen. Unter der Kapitelübersicht finden Sie die Umfrage, in der Sie das Kapitel Ihrer Wahl anklicken können.

Kapitelübersicht

Cover_Das_weinende_Schreibrohr_END

1. Wer war Abo l-Fażl-e Beyhaqī? – Die Daten

Wer Abo l-Fażl-e Beyhaqī war, wie sein Leben verlief und woher wir das wissen

2. Warum ist Bo l-Fażls Geschichtswerk so bedeutend?

Was Bo l-Fażls Geschichtswerk so wertvoll macht, wodurch es sich von anderen Geschichtswerken seiner Zeit unterscheidet und wie diese anderen Werke aussehen

3. Wie sah Bo l-Fażls Welt aus?

Welche Umwälzungen auf der politischen Landkarte Bo l-Fażls Lebenszeit prägten, in welcher Atmosphäre er aufwuchs und wie es in seinem Studienort aussah

4. Welche Ereignisse beschreibt Bo l-Fażl?

Wie Masʿūd von Ġazna die Herrschaft über das Reich seines Vaters errang und wie und warum er sie wieder verlor

5. Wie beschreibt Bo l-Fażl die Entwicklung Masʿūds?

Vom Hoffnungsträger zum Despoten: Wie Masʿūd von Ġazna zum tragischen Helden von Bo l-Fażls Geschichtswerk wurde

6. Bo l-Fażl verstehen lernen: Was will vormoderne Geschichtsschreibung leisten und was kann man von ihr erwarten?

Warum Geschichtsschreibung nie erzählt, „wie es eigentlich gewesen ist“ und was Geschichtsschreiber wie Bo l-Fażl mit ihren Werken erreichen wollten

7. Was kann Geschichtsschreibung überhaupt leisten?

Warum wir unserem Gedächtnis nicht über den Weg trauen können

8. Der Sekretär als Geschichtsschreiber

Wie Sekretäre Geschichte schrieben, woran man merkt, daß Bo l-Fażl einer war, und warum sein Geschichtswerk trotzdem originell ist

9. Was wollte uns Abo l-Fażl-e Beyhaqī mit seinem Geschichtswerk sagen?

Was wir beim aktuellen Stand der Forschung darauf antworten können und was ich darüber hinaus für wahrscheinlich halte

Epilog

Wie und wo Bo l-Fażls Geschichtswerk bis heute überlebt hat, wieso gerade die Bände über Masʿūds Herrschaftszeit erhalten sind und wie Sie an weitere Inhalte des Werkes auf deutsch herankommen

Umfrage

[polldaddy poll=8948108]

Ich bin gespannt, welches Kapitel die meisten Klicks bekommt! Bis zum Wochenende! 🙂

Angaben zum Cover

Coverdesign: Linda Woods

Fotograf des Hintergrundbildes: aopsan/Shutterstock.com

Abbildung der Handschrift (Handschrift Nr. 3865, Tārīḫ-e Beyhaqī, Malek-Bibliothek Teheran, S. 117-118) mit freundlicher Genehmigung der Malek-Bibliothek Teheran und der Malek-Stiftung Maschhad

Verspätungs-Alarm – und noch’n Witz

Heute bin ich mal wieder spät dran, und das hat seinen Grund: Bis heute Mittag hatten wir drei Wochen lang einen lieben Gast aus Iran bei uns und haben uns deshalb natürlich oft Zeit genommen, um seinen Aufenthalt schön und interessant zu gestalten.

Aber der „Verspätungs-Alarm“ im Titel ist auf eine andere Verspätung gemünzt: Sie bekommen nämlich bald einen weiteren Beyhaqî-Beitrag von mir. Natürlich wäre es schön gewesen, ihn heute schon zu posten. Aber obwohl ich letzte Woche mit der Endkorrektur des Textes gut vorangekommen bin, fehlen mir noch ein bis zwei Tage, damit ich Ihnen das präsentieren kann, was ich vorgesehen habe.

Spätestens am Mittwoch sollte es aber soweit sein. Dann geht der nächste Beitrag zu meinem E-Book Das weinende Schreibrohr über Abo l-Fazl-e Beyhaqîs „Geschichte des Mas’ûd von Ghazna“ online.

Damit Sie bis dahin etwas zu lesen haben, stelle ich Ihnen dafür heute eine meiner Lieblingsanekdoten über den berühmten persischen Dichter ‚Abdorrahmân-e Dschâmî (1414-1492) vor. Sie dürfte ohne weiteren Kommentar verständlich sein (wenn nicht, dann geben Sie mir bitte Bescheid!).

Dschâmî ist überhaupt eine interessante Gestalt und gilt außerdem als der letzte große Klassiker der persischen Dichtung. Schon zu seinen Lebzeiten war er überregional bekannt. Bei Gelegenheit schreibe ich hier noch einen Beitrag über ihn. Bis dahin können Sie ein paar meiner Überlegungen zur Aussagekraft eines ganzen Kapitels von Dschâmî-Anekdoten aus Fachr ed-Dîn ‚Alî-ye Safîs Anekdotensammlung in dem unten angegebenen Aufsatz nachlesen.

Doch hier erstmal die Anekdote:

Ein Dichter trug vor Dschâmî ein Ghasel vor und sagte: „Ich möchte dieses Ghasel ans Stadttor hängen, damit es bekannt wird.“ Dschâmî entgegnete: „Woher sollen denn die Leute wissen, daß es dein Gedicht ist? Vielleicht sollte man auch dich neben deinem Gedicht aufhängen?“ (Safî, S. 237)

🙂

Quelle

Fachr od-Dîn ‘Alî-ye Safî b. Hoseyn Vâ’ez-e Kâschefî: Latâ’ef ot-tavâ’ef. Hrsg. v. Ahmad-e Goltschîn-e Ma’ânî. 4. Aufl. Tehrân: Eqbâl, 1362 sch./1983.

Literatur

Susanne Kurz: „Eine biographische Hintertreppe? Das Nachleben bekannter Gelehrter in persischen humoristischen Anekdoten“. In: Differenz und Dynamik im Islam. Festschrift für Heinz Halm zum 70. Geburtstag/Difference and Dynamism in Islam. Festschrift for Heinz Halm on his 70th birthday. Hg. v. Hinrich Biesterfeldt und Verena Klemm unter Mitarbeit von Beate Backe und Martin Jagonak. Würzburg: Ergon-Verlag, 2012. 433-451.

Iranische Filme mal anders

Kürzlich habe ich einen Blogpost über iranische Filme reblogged. Dabei ging es um ein recht bekanntes Phänomen: künstlerisch anspruchsvolle iranische Kinofilme, die häufig mit internationalen Preisen ausgezeichnet werden und daher viel Aufmerksamkeit auf sich lenken. Zu diesen Filmen gibt es auch deutsche Synchronfassungen, die in Programmkinos laufen und im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Keine Frage: Diese Filme sind interessant, gerade weil sie meist das alltägliche Leben in Iran zum Thema haben und die damit verbundenen Probleme darstellen. Dadurch sind manche dieser Filme aber auch bedrückend. Ich persönlich schaue sie mir zwar gelegentlich, aber nicht allzu häufig an. Das liegt vielleicht daran, daß ich Filme vor allem zur Unterhaltung und Entspannung nutze. Anregende Ideen und Denkanstöße gefallen mir zwar, sollten aber nicht den hauptsächlichen Reiz des Filmes ausmachen. Aber das ist Geschmackssache.

Allerdings gibt es neben dieser hohen Kunst des iranischen Kinos noch eine ganz andere Kategorie von Filmen, die hierzulande kaum jemand kennt. Das dürfte vor allem daran liegen, daß sie nicht synchronisiert werden und meist auch keine Untertitel enthalten. Wer also kein Persisch versteht, wird sie sich kaum anschauen.

Ich dagegen profitiere genau von diesen Filmen am meisten, weil sie neben der Unterhaltung die Möglichkeit bieten, locker meine Sprachkenntnisse zu trainieren. Das wirkt sich vor allem positiv auf das Hörverstehen und auf die Fähigkeit aus, alltägliche Wendungen ohne viel Nachdenken richtig zu gebrauchen.

Typische iranische Unterhaltungsfilme der vergangenen Jahre

Typische iranische Unterhaltungsfilme der vergangenen Jahre – die englischen Titel auf dem Cover täuschen: englische Untertitel sind nicht enthalten

Diese Unterhaltungsfilme sind häufig als Komödien angelegt, enthalten aber auch Themen wie typische Generationenkonflikte. Dabei geht es zum Beispiel um die Partnerwahl oder das Eheleben. Auch die Liebe ist ein wichtiges Thema. Die besseren Filme kombinieren dramatische und komische Elemente zu einer ausgewogenen Mischung und regen zum Denken an. Zu ihnen gehören die beiden obersten Filme auf dem Bild (erster und zweiter von rechts).

Viele Komödien sind allerdings reine Konsumware und reizen alle Möglichkeiten der Situationskomik bis über die Grenze der Albernheit hinaus aus. Aber das ist vielleicht auch Geschmackssache. Gemeinsam ist all diesen Filmen, daß sie unterhalten wollen.

Mit der Zeit lernt man auch die Gesichter der Schauspieler kennen, denn viele von ihnen begegnen einem immer wieder. Das ist ähnlich wie bei deutschen Fernsehfilmen. Auf den oben abgebildeten DVD-Covers sind zwei der wiederkehrenden Schauspieler zu sehen: Mohammad-Rezâ Scharîfî-Niyâ (mit dem Bart, spielt meistens komische Rollen) und Mohammad-Rezâ Golzâr (der junge Mann auf dem zweiten Cover von rechts).

Früher gab es fast nur Video-CDs zu kaufen – zu lächerlich günstigen Preisen. Allerdings war die Bild- und Tonqualität auch sehr mäßig. Mit den neuen hochauflösenden Flachbildschirmen macht es keinen Spaß mehr, sich diese Filme anzuschauen, obwohl einige schöne in meiner Sammlung sind.

Mittlerweile bekommt man aber fast alles auch als kostspieligere DVD zu kaufen. Blu-Rays habe ich letzten Herbst dagegen nicht gesichtet, und auch die DVDs sind noch nicht auf der Höhe der Zeit angekommen. Aber sie sind immerhin ein Fortschritt.

Mehran Modiris Serie "Der Mann mit den tausend Gesichtern (mard-e hezâr tschehre)" (Komödie)

Mehrân Modîrîs Serie „Der Mann mit den tausend Gesichtern (mard-e hezâr tschehre)“

Ein sehr bekannter Schauspieler und Regisseur ist Mehrân Modîrî. Seine Serien sind in der Regel Komödien mit mehr oder weniger stark ausgeprägter satirischer Note. So auch „Der Mann mit den tausend Gesichtern“ (s. Cover oben). Diese Serien sind allerdings meist nur als Video-CDs erhältlich.

Leider haben sie noch einen Nachteil, der auch bei historischen und religiösen Serien aufällt: das Thema wird zu Tode geritten. So ist es keine Seltenheit, wenn ein Plott, der vielleicht für vier oder fünf einstündige Folgen ausreicht, auf zwanzig oder sogar fünfzig Folgen ausgewalzt wird. Das geht natürlich nur mit zahlreichen Wiederholungen von Situationen und Gags oder großen Längen in den einzelnen Szenen.

Weniger bekannt dürfte dagegen sein, daß auch synchronisierte ausländische Filme frei verkäuflich angeboten werden, darunter amerikanische Action-Thriller, Historien- und Bollywoodfilme. Ich habe bisher kaum direkte Vergleiche zu den Originalen angestellt, aber die persischen Versionen sind in der Regel kürzer und daher vermutlich „bereinigt“. Hier zwei Bollywood-Beispiele mit Amitabh Bachchan und Shahrukh Khan:

20150614_152607

Persisch synchronisierte Bollywoodfilme aus Iran

Alles in allem ist also auch der Markt an Unterhaltungsfilmen beachtlich und sehr interessant – zumal das die Filme sein dürften, die in Iran massenhaft konsumiert werden, nicht nur als Kaufvideos, sondern auch im Kino und Fernsehen. Dort laufen auf häufig genutzten Satellitensendern übrigens auch eine Reihe teils recht niveauloser, aber sehr beliebter Synchronfassungen türkischer Endlos-Seifenopern.

Wirklich gern gesehen habe ich nur „Harîm-e Soltân“ über die Intrigen im Harem des osmanischen Sultans Süleyman des Prächtigen (reg. 1520-1566) und rund um seine berüchtigte Favoritin Hürrem Sultan. Diese Serie ist recht aufwendig hergestellt, hat eine ausgezeichnete Bildqualität und ist sehr unterhaltsam.

Finde ich jedenfalls, aber auch das mag Geschmackssache sein. Ich jedenfalls mag Historienfilme und Geschichten, die man über mehrere Generationen verfolgen kann, und diese Serie bietet beides. Allerdings habe ich sie nicht zwei Jahre lang dreimal wöchentlich verfolgt. Vielleicht wäre es mir dann doch zuviel geworden. 😉

Historische Wendepunkte: Ein neues Appetithäppchen aus meinem Beyhaqî-Buch

Heute können Sie in die Einleitung hineinlesen. Wie beim letzten Mal habe ich auch heute die Umschrift noch nicht vereinfacht. Mache ich in den nächsten zwei Wochen, wenn ich die letzte Kontroll-Lektüre beende und mich um den Satz kümmere – und um die Karte, die ich noch einbinden will.

Viel ist also nicht mehr zu tun, aber ich muß demnächst mal ein paar Tage für die letzten Arbeiten reservieren. Bis dahin wünsche ich Ihnen erstmal viel Spaß mit dem nächsten Appetithäppchen aus dem Buch. Ich hoffe, es versüßt Ihnen das Warten! 😉

Einleitung

Weshalb Kleinasien zur Türkei werden konnte und was das besondere an Abo l-Fażl-e Beyhaqīs außergewöhnlichem Geschichtswerk ist.

Den wenigsten Menschen ist bewußt, daß im Jahr 1040 im Nordosten des damaligen Iran eine Schlacht ausgetragen wurde, deren Ausgang die politische und kulturelle Landkarte langfristig verändert hat. Weil der Seldschuke Toġrıl mit seinen nomadischen Turkmenen diese Schlacht gegen die Truppen Masʿūds aus der persianisierten turkstämmigen Dynastie der Ġaznaviden gewonnen hat, stand ihm der Weg weiter nach Westen offen. So kamen die Türken schließlich in die Türkei. Oder vielmehr: So wurden die Weichen dafür gestellt, daß aus Kleinasien die Türkei werden konnte. Ohne diese im vollen Wortsinne bahnbrechende Schlacht nahe bei dem Ort Dandānqān könnte unsere Welt also heute anders aussehen.

Natürlich ist ein solches Gedankenspiel für Historiker problematisch. Die Frage: „Was wäre gewesen, wenn…?“ läßt sich wissenschaftlich nicht beantworten. Dazu müßte es nämlich möglich sein, die Antwort zu überprüfen. Doch wer kann schon wissen, was gewesen wäre, wenn…? Jedes Ereignis beruht auf so vielen unterschiedlichen großen und kleinen Voraussetzungen und Geschehnissen, daß man sie nie alle überblicken kann. Also kann man auch nicht wissen, was passiert wäre, wenn eines dieser Elemente weggefallen und durch ein anderes ersetzt worden wäre. Es gibt unzählige Möglichkeiten, die man durchspielen müßte.

Man kann also darüber nachdenken, was gewesen wäre, wenn… Aber man kann nicht überprüfen, ob eine mögliche Antwort richtig oder falsch ist. Andererseits wimmelt die Geschichtsschreibung von Schlachten, Ereignissen und Situationen, die als Wendepunkte oder als Gründe für neue Entwicklungen gelten. Und wenn ein bestimmtes Ereignis tiefgreifende Folgen gehabt und wichtige Veränderungen in Gang gebracht haben soll, dann heißt das im Umkehrschluß, daß die Geschichte ohne dieses Ereignis anders verlaufen wäre. Sobald man also Einschätzungen vornimmt, setzt man immer eine Überlegung zu der Frage „Was wäre gewesen, wenn…?“ voraus. Genau so eine Einschätzung habe auch ich vorgenommen, als ich zu Beginn dieser Einleitung geschrieben habe, der Ausgang der Schlacht von Dandānqān im Jahr 1040 habe die politische und kulturelle Landkarte verändert. So gesehen, ist es nicht abwegig, daß sich manche Historiker auch mit der Frage „Was wäre gewesen, wenn…?“ beschäftigen. Man nennt das „kontrafaktische“ oder „virtuelle“ Geschichte.

Steht die Schlacht von Dandānqān also für einen Wendepunkt? Zumindest sprechen dafür ebenso gute Gründe wie bei vielen anderen Schlachten. Dandānqān gehört in dieselbe Reihe gewichtiger Namen wie Issos oder die Thermopylen. Trotzdem haben die wenigsten Menschen im Geschichtsunterricht von diesem Ort gehört. Die Anzahl derjenigen, die den Ort kennen, dürfte noch geringer sein. Dandānqān lag westlich von Marv – das ist Mary im heutigen Turkmenistan. Und was dort geschehen ist, erstaunt fast so sehr wie die rasanten Eroberungszüge Alexanders des Großen über den größten Teil der bekannten Welt: Masʿūd von Ġazna, einer der mächtigsten Herrscher seiner Zeit, wird mitsamt seiner umfangreichen, schwer bewaffneten und gut ausgebildeten Armee von drei Männern aus der Familie Seldschuk – Ṭoġrıl, Čaġrı und Yabġū – mit ihrem vergleichsweise kleinen Häuflein leicht bewaffneter turkmenischer Reiternomaden vernichtend geschlagen und in die Flucht gejagt.

Wie konnte es dazu kommen? (…)

Antragschreiben

Diese Woche bin ich verspätet und melde mich auch nur kurz. Ich habe mir nämlich die letzten drei Tage und Nächte um die Ohren geschlagen, um mit meiner Kollegin Claudia Preckel zusammen einen Drittmittelantrag fertig zu stellen.

Wir wollen Erotikwerke auf persisch und Urdu genauer erforschen, die im 18.-20. Jahrhundert entstanden sind und sich auf ein älteres Sanskritwerk beziehen. Das wiederum ist eine Bearbeitung des Kama Sutra. Und ja: In den Texten, die wir untersuchen wollen, gibt es meistens auch Illustrationen. In den persischen Texten vor allem erotische, in den Urdu-Texten eher nicht. Warum dieser Unterschied? Gute Frage! Falls die DFG unser Projekt dieses Jahr bewilligt, werde ich darüber berichten. 😉

Der aktuelle Antrag ist nämlich nicht neu, sondern die Überarbeitung unseres Antrags vom letzten Jahr. Da wurde das Projekt nicht bewilligt. Also haben wir uns die Kritikpunkte angeschaut und das Konzept gründlich überarbeitet. Jetzt ist es noch viel besser als letztes Jahr. Bleibt nur zu hoffen, daß die Gutachter das auch finden und die DFG dieses Jahr außerdem genug Geld hat.

Letztes Jahr habe ich zwei Monate damit verbracht, an einem Projektentwurf zu arbeiten, den wir dann fallen lassen mußten, weil wir die Idee nicht schnell genug hätten weit genug ausarbeiten können, um echte Chancen zu haben. Dann habe ich drei Monate Arbeit in dieses Projekt investiert, und in diesem Jahr haben wir den Antrag anderthalb Monate lang überarbeitet. Macht zusammen sechseinhalb Monate Arbeit, die sich jetzt hoffentlich auszahlen.

Wir sind jedenfalls sehr gespannt auf das Ergebnis, das wir ab November erwarten.

Und ich darf heute nach dem vielen Schreiben und Kürzen mal einen Tag lang den Computer ausgeschaltet lassen. Deshalb schreibe ich auf dem Handy. Tippfehler gehen daher heute auf das Konto der Technik. Ich mache das auch bestimmt so bald nicht wieder, das kann ich Ihnen versprechen! Texte auf dem Handy zu tippen finde ich nämlich furchtbar nervig. ????

(Leicht überarbeitet am 07.06.15, deshalb jetzt hoffentlich ohne Tippfehler!)

goldenes Kupfer – oder ein schlechter Versuch, iranische Filme zu beschreiben

Da ich diese und nächste Woche mal wieder heftig mit einem Drittmittelantrag beschäftigt bin, dachte ich mir, ich biete Ihnen heute einen Text aus fremder Feder zur Lektüre an: einen Beitrag über anspruchsvolle iranische Filme. Vielleicht kommen Sie ja auf den Geschmack.

Diese künstlerischen Filme sind außerhalb Irans vor allem deshalb bekannter als alle anderen Produktionen, weil sie oft mit internationalen Preisen ausgezeichnet und synchronisiert werden. Über die andere, weniger bekannte iranische Filmkultur, mit der ich viel mehr Kontakt habe, berichte ich demnächst mal selbst. Viel Spaß beim Lesen!

Kostprobe aus meinem E-Book über Beyhaqîs „Geschichte des Mas’ûd von Ghazna“

Heute bekommen Sie ein Häppchen aus meinem E-Book zu lesen, denn die Publikation verzögert sich noch ein bißchen, und Sie sind doch sicher schon gespannt auf den Text, oder? 😉

Wahrscheinlich wird die Publikation erst im Juni stattfinden, denn der Mai ist schon ziemlich „zugeschüttet“. Außerdem mußte ich auf zwei Bilder aus einer Originalhandschrift für das Cover warten, die ich aus Iran bekommen habe. Das hat ein bißchen gedauert, aber dafür wird das Cover umso besser. 🙂 Ich bin schon sehr gespannt darauf, was die Designerin entwirft, und halte Sie auf dem laufenden.

Die Textauszüge, die Sie hier zu lesen bekommen, sind übrigens nicht dieselben, die man später in der Vorschau sehen kann. Dort werden die ersten paar Seiten des Buches eingeblendet, hier bekommen Sie die ersten ein bis zwei Seiten der Kapitel. Ich finde, so können Sie einen besseren Eindruck vom „Gesamtkunstwerk“ bekommen. Ach ja: Wie üblich verwende ich die alte Rechtschreibung.

Und hier die Kostprobe

Die Umschrift wird wahrscheinlich nur in der PDF-Version stehen bleiben (die nenne ich auch die „Studentenausgabe“ 😉 ). Für das E-Book-Format werde ich sie wahrscheinlich noch vereinfachen. Sonst wird es kompliziert, weil man die Schriftart einbetten muß, damit alle Zeichen korrekt angezeigt werden. Und nun zum Textauszug:

Vorwort
Die Welt ist klein geworden. In wenigen Stunden kann man von einem Ende zum anderen fliegen, und täglich hören wir Nachrichten aus fernen Ländern. Aber auch in unserem Alltag leben und arbeiten viele Menschen aus allen Erdteilen unter uns. Auch sie verstehen wir oft nicht richtig.

Dieses Buch ist eine Übung im Verstehen. Es soll Ihnen Menschen aus einer anderen Kultur und einer anderen Zeit nahebringen: was sie taten und mehr noch wie sie dachten. Und wie spannend und aufregend es sein kann, sie verstehen zu lernen. Doch am Ende werden Sie sehen: so unterschiedlich wir sind, wir sind uns doch alle als Menschen sehr ähnlich.

Haben Sie Lust darauf? Sind Sie neugierig auf ferne Zeiten und fremde Kulturen? Dann kommen Sie, ich nehme Sie mit! Wohin? – Erinnern Sie sich an Afghanistan? Dahin soll es gehen. Nur hieß es damals noch nicht Afghanistan. Denn wir reisen zusammen ins 11. Jahrhundert und lernen dort einen außergewöhnlichen persischen Geschichtsschreiber kennen. Er lebte und arbeitete am Hof der Dynastie der Ġaznaviden (977-1186), die zu dieser Zeit über das heutige Afghanistan, aber auch über große Teile Irans, Teile des heutigen Turkmenistan, Tadschikistan, Pakistan und Nordindien herrschte. Der Name dieses Geschichtsschreibers ist Abo l-Fażl-e Beyhaqī, aber ich nenne ihn Bo l-Fażl. So nennt er sich in seinem Geschichtswerk nämlich selbst.

Dieses Geschichtswerk fasziniert mich schon seit achtzehn Jahren. Denn Bo l-Fażl hat sich ebenso sehr für Menschen interessiert wie ich. Deshalb stellt er uns viele seiner Zeitgenossen ausführlicher vor, als es irgendein anderer Geschichtsschreiber seiner Zeit getan hat: ihre Handlungen, ihre Aussprüche, ihre Persönlichkeit, manchmal auch ihre Beweggründe und Ziele. Bo l-Fażl erzählt uns zwar nicht alles, was wir von Geschichtswerken gern wissen möchten, denn er war ein Kind seiner Zeit – also denkbar weit von uns entfernt. Trotzdem erzählt er uns Dinge, die uns wirklich interessieren: wie die Menschen seiner Zeit dachten und fühlten, was sie antrieb und zerstörte. Denn er fand die Beobachtung anderer Menschen wichtig, um sich selbst zu verstehen. Dabei wollte er seinen Lesern helfen, indem er seine Beobachtungen über seine Mitmenschen aufschrieb. Jedenfalls sieht das einer der Forscher so (Kazemi, S. 134).

Wenn das stimmt, dann sind Bo l-Fażl und ich einer Meinung. Denn ich finde, wenn wir uns mit fremden Menschen, mit einer anderen Zeit und einer anderen Kultur befassen, lernen wir auch unsere eigene Zeit, unsere eigene Kultur und damit uns selbst besser kennen. Der Blick auf das Andere verändert auch den Blick zurück auf das Eigene. Und was ist in einer klein gewordenen Welt wichtiger als die Fähigkeit, andere Perspektiven einzunehmen und einen erweiterten Blick auf das Eigene zu bekommen? Das wollen Sie doch, nicht wahr? Mehr erfahren und Ihren Horizont erweitern?

Keine Sorge: Das werden Sie ganz sicher, wenn Sie dieses Buch lesen. Sie werden nicht nur Bo l-Fażl näher kennenlernen und erfahren, was er über seine Mitmenschen erzählt. Sie werden auch eine Geschichte lesen, die bis heute Spuren auf der Landkarte hinterlassen hat, zum Beispiel die heutige Türkei. Und Sie werden erfahren, wie Bo l-Fażl diese Geschichte erzählt. Wir werden gemeinsam darüber nachdenken, warum er sie erzählt und warum so und nicht anders. Dabei werden Sie feststellen, welche Herausforderungen die Geschichtsforschung birgt. Denn es ist nicht alles immer, wie es scheint. Leider ist Bo l-Fażls faszinierendes Werk noch längst nicht vollständig erforscht. Aber vielleicht ist das auch gut so, denn sicheres Wissen ist das Ende der Forschung. (…)

Erwähnte Literatur

Ranin Kazemi: „Morality and Idealism: Abu’ l-Fazl Bayhaqi’s Historical Thought in Tarikh-I Bayhaqi”. Elektronische MA Thesis. Ohio State University, 2005. https://etd.ohiolink.edu/. Permalink zur PDF-Datei: http://rave.ohiolink.edu/etdc/view?acc_num=osu1302803112 (zuletzt aufgerufen am 03.01.2014).

Warum gibt es so viele Schreibweisen für orientalische Namen? – Teil 2

Zweiter Teil der Antwort: Die Aussprache in verschiedenen Sprachen

Im Persischen und Türkischen werden viele Laute anders ausgesprochen als im Arabischen – auch in arabischen Namen und Wörtern. Wenn wir bei „Muhammad“ (محمّد) bleiben, dann entspricht das eben monierte deutsche „h“ ziemlich genau der persischen Aussprache. Die verzichtet nämlich auf das stärker behauchte arabische „h“. „Mohammad“ gibt also recht exakt die persische Aussprache des Namens wieder.

Auch der normalerweise als „gh“ dargestellte Laut (غ) klingt im Persischen völlig anders als im Arabischen – und zwar genauso wie der Laut, den wir in der Umschrift normalerweise mit „q“ – nicht „qu“! – wiedergeben (ق) . Dagegen ist dieses „q“ im Arabischen ein weit hinten am Gaumensegel gesprochenes „k“. Außerdem gibt es noch eine Reihe von „th“- und „d“-Lauten, die im Persischen (und manchmal auch im gesprochenen Arabisch) als stimmhaftes oder stimmloses „s“ geprochen werden. So bekommt man für einen arabischen Namen wie Abu l-Fadl (ابو الفضل) im Persischen die Aussprache Abo l-Fazl – wobei das „z“ für ein stimmhaftes „s“ steht.

Doch kehren wir zurück zu unserem Beispielnamen „Muhammad“! Im Türkischen wird stattdessen  meistens die Form „Mehmet“ verwendet. Das ist eine Art Abkürzung. Gleichzeitig zeigen sich in dieser Namensform aber auch Besonderheiten der türkischen Aussprache.

Wenn man „Muhammad“ auf zwei Silben verkürzen würde, dann bekäme man „Muhmad“. Aber kurze helle „a“s aus dem Arabischen und Persischen werden auf türkisch meist als „ä“ gesprochen, und das schreibt man in der türkischen Lateinschrift als „e“. Damit hätten wir „Muhmed“. Nun werden im Türkischen die Vokale aber in aufeinanderfolgenden Silben nicht beliebig kombiniert. Das „u“ wird deshalb dem „e“ angeglichen: „Mehmed“. Und weil Konsonanten am Wortende hart ausgesprochen werden, schreibt man das „d“ in der türkischen Lateinschrift nach der Aussprache als „t“ (das „b“ übrigens auch als „p“): „Mehmet“.

Würde man den Namen so schreiben, wie er in Iran heutzutage beim schnellen Sprechen klingt, dann käme dabei übrigens so etwas wie „Mammad“ heraus. 😉

„Schön und gut“, werden Sie jetzt denken, „aber wenn die Unterschiede in der Schreibweise vor allem mit der Aussprache in den verschiedenen Sprachen zu tun haben, wieso wird dann ein arabischer Name wie Gaddafi so unterschiedlich geschrieben?“ Das läßt sich beantworten, wenn man weiß, wie solche Schreibweisen entstehen: durch unterschiedliche Arten von Umschrift.

Dritter Teil der Antwort: Die verschiedenen Arten der Umschrift

Mit der Zeit haben die Europäer nämlich auf Grundlage der Ausspracheregeln ihrer jeweiligen Muttersprache ganz unterschiedliche Arten von Umschrift entwickelt. Das gilt für die Wissenschaft, aber noch mehr für die Verwaltung und Presse. So verwenden die Franzosen eine andere Umschrift als die Engländer, und die deutsche Umschrift unterscheidet sich von beiden.

Da in den arabischen Ländern und Iran aus historischen Gründen der Einfluß des Französischen und Englischen besonders stark war und ist, wird in diesen Ländern für internationale Ausweispapiere wie Pässe und für andere Schriftstücke in Lateinschrift eine im Französischen oder Englischen übliche Umschrift verwendet oder eine Mischung aus beiden. So kommen dann in der Lateinschrift sehr unterschiedliche Schreibweisen für ein und denselben Namen zustande – je nachdem, welche Landessprache und Aussprache zugrunde liegt und nach welcher europäischen Sprache man sich bei der Umschrift gerichtet hat.

Mit diesen im Heimatland einmal eingetragenen „Paßnamen“ laufen die Namensträger meist den Rest ihres Lebens herum, auch wenn sie mittlerweile in einem europäischen Land leben, in dem die im Paß verwendete Umschrift grundsätzlich falsch ausgesprochen wird. Das betrifft Deutschland in besonderem Maße, weil hier kaum jemand etwas mit der englischen und französischen Umschrift anfangen kann. Manchmal würde eine Anpassung an deutsche Schreibgewohnheiten also helfen.

Ein gutes Beispiel ist der Name des aktuellen Präsidenten der Islamischen Republik Iran, Hassan Ruhani (حسن روحانی). So müßte man den Namen schreiben, wenn man wollte, daß ihn jeder deutsche Leser sofort richtig aussprechen kann. Aber da „u“ in den übrigen europäischen Sprachen eben oft nicht als „u“ ausgesprochen wird, verdeutlicht man die Aussprache, indem man stattdessen „ou“ schreibt.

Namen an die deutsche Schreibweise anzupassen, ist aber schwierig, weil man in Deutschland eine eindeutige Schrift mit klaren Regeln gewohnt ist. Schon wenn jemand einen Bindestrich im Namen hinzufügt oder wegfallen läßt, handelt es sich für eine deutsche Behörde nicht mehr um denselben Namen. An das Austauschen von Buchstaben zwecks Erleichterung der korrekten Aussprache ist da gar nicht zu denken, will man nicht eine Namensänderung beantragen (was manche tun).

Dann gibt es noch das Problem der nicht existierenden Laute, die deshalb mal so, mal anders umschrieben werden. Dieses Phänomen ist für die verschiedenen Schreibweisen des Namens (al-)Gaddafi (القذافی) verantwortlich. Der Name enthält nämlich gleich zwei bei uns nicht existierende Laute: „q“ und „dh“. Eigentlich müßte man den Namen „Qadhdhafi“ schreiben. Aber weil wir das „q“ gar nicht kennen und das „dh“ (wie in englisch „this“) nur aus dem Englischen, hat man es eben vereinfacht. Kann sein, daß das sogar der üblichen libyschen Aussprache nahekommt. Genau weiß ich das nicht, denn so gut kenne ich mich mit Libyen nicht aus. 🙂

Daß der Name aber in den Medien in unterschiedlicher Schreibweise auftaucht – ebenso wie manche anderen Namen – zeigt nur die allgemeine Verunsicherung der Journalisten. Diese haben ja meistens keinen Schimmer von den Herkunftssprachen und interessieren sich selten dafür, Namen korrekt auszusprechen. (Ich habe mal irgendwo gelesen, letzteres sei eine Eigenart der deutschen Medienkultur.) Manchmal kann man an der Schreibweise sogar erkennen, aus welcher Sprache (Englisch oder Französisch) die Meldung übernommen wurde. 😉 In den letzten Jahren ist die Vereinheitlichung allerdings vorangeschritten, und auch mit der Aussprache scheint man sich jetzt mehr Mühe zu geben als noch vor fünfzehn Jahren.

Ein häufiges Problem: Das „kh“ am Namensanfang

Ein recht verbreitetes Problem kann man gut an dem Namen „Khatami“ (خاتمی) erklären: Ein Laut existiert in der Zielsprache zwar, aber nicht an derselben Stelle im Wort. Erinnern Sie sich, daß ich unseren Laut „ch“ im Wort „Dach“ erwähnt habe? An dieser Stelle, nämlich am Wortende, aber auch im Wortinneren wie bei „lachen“ kennen wir diesen Laut durchaus. Nur am Wortanfang verwenden wir ihn nicht. Genau dort kommt er aber in vielen arabischen Namen vor.

Engländer und Franzosen schreiben diesen Laut „kh“. Da wir im Deutschen aber mit „kh“ nichts anfangen können, sprechen die meisten Leute „kh“ automatisch als „k“ aus. Das klingt für den Namensträger manchmal geradezu beleidigend. Da es den Laut „k“ nämlich im Arabischen und Persischen auch gibt, kann es passieren, daß die falsche Aussprache den Namen in ein ganz anderes, wenn man Pech hat unflätiges Wort verwandelt. Stellen Sie sich einfach mal vor, Sie heißen „Heise“ oder „Ersch“, leben aber in einem Land, in dem Sie täglich mit „Herr Scheiße“ oder „Frau Arsch“ angeredet werden. So kann das wirken.

Herr „Khatami“ müßte auf deutsch also eigentlich Herr „Chatami“ sein. Dumm nur, daß wir das intuitiv als „Schatami“ oder einfach mit dem falschen „ch“ aussprechen würden. Wir müßten uns also merken, in arabischen und persischen Namen das „ch“ am Anfang genau so auszusprechen wie in „Dach“. Oder wir merken uns gleich, daß orientalische Namen mit „Kh“ am Anfang so auszusprechen sind. Mir scheint aber, daß sich in letzter Zeit schon viele Menschen, zum Beispiel in Arztpraxen, mehr Mühe geben und besser hinhören, wie man solche Namen ausspricht. Das ist sicher die einfachste Möglichkeit, einem Menschen mit der richtigen Aussprache seines Namens eine Freude zu machen: einfach zuhören, wenn er sich vorstellt.

Praktische Liste zur richtigen Aussprache

Für alle, die gern einen Überblick bekommen wollen, habe ich eine Liste zusammengestellt. Vielleicht wollen Sie ja mal die Nachrichtensprecher kontrollieren. 😉 Natürlich wäre zu dem Thema noch viel mehr zu sagen, zum Beispiel zu den Vokalen und zur Betonung. Aber für heute soll es genug sein. 🙂

Arabisch, Persisch, Türkisch: z (ز) => stimmhaftes „s“ (Persisch: auch ظ – ض – ذ)

Arabisch, Persisch, Türkisch: r (ر) => gerolltes Zungen-r, im Persischen und Türkischen weniger stark gerollt als im Arabischen

Arabisch, Persisch, Türkisch: s (س ـ ص) => scharfes „s“ (Persisch: auch ث), in türkischen Namen manchmal auch anstelle von ş, dann Aussprache als „sch“

Arabisch, Persisch: kh (خ) => „ch“ wie in „Dach“ oder „lachen“, auch am Wortanfang

Arabisch, Persisch: sh (ش) => „sch“

Arabisch, Persisch: j (ج) => stimmhaftes „dsch“ wie in „John“ ( bei französischer Umschrift auch weiches „sch“ wie in französisch „Jean“, bei eingedeutschter Schreibweise auch wie deutsches „j“)

Arabisch, Persisch: dj (ج) => stimmhaftes „dsch“ wie in „John“

Arabisch, Persisch: y oder j (ی) => deutsches „j“

Arabisch: th (ث) => wie „th“ in englisch „thing“

Arabisch: dh (ذ – ظ) => wie „th“ in englisch „this“

Arabisch: gh (غ) => Reibelaut wie das deutsche, nicht gerollte „r“

Arabisch: (ق) => hinten am Gaumensegel gesprochenes „k“

Persisch: gh/q (غ – ق) => Laut zwischen dem Arabischen gh und dem Arabischen q

Persisch: zh (ژ) => weiches „sch“ wie in französisch „Jean“ (manchmal auch mit „j“ geschrieben)

Persisch: ch (چ) => stimmloses „tsch“ (in französischer Umschrift auch für „sch“ verwendet)

Türkisch: j => weiches „sch“ wie in französisch „Jean“

Türkisch: c => stimmhaftes „dsch“ wie in „John“, manchmal auch anstelle von ҫ, dann Aussprache als „tsch“

Türkisch: g => zwischen hellen Vokalen fließender Übergang ähnlich wie deutsches „j“ (Bsp.: degil => „dejil“), zwischen dunklen Vokalen Verlängerung des vorhergehenden Vokals (Bsp.: oglu => „oolu“)

Viel Spaß beim Ausprobieren! 🙂

Warum gibt es so viele Schreibweisen für orientalische Namen? – Teil 1

Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, wieso Sie mal „Mohammed“ lesen, dann wieder „Muhammad“ und auf meinem Blog auch noch „Mohammad“.  Oder wie man die Nachnamen der Herren Khatami und Rouhani wirklich ausspricht. Und warum man Gaddafi mal so schreibt, mal Ghaddafi und mal Qaddhafi. Hier finden Sie jedenfalls die Antwort.

Erster Teil der Antwort: Das Alphabet der Ausgangssprache

Diese Antwort hat mehrere Teile. Der erste Teil der Antwort lautet: Diese Namen stammen aus Sprachen mit einem anderen Alphabet. Alle oben angeführten Beispiele sind arabische Namen (in diesem Fall auch die der Iraner). Solche Namen sind auch in vielen nicht-arabischen Ländern mit einer großen Anzahl von Muslimen verbreitet. Nicht in allen diesen Ländern wird die Landessprache in arabischer Schrift geschrieben, aber in einigen.

So verwenden Iran und Afghanistan die arabische Schrift mit einigen Ergänzungen für das Persische, in Pakistan und Indien benutzt man dieses Alphabet mit weiteren Ergänzungen für das Urdu. Früher, unter den Osmanen, wurde auch Türkisch in arabischer Schrift geschrieben. Doch selbst heute, nach der Umstellung auf die Lateinschrift von 1928, ist das türkische Alphabet nicht mit unserem identisch.

Zum Beispiel wird das „c“ nicht, wie etwa im Französischen, vor dunklen Vokalen hart und vor hellen weich gesprochen – also mal als „k“ und mal als „s“. Vielmehr ist es immer ein weiches (stimmhaftes) „dsch“ wie in dem englischen Namen „James“. Und das „sch“ wird als „s“ mit einem Häkchen darunter geschrieben und im Deutschen meistens mit einfachem „s“ wiedergegeben. Nur weiß das fast niemand. Deswegen sprechen wir gefühlsmäßig viele türkische Namen falsch aus, weil wir andere Ausspracheregeln gewohnt sind.

„Cem“ spricht man zum Beispiel „Dschem“ (mit stimmhaftem „dsch“ wie in „John“). Und da das „z“ das stimmhafte „s“ bezeichnet und nicht unser z, heißt Frau Öztürk eben nicht „Öztürk“, sondern eigentlich „Östürk“ (mit stimmhaftem „s“).

Dieses Problem entsteht daraus, daß es im Türkischen – genau wie im Arabischen und Persischen – einen wesentlichen Unterschied macht, ob man ein scharfes oder ein stimmhaftes „s“ verwendet. Ein Wort bedeutet nicht wie im Deutschen in beiden Fällen dasselbe.

Bei den Namen, die aus einer Sprache mit arabischer Schrift stammen, gibt es noch ein anderes Problem: Die arabische Schrift ist nicht vollständig. Das heißt: Es gibt nicht für jeden Laut einen Buchstaben. Kurze Vokale werden in den meisten Fällen nicht geschrieben. Es gibt zwar eine Möglichkeit, sie eindeutig zu bezeichnen, aber das macht keiner. Außerdem gibt es auch einige Laute, die in den europäischen Sprachen oder auch nur im Deutschen gar nicht existieren.

Wenn man nun versucht, einen arabischen Namen in Lateinschrift wiederzugeben, passieren verschiedene Dinge. Zunächst muß man sich überlegen, wie man Laute wiedergibt, die in der Zielsprache gar nicht existieren. So wird zum Beispiel „gh“ für einen arabischen Reibelaut verwendet, der wie ein deutsches Rachen-r klingt. Man kann aber nicht „r“ schreiben, weil es auch ein gerolltes Zungen-„r“ gibt, das diesen Platz schon belegt.

Als nächstes braucht man die kurzen Vokale. Dabei muß man sich für eine Aussprachevariante entscheiden, denn hier weicht die gesprochene Sprache oft von der Hoch- oder Schriftsprache ab. Zum Beispiel gibt es im Hocharabischen nur ein kurzes „a“, „i“ und „u“, aber in der gesprochenen Sprache hört man auch „o“ und „e“.

Schießlich gibt es auch noch Namen mit doppelten Konsonanten, die im arabischen Schriftbild aber nicht in Erscheinung treten. Der Konsonant wird also nur einmal geschrieben, und man kann lediglich durch ein kleines Zusatzzeichen darauf hinweisen, daß er doppelt gesprochen werden soll. Wenn man sich also nur an die ausgeschriebenen Konsonanten hält, dann überträgt man einen Konsonanten zu wenig in die Lateinschrift.

Die Varianten von „Muhammad“

Schauen wir uns als Beispiel den arabischen Namen „Muhammad“ an! In arabischer Schrift sieht er so aus: „M-h-m-d“ (محمد). Der mit „h“ wiedergegebene Laut ist übrigens kein normales deutsches h, sondern wird stärker behaucht, aber auch wieder nicht so stark wie unser „ch“ in dem Wort „Dach“ (das ist wieder ein anderer Buchstabe). Wir können diesen Laut in unserer Schrift also gar nicht korrekt wiedergeben, denn er existiert in unserer Sprache nicht. Also nehmen wir das normale h als Notlösung. Wenn wir uns nach der arabischen Hochsprache richten, dann müssen wir nun die kurzen Vokale folgendermaßen eintragen: „M-u-h-a-m-a-d“. Aber im Arabischen wird der Konsonant „m“ in diesem Namen verdoppelt. Wenn wir das in der Lateinschrift berücksichtigen, kommen wir auf „M-u-h-a-m-m-a-d“, also „Muhammad“.

Jetzt wissen Sie, warum Islamwissenschaftler in der Regel diese Variante bevorzugen! Wenn Sie aber in Rechnung stellen, daß in manchen Gegenden das kurze „u“ in Wirklichkeit als „o“ gesprochen wird und man das kurze „a“ am Ende in der Aussprache fast verschluckt, dann kann man auch auf die Umschrift „Mohammed“ kommen. Dagegen schreibe ich meistens „Mohammad“, weil das die persische Aussprache ist. Denn im modernen Persisch – jedenfalls wie es in Iran gesprochen wird – hat sich das kurze arabische „u“ in ein „o“ verwandelt.

So etwas kann natürlich passieren, wenn man ein Alphabet für mehrere ganz unterschiedliche Sprachen verwendet und das Alphabet außerdem noch unvollständig ist. Damit kommen wir zum zweiten Teil der Antwort.

Doch den bekommen Sie erst nächste Woche. Vielleicht schaffe ich es bis dahin auch, eine praktische Übersicht zu erstellen. Geplant habe ich das jedenfalls. 🙂

Wie ich auf die Idee zu einem Buch über Beyhaqîs „Geschichte des Mas’ûd“ kam

Letztes Mal habe ich Ihnen versprochen, Ihnen die Entstehungsgeschichte meiner Buchidee zu erzählen. Wie Sie sich vorstellen können, war diese Idee kein Ergebnis verkaufsorientierter Marktforschung. Es ist vielmehr ein Buch über eine meiner persönlichen Leidenschaften und mein Versuch, sie auch Lesern verständlich zu machen, die keine Fachleute sind. Ein sehr persönliches Projekt also.

Eine Buchidee entsteht

Das Bedürfnis, endlich einmal für ein breiteres Publikum zu schreiben, hatte ich schon länger. Dieser Blog verdankt sich demselben Bedürfnis. Aber ich wäre wahrscheinlich nicht ohne Anstoß von außen auf die Idee gekommen, ausgerechnet über Beyhaqîs in Deutschland unbekanntes Geschichtswerk ein Sachbuch zu schreiben. Daß ich es trotzdem getan habe, kam so:

Vor einigen Jahren erzählte mir meine Kollegin Claudia Preckel, die Sie bereits aus ihren Gastbeiträgen auf diesem Blog kennen, daß ein Kollege in Indien eine Buchreihe über indische Historiker herausgeben wolle. Die Bücher sollten um die hundert Seiten umfassen, verständlich geschrieben sein und wenige Fußnoten enthalten. Etwas für eine breitere Leserschaft eben.

Die Idee sprach mich sofort an, und ich hielt das für eine gute Gelegenheit, mich nebenbei wieder einmal systematisch mit einem meiner Lieblingsthemen zu befassen: Beyhaqîs Geschichtswerk. Deshalb schlug ich dem indischen Kollegen vor, auch einen Band über Beyhaqî einzuplanen.

Nun ist Beyhaqî zwar streng genommen kein indischer Historiker – schließlich diente er einer Dynastie, deren Hauptstadt im heutigen Afghanistan lag. Doch die Ghaznaviden beherrschten auch ausgedehnte Gebiete im damaligen Nordindien. Deshalb interessierten sich für ihre Geschichte lange Zeit vor allem muslimische indische Historiker. Sogar die ältesten Handschriften, die uns von Beyhaqîs Geschichtswerk erhalten sind, liegen in Indien und sind auch dort entstanden. Persisch war ja Jahrhunderte lang auch in Indien die überregionale Verwaltungs-, Hof- und Kultursprache.

So gesehen, kann man es durchaus vertreten, Beyhaqî in eine Reihe über indische Historiker aufzunehmen. Das sah auch der indische Kollege so. Wir vereinbarten also, daß ich das Buch über Beyhaqî für seine Reihe schreiben würde.

Nun mußte ich mich nur entscheiden, ob ich es direkt auf englisch schreiben wollte. Das wäre zwar sicher eine gute Übung gewesen, aber es hätte mir nicht halb soviel Spaß gemacht wie auf deutsch. Schließlich ist es in erster Linie eine Herausforderung an Sprachbeherrschung und Stil, sich verständlich auszudrücken. Da ist die Muttersprache die bessere Wahl. Außerdem hätte man in einem englischen Buch von mir ohnehin einiges korrigieren müssen, denn es wäre nie mit dem Buch eines Muttersprachlers vergleichbar gewesen.

Erstmal auf deutsch

Daher habe ich mich entschieden, das Buch erst einmal auf deutsch zu schreiben und es dann für die indische Reihe ins Englische übersetzen zu lassen. Es wird also in jedem Fall auch noch als gedrucktes Buch erscheinen – allerdings auf englisch und in Indien. Wann, ist noch nicht sicher. Ob es eine deutsche Druckversion geben wird, hängt von der Nachfrage ab.

Die Entscheidung für ein deutsches Original hatte aber noch zwei weitere Gründe: Erstens kann ich davon nicht nur eine englische Version anfertigen lassen, sondern sie auch als Basis für eine persische Version verwenden. Denn in Iran ist Beyhaqîs Geschichtswerk ganz im Gegensatz zu Deutschland sehr bekannt. Zweitens wollte ich gerade ein verständlich formuliertes Buch den deutschsprachigen Lesern nicht vorenthalten.

Natürlich ist die Publikation des deutschen Buches ein Experiment, denn ich möchte Menschen für etwas begeistern, wovon sie bisher noch nie etwas gehört haben. Ich bin schon sehr gespannt, wie dieses Experiment ausgehen wird.

Deshalb habe ich mich auch für ein günstiges E-Book entschieden: Wenn ich das Angebot eines interessierten Verlags angenommen hätte, dann hätte die gedruckte Version knapp 25 € gekostet, die PDF-Version fast 20 €. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich würde für ein handliches Sachbuch zu einem interessant klingenden, aber mir unbekannten Thema nicht soviel Geld ausgeben.

Mein E-Book bietet deshalb dieselbe Qualität zu einem erheblich günstigeren Preis. 🙂 Sie werden es ja bald sehen.

Damit Sie erkennen können, wie sehr es sich lohnt, das E-Book zu kaufen, bekommen Sie ab jetzt in jedem Beyhaqî-Beitrag eine kleine Kostprobe aus dem Text. 😉 Nächstes Mal fangen wir mit dem Vorwort an, dann kommt die Einleitung usw.

Schauen Sie einfach wieder herein, wenn ich einen Beitrag zu Beyhaqîs „Geschichte des Mas’ûd“ veröffentliche!