Perso-Indica


Diese Woche kann ich nur einen kurzen Beitrag schreiben, weil ich das halbe Wochenende hier verbracht habe: The Second Perso-Indica Conference.

Die persische Sprache und damit auch die Kultur, die sie transportierte, waren viele Jahrhunderte lang auch im heutigen Pakistan und Indien verbreitet. Erst im 19. Jahrhundert wurde Persisch langsam zurückgedrängt.

Doch vorher wurden in Indien viele Werke aus allen möglichen Literaturgattungen – auch wissenschaftliche Literatur – aus dem Sanskrit oder anderen indischen Sprache ins Persische übersetzt. Und nicht nur das: Auch persische Werke wurden ins Sanskrit übertragen. Solche Werke nennen wir „Perso-Indica“, und mit ihnen befaßt sich das gleichnamige Projekt. Leider ist diese Literatur nicht besonders gut erforscht.

Das liegt ganz wesentlich an den Fächergrenzen, auf die man sich in Europa und Amerika festgelegt hat. Es gibt Fächer, die sich mit Muslimen oder Iran befassen. Wissenschaftler aus diesen Fächern könnten sich zwar für die persischen Werke und für die Muslime in Indien zuständig fühlen, können aber in der Regel kein Sanskrit und müssen sich auch viele andere Kenntnisse über die mehrsprachige und multikulturelle Situation in Indien zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert erst mühsam aneignen. Zu diesen Leuten gehöre ich. Dagegen können die meisten Indologen nicht unbedingt Persisch, und viele beschäftigen sich auch lieber mit den vielen anderen Feldern der indischen Kultur oder mit früheren Zeiten. In Indien und Iran steht es mit der Forschung zu den Perso-Indica auch nicht viel besser, wenn auch aus anderen Gründen.

Sobald man sich aber etwas Mühe gibt und weltweit auf die Suche geht, findet man doch erstaunlich viele Forscher, die sich aus dem einen oder anderen Blickwinkel mit den Perso-Indica befassen. Manche haben sogar eine doppelte Ausbildung in Indologie und Iranistik/Islamwissenschaft. Andere arbeiten hauptsächlich mit den Quellen in einer der Sprachen. Deshalb ist es so interessant, diese unterschiedlichen Blickwinkel und Herangehensweisen zusammenzubringen und den Forschern eine Möglichkeit zu geben, sich gegenseitig kennenzulernen, sich miteinander auszutauschen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten.

Diesem Zweck dienen die Perso-Indica-Konferenzen. Hier versammeln sich Forscher aus Indien, Pakistan, Amerika, Deutschland, Frankreich, Italien und anderen europäischen Ländern und stellen zwei Tage lang ihre Arbeiten vor, diskutieren sie und schmieden Pläne. Am Freitag und Samstag haben wir uns auf der 2. Perso-Indica-Konferenz getroffen – dieses Mal in Bonn. Nächstes Jahr treffen wir uns wieder und diskutieren vor allem die Beiträge, die wir alle zum Online-Survey und zum ersten gedruckten Band des Perso-Indica-Projekts verfassen werden.

Wer weiß, vielleicht findet die nächste Konferenz ja in Delhi statt?

 


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