Das Osterfest an Akbars Hof (Osterspecial 2020)

Ja, der Mogulherrscher Akbar (starb 1605) war Muslim – und wahrscheinlich auch der mächtigste und wohlhabendste muslimische Herrscher seiner Zeit. Dennoch interessierte er sich für viele Religionen – sei es der Zoroastrismus, der Hinduismus oder eben das Christentum.

Wir hatten hier auf diesem Blog schon einige Male beschrieben, dass Akbar durch die Missionen der zumeist portugiesischen Jesuitenpater, die an seinen Hof in Agra, Fatehpur Sikri beziehungsweise in Lahore kamen, viel über das Christentum erfuhr. Vor allem die Biographie und die Wundertaten Jesu interessierten Akbar sehr. Im Osterspecial 2018 hatte ich bereits darüber geschrieben, dass Akbar sich so sehr für Jesus interessierte, dass portugiesische Jesuitenpater für ihn eine persische Jesusbiographie verfassten. Diese hieß Mir’at al-quds (“Spiegel der Heiligkeit”) und enthielt viele Antworten auf viele Fragen, die Akbar während der gelehrten Diskussionen den Jesuitenpatern gestellt hatte.

Sowohl Jesus als auch Moses sind auch in der islamischen Theologie Propheten. Akbar war von der Schilderung ihrer Wundertaten so fasziniert, dass er sich in seiner Biographie selbst als jemand darstellen ließ, der schon als Kind Wunder vollbringen konnte – darüber habe ich HIER berichtet.

Portugiesische Jesuiten, Akbar und das Osterfest

Vor allem ein Jesuitenpater genoß scheinbar besonders großes Vertrauen Akbars: der ursprünglich aus Italien stammende Jesuit Rodolfo Acquaviva (1550-1583), der als Teil der portugiesischen Jesuitenmission aus Goa an den Hof Akbars kam. Es ist bekannt, dass Akbar vor allem mit ihm häufig über das Christentum debattierte – das zeigt auch das Beitragsbild: ein Gemälde das die theologischen gelehrten Diskussionen zwischen Akbar und Rodolfo Acquaviva darstellte – rechts ist der Pater im gelben Gewand zu sehen. Scheinbar war es auch üblich, dass Acquaviva dem Herrscher ein Ostergeschenk überbrachte – um was es sich dabei handelte, erfahren wir leider nicht.

Zu einem anderen Zeitpunkt kam derselbe Pater Aquauiua (gemeint ist Rodolfo Acquaviva, CP ) zum König, um ihm seine bonne Pasques oder auch Ostergeschenke zu überreichen. Es war der Abend der Wiederauferstehung unsers Erlösers. Seine Majestät war sehr erfreut. Er erwies dem Pater große Ehre, und unterhielt sich mit ihm bis spät in die Nacht. Er stellte ihm viele Fragen, hauptsächlich bezüglich des Wunders der Wiederauferstehung (Jesu).Außerdem fragte er (i.e. Akbar), welche Regeln Christen befolgen, wenn sie zu Gott beten. Diese und andere Fragen wurden beantwortet, und er (i.e. Akbar) entließ ihn mit großer Freundlichkeit.

Rodolfo Acquaviva schien tatsächlich aufgrund seiner positiven Erfahrungen mit Aktbar und des großen Interesses am Christentum geglaubt zu haben, Akbar würde zum Christentum konvertieren. Als sich dieses nicht bewahrheitete, kehrten die Jesuiten nach Goa zurück. Dort geriet Acquaviva zwischen die Fronten eines lokalen Krieges und wurde 1583 ermordet. 1893 wurde Acquaviva zusammen mit anden Jesuiten selig gesprochen.

Akbar und die Christen in Lahore

Obwohl Akbar ja niemals zum Christentum konvertierte, interessierte er sich weiterhin für diese Religion. Eine weitere portugiesische Jesuiten-Mission kam an seinen Hof, als Akbar seine Hauptstadt nach Lahore ins heutige Pakistan verlegte. Von 1585 bis 1598 war Lahore Akbars Hauptstadt. 1595 erlaubt er den Jesuitenpatern den Bau einer Kirche in Lahore. Auch die Feierlichkeiten zu Ostern und zu Weihnachten durften in Lahore gefeiert werden. So berichteten die Jesuiten:

Wir lesen von einer Prozession am (Grün-)Donnerstag in der Karwoche in Lahore, die durch die Stadt bis zur Kirche führte – angeführt von einem Kruzifix und Kindern, die Litaneien sangen, begleitet von einer Gruppe Büßern (gemeint ist: Menschen, die sich selbst geißelten, CP ), deren Aktionen von den Hindu Zuschauern sowohl mit Horror als mit Bewunderung angeschaut wurden.

Maclagan S. 291-92

Für das Jahr 1599 (also ein Jahr, nachedem Akbar Lahore als Hauptstadt aufgegeben hatte) liegen uns Quellen über besonders prachtvolle Osterprozessionen der Christen Lahores vor – dieses hängt aber wohl nicht damit zusammen, dass Akbar nun nicht mehr persönlich in der Stadt residierte:

Am Vorabend des Osterfestes desselben Jahres (i.e. 1599, CP) nutzten die Priester das Dach der Kirche in Lahore für Beleuchtung und Feuerwerk, und am Ostertag startete eine Osterprozession im Morgengrauen. Sie bestand aus Christen in Feiertagskleidung, die Kerzen in ihren Händen hielten und die sich ihren Weg durch eine riesige Menschenansammlung bahnten. Angeführt wurde die Prozession von einem Kreuz, das mit Blumen geschmückt war, danach kamen die Kirchenmusiker und anschließend die Pater in ihren Gewändern, die “das Beste sangen” (cantando como podiam) und ein Bild trugen, das Jesus als Kind zeigte und das aus Portugal kam.

Maclagen, S. 291

Es ist offensichtlich, dass ein Teil der Religionspoitik Akbar die Toleranz und weitgehende Glaubensfreiheit der Religionen des Mogulreiches war. Akbar sah das Christentum als eine wichtige Religion seines Reiches. Auch wenn diese Ansichten Akbars nicht zu allen Zeiten seiner Herrschaft und auch nicht von allen Mitgliedern seines Hofes geteilt wurde, blieb Akbars Religionspolitik bis heute ein wichtiges Zeichen der religiösen Toleranz Indiens.

Literatur:


Carvalho, Pedro de Moura: Mirʼāt al-quds (Mirror of Holiness): a Life of Christ for Emperor Akbar: a Commentary on Father Jerome Xavier’s Text and the Miniatures of Cleveland Museum of Art, Acc. no. 2005.1 / edited and translated by W. M. Thackston. Leiden; Boston: Brill, 2012.

Jarric, Pierre du: Akbar and the Jesuits: an account of the Jesuit missions to the court of Akbar by Father Pierre du Jarric / edited with introduction and notes by C.H. Payne. New York et al. : Harper, 1926.

Maclagan, E.D. : The Jesuits and the Great Mogul. London: Burns, Oates & Washbourne, 1932.

Beitragsbild:

“Rodolfo Acquaviva diskutiert mit dem Großmogul” – Bild eines unbekannten Malers aus dem Jahr 1847. Das Bild ist Public Domain.

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