Buchtipp: Abenteuer Seidenstraße

In der Adventszeit ist es ja vielleicht einmal angezeigt, dass wir von der #Persophonie einmal einen Buchtipp abgeben. Man könnte auch sagen: einen Geschenktipp für all diejenigen, die kulturgeschichtlich oder an der #Persophonie interessiert sind..

Das Werk “Abenteuer Seidenstraße” von Alfred de Montesquiou verdient die Bezeichnung Buchtipp WIRKLICH. Im Sommer 2019 habe ich in der Stadtbücherei meiner Heimatstadt gearbeitet, und eine Leserin meinte völlig begeistert nach der Lektüre zu mir: “Das ist das beste Buch, das Sie derzeit hier in der Bücherei haben!”.

Auch mich hat das Buch auch wirklich begeistert, so dass ich es gerne hier empfehle.

Dezeit wird zumeist das von China initiierte Megaprojekt “Neue Seidenstraße” diskutiert, das Handelsnetzwerke zwischen Asien, Afrika und Europa aufbaut. Der französische Journalist Alfred de Montesquiou (geb. 1978) hat sich aber der ursprünglichen, “alten” Seidenstraße gewidmet und drehte eine 15-teilige TV-Serie, die in Deutschland auf dem Sender ARTE ausgestrahlt wurde. Nun liegt seit Februar 2019 das entsprechende Buch vor. De Montesquiou hat den Orient bereits für einige Reportagen bereist – so zum Beispiel für Reportagen über den Arabischen Frühling und vor allem über den Sturz Muammar al-Gaddafis in Libyen.

Doch zurück zur Seidenstraße. Man merkt Montesquiou seine Begeisterung für kulturgeschichtliche Themen an. Bereits im ersten Teil über Venedig gibt Montesquiou Einblicke in die Handwerkskünste der Herstellung von Mosaiken und von Damast. Beide Künste entstanden, wie Montesquiou zeigt, im ständigen Dialog mit dem Orient.

Von besonderem Interesse für die Leser der #Persophonie sind natürlich die Teile über Iran, in denen Montesquiou die kulturelle und religiöse Vielfalt des Landes vorstellt. Die Fida’i, also die Assassinen des Mittelalters, interessieren europäische Leser sehr – auch Susanne hat ja hier über das Thema schon gebloggt.

Vielen westlichen ist auch die große Anzahl christlicher Kirchen in Iran nicht bekannt. Montesquiou beleuchtet die Situation der armenischen Christen in Iran und (für die TV Dokumentation) Interviews mit Armeniern in Täbris.

Apropos Täbris: man merkt Montesquiou seine Faszination besonders bei der Darstellung des Bazars von Täbris an, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Auch heute wird dort klar, dass ein Bazar nicht nur ein Handelszentrum war, sondern auch im sozialen Leben einer städtischen Gemeinschaft eine große Rolle spielt. Und letztendlich sprechen auch die auf dem Bazar angebotenen Waren vom Austausch zwischen Ost und West.

De Montesquiou stellt im übrigen gleich zu Anfang seines Buches klar, dass sich die Seidenstraße “weder zeitlich noch geographisch genau verorten lässt” (S. 9). Auch der Name “Seidenstraße” sei beliebig, da auf der Handelsroute auch Gewürze und viele andere Güter gehandelt wurden.

Der Name Seidenstraße, der wohl auf viele von uns eine geradezu magische Wirkung ausübt, stammt im übrigen vom deutschen Geographen und Forschungsreisenden Friedrich von Richthofen (st. 1905), auf dessen Aufzeichnungen wichtige Informationen über China basieren.

Doch natürlich wird in Montesquious Buch auch der Mann zu Wort, auf dessen Spuren er wandelt: Marco Polo. Das Buch enthält zahreiche Zitate aus Marco Polos Reiseberichten.

Diese Zitate, Montesquious Anekdoten, das Karten- und Bildmaterial machen dieses Buch zu einem Leseerlebnis.

De Montesquiou, Alfred: Abenteuer Seidenstraße: 12.000 Kilometer von Venedig bis Xi’an. Eine Reise auf den Spuren von Marco Polo in den Orient, nach Zentralasien, den Iran, Usbekistan und China. München: Knesebeck, 2019. – Das Beitragsbild zeigt das Titelbild des Buches.

Das Bild im Beitrag zeigt den historischen Bazar von Täbris.

Nachweis: Navid Sadighi [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

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