Die fida’i – Assassinen des Mittelalters

Eigentlich wollte ich heute als ersten Beitrag nach meinem Urlaub über das Weinen schreiben. Doch dann habe ich diesen Artikel über die Assassinen auf einem anderen Blog gesehen. Einen solchen Beitrag plane ich seit Beginn dieses Blogs, habe es aber bisher nicht geschafft, ihn auch zu schreiben.

Also dachte ich mir, ich lasse Sie zunächst einmal an diesem Artikel auf dem Mittelalter-Blog teilhaben und reblogge ihn. Allerdings muß ich gleich ein paar Korrekturen und Ergänzungen anbringen, damit kein falsches Bild entsteht. Das mache ich in einem Kommentar. Für meinen fachwissenschaftlichen Senf also bitte nach unten scrollen…!

6 Kommentare

  1. Und hier mein Kommentar:

    Zunächst einmal eroberte Hasan-e Sabbâh, ein iranischer Propagandist der ismailitischen (schiitischen) Fatimiden (ein Gegenkalifat in Ägypten) bereits im Jahr 1090 die Festung Alamût in Nordiran. Das lag damals im Seldschukenreich, und die Seldschuken hatten ihre Herrschaft von den sunnitischen Abbasidenkalifen legitimieren lassen. Daher war Hasan-e Sabbâh von Haus aus ein Feind der Seldschuken.

    Selbstverständlich waren diese nicht begeistert darüber, daß er mitten in ihrem Herrschaftsgebiet einen eigenen Staat mit mehreren Festungen errichtete und schließlich ganze Landstriche kontrollierte. Deshalb führten sie vergebliche Kriegszüge gegen Alamût.

    Im Jahr 1092 gipfelte dieser Konflikt darin, daß der mächtige Seldschukenwesir Nezâm ol-Molk (wahrscheinlich) von einem Attentäter aus der Gefolgschaft Hasan-e Sabbâhs ermordet wurde. Auch der Attentäter überlebte diese Aktion aber nicht.

    Erst danach, nämlich im Jahr 1095 und ein Jahr nach dem Tod des damaligen Fatimidenkalifen, scheiterte dessen ältester Sohn Nizâr mit dem Versuch, die Nachfolge seines Vaters anzutreten (andere wollten lieber seinen jüngeren Bruder auf dem Thron haben). Nizâr wurde getötet, aber einige Ismailiten weigerten sich trotzdem, das Kalifat seines jüngeren Bruders anzuerkennen, allen voran Hasan-e Sabbâh. Seine Abspaltung von den Ismailiten Ägyptens wurde später als Nizârîs oder Nizârî-Ismailiten bezeichnet.

    Derweil hatte Hasan-e Sabbâh seinen Einfluß nicht nur in Iran ausgedehnt, sondern auch Leute nach Syrien geschickt, wo sie Festungen eroberten und die Umgebung kontrollierten. Hier begegneten ihnen dann die Kreuzfahrer, auf die viele Assassinen-Legenden zurückgehen. Gesteuert wurden diese Nizârîs aber von Iran aus.

    Ein Thema für die Persophonie sind die als Assassinen bekannten Nizârîs übrigens auch deshalb, weil Hasan-e Sabbâh gelehrte religiöse Texte auf persisch verfaßte.

    Die Methode, politische Gegner zu ermorden, hat Hasan-e Sabbâh auch nicht erfunden, sondern nur systematisiert. Da die Attentäter häufig nicht mit dem Leben davonkamen, wunderten sich später vor allem die Europäer darüber, wie ihre Anführer sie zu diesem Opfer gebracht hatten.

    Weil die Mehrheit der sunnitischen Muslime die Nizârîs nicht besonders mochte, belegten sie diese mit dem arabischen Schimpfwort “haschîschî”, das soviel wie “Pöbel” oder “unmoralisches Pack” bedeutet. Die Kreuzfahrer scheinen das als “Haschischesser” mißverstanden zu haben und hielten Drogenkonsum für die Erklärung für das Verhalten der Attentäter. Aus dem Arabischen Wort wurde dann die Bezeichnung für Meuchelmörder: “Assassine”.

    Doch das passierte alles erst später. Zum Zeitpunkt von Hasan-e Sabbâhs Tod im Jahr 1124 war der Konflikt mit den Seldschuken zu einer Art Kalter-Krieg-Situation geworden, da keiner den anderen besiegen konnte. Noch waren die Führer der Nizârîs, die übrigens wegen ihrer theologischen Positionen ebenso interessant sind wie wegen ihrer politischen Morde, nur “hodschdschas”. Sie beanspruchten nicht die Abstammung von Nizâr, den sie als rechtmäßigen Fatimidenkalifen sahen. Allerdings nahmen manche Leute an, ein Sohn oder Enkel Nizârs sei nach Alamût gebracht worden.

    In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts schließlich begannen die Führer der Nizârîs in Alamût zu behaupten, selbst “Imâme”, also Leiter der Gemeinschaft der Gläubigen und damit Nachfahren Nizârs und der Fatimidenkalifen zu sein. Auf diese Linie führt auch der heutige Agha Khan seine Abstammung zurück.

    Erst zu dieser Zeit war es auch, daß der “Alte vom Berge” (schaich al-dschabal) in Syrien in Erscheinung trat, und zwar als von Alamût ernannter Anführer. Sein Name war Râschid ad-Dîn Sinân. Er war wohl der einzige syrische Nizârî-Führer, der recht eigenständig regierte und die syrischen Nizârîs auf den Höhepunkt ihrer Macht führte, und mit ihm hatten auch die Kreuzfahrer zu tun.

    Durch die Abwendung von den regierenden Fatimidenkalifen überstanden die Nizârîs den Sturz dieser Dynastie im späten 12. Jahrhundert. Doch den iranischen Nizârîs wurden die Mongolen zum Verhängnis. Bis dahin hatten sie sich aber ziemlich lange gehalten (immerhin über 150 Jahre lang), und auch danach waren sie nicht völlig von der Bildfläche verschwunden, sondern eroberten immer wieder Festungen (auch Alamût). Es gibt die Nizârîs, wie gesagt, bis heute – allerdings bringen sie niemanden mehr um.

    (Ich hab jetzt mal auf Links verzichtet. Die Quellen meiner Weisheit sind diesmal die Fachenzyklopädien: die Iranica (Esmailism iii. History – Nezari Esmailism unter http://www.iranicaonline.org/articles/ismailism-iii-ismaili-history) und die EI3 (Alamut und Assassins)).

  2. Pingback: [Persophonie] Die fida’i – Assassinen des Mittelalters – #Iran

  3. Sehr interessantes Thema! Ich muss gestehen, dass ich mit dem Thema nur sehr am Rande beschäftigt habe – und zwar – wie könnte es anders sein – im Zusammenhang mit Indien und dem Aga Khan. Der derzeitige Aga Khan IV beansprucht ja, der 49. Imam zu sein.
    Mhh.. Vielleicht auch mal ein Posting wert? 🙂

    • Ich werd sowieso noch nachlegen. Mein Kommentar ist ja schon wieder ein halber Beitrag geworden. Da mach ich noch einen eigenen Beitrag draus. Inklusive Aga Khan und Indien. ????

  4. Pingback: Aktenzeichen XY…ungelöst – Der Mord an Nezâm ol-Molk revisited (Teil 1) | Persophonie: Kultur-Geschichte

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