Wer bin ich und was mache ich hier? (Dr. Susanne Kurz)

Herzlich willkommen auf meinem Blog rund um die Geschichte der persischsprachigen Kultur!

Mein Name ist Susanne Kurz, und ich habe von 2008 bis 2015 am Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaften der Ruhr-Universität Bochum in einem DFG-Forschungsprojekt gearbeitet.

Studiert habe ich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen die Fächer Islamwissenschaft und Religionswissenschaft, ein bißchen auch Vergleichende Literaturwissenschaft. Dabei hat mich schon immer die Geschichte besonders interessiert. Wie lebten und dachten die Menschen vor Hunderten von Jahren? Welche Werte hatten sie, und welche Regeln galten für ihr Zusammenleben? Was war ihnen wichtig? Worüber haben sie nachgedacht, und was haben sie gefühlt?

All das wollte ich schon lange vor meinem Studium wissen. Aber mich interessieren nicht nur die Menschen der Vergangenheit, sondern auch die Menschen, die in anderen Teilen der Welt leben und andere Kulturen haben.

Warum interessieren mich diese Menschen? – Wahrscheinlich, weil ich selbst ein Mensch bin. Sicher auch, weil wir heute viel mehr mit anderen Weltgegenden zu tun haben als noch vor ein oder zwei Generationen. Wir reisen mehr, wir können uns vieles im Fernsehen anschauen, was uns fremd ist. Und wir leben auch hier in Deutschland mit viel mehr Menschen zusammen, die aus anderen Ländern und mit anderen Kulturen zu uns gekommen sind. Viele sind sogar mit zwei Kulturen, manchmal auch mit zwei Sprachen aufgewachsen. Oder sogar mit dreien.

Natürlich ist es in einer solchen Welt wichtig zu verstehen, daß Menschen nicht immer und überall gleich sind, aber dennoch immer Menschen. Deshalb können wir andere Menschen verstehen lernen, auch wenn sie ganz anders sind oder waren als wir selbst. Wenn wir uns anschauen, wie Menschen anderswo und zu anderen Zeiten gedacht, gefühlt und gelebt haben, dann stellen wir fest:

Es gibt viele Arten, die Welt zu erleben und auf sie zu reagieren, miteinander umzugehen und Dinge als richtig oder falsch festzulegen. Es gibt nicht nur unsere Art, Dinge zu tun und zu sehen, und deshalb ist auch nicht von vornherein klar, daß ausgerechnet unsere Art die einzig richtige sein muß.

Aber wahrscheinlich geht der Grund für mein Interesse an Menschen in all ihren Denk- und Verhaltensweisen tiefer: Wahrscheinlich will ich eigentlich wissen, was uns Menschen ausmacht, was wir eigentlich für Wesen sind. Dieser Frage kann man auf vielen verschiedenen Wegen nachgehen. Ich habe mir einen ausgesucht, der mir fesselnd erschien und der mir besonders liegt.

Was auch immer der tiefere Grund meines Interesses sein mag: Ich wollte nach dem Studium noch mehr wissen. Deshalb habe ich eine Doktorarbeit geschrieben und versucht herauszufinden, ob Sammlungen von persischen Witzen uns etwas über die Menschen mitteilen, die diese Witze ausgewählt und aufgeschrieben haben. Und über ihre Leser, für die sie das getan haben.

Jetzt arbeite ich an einem weiteren Buch, das aus den Forschungen im oben erwähnten DFG-Forschungsprojekt über die graeco-islamische Medizin in Südasien entsteht. Auch in diesem Projekt ging es wieder um Menschen und ihre Vorstellungen: Wie dachten die Inder in der Mogulzeit – vor allem, aber nicht ausschließlich die Muslime unter ihnen – über Gesundheit und Krankheit und den menschlichen Körper? Welche Ansichten hatten sie über den Geschlechtsverkehr? Ist er gut oder schlecht oder mal das eine, mal das andere? Hat er einen bestimmten Zweck oder mehrere? Sollte man dabei Lust empfinden und wenn ja, warum? Wie sollen sich Männer und Frauen dabei verhalten, und welche Eigenschaften sind günstig oder ungünstig für lustvollen Geschlechtsverkehr? Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Männern und Frauen?

Wahrscheinlich haben Sie bemerkt, daß ich mich erst mit persischen Witzen und danach plötzlich mit Indien beschäftigt habe. Davor habe ich meine Magisterarbeit über den Seldschukenwesir Nizam al-Mulk (Iran und Irak im 11. Jahrhundert) geschrieben. Wie hängt das alles zusammen? – Die Antwort ist: Durch die persische Sprache und den von ihr geprägten Kulturraum.

Viele von Ihnen wissen vielleicht, daß die Sprache in Iran – dem früheren „Persien“ – nach wie vor Persisch ist. Falls Sie wie manche Menschen bisher dachten, es wäre Arabisch: Nein, das ist falsch. Was noch weniger bekannt ist: Persisch wird nicht nur in Iran gesprochen, sondern auch in Afghanistan (dort heißt es „Darî“), in Tadschikistan (dort nennt man es „Tâdschîkî“) und in Teilen Uzbekistans.

Das kommt daher, daß der persische Kulturraum viel größer ist als das heutige Land Iran. Und auch das Persische war lange Zeit viel weiter verbreitet: in Mittelasien und Indien (also auch im heutigen Pakistan). Außerdem wurde es in Zentralasien als Verkehrssprache genutzt – so ähnlich wie heute global das Englische.

Persisch war also im östlichen Teil der islamischen Welt und darüber hinaus genauso wichtig wie Arabisch im westlichen Teil. Der österreichische Iranist Bert G. Fragner hat dieses Phänomen als „Persophonie“ bezeichnet. So heißt auch sein Büchlein zu diesem Thema, in dem man all das und noch viel mehr erfahren kann: Die „Persophonie“: Regionalität, Identität und Sprachkontakt in der Geschichte Asiens, Berlin: Das Arabische Buch, 1999. Mein Blog hat seinen Titel also Fragner und seinem Buch über die „Persophonie“ zu verdanken.

Und warum blogge ich hier?

Einerseits, weil ich denke: Was mich interessiert, das interessiert bestimmt auch noch andere Menschen. Andererseits, weil ich finde, daß mehr Menschen etwas von dem erfahren sollten, was Wissenschaftler herausgefunden haben. Tatsächlich scheint mir vieles, womit ich mich täglich beschäftige, in Deutschland fast gar nicht bekannt zu sein. Zum Beispiel das, was ich oben über die persische Sprache und den persischsprachigen Kulturraum geschrieben habe.

Außerdem schreibe ich gern und würde gern öfter und mehr schreiben, um mehr Übung darin zu bekommen. Was ist da besser als ein Blog?

Ich werde hier also ungefähr einmal pro Woche über Themen schreiben, die ich interessant finde und von denen ich glaube, daß sie auch andere Menschen interessieren könnten – oder daß sie auch andere Menschen interessieren sollten. Dabei werde ich auch auf die Arbeiten von Kollegen zurückgreifen und deren Ergebnisse unter meiner persönlichen Perspektive vorstellen. Oder ich stelle, wie in meinem ersten Beitrag über den Film „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“, Informationen aus Quellen und Sekundärwerken zusammen. Vieles, was ich präsentiere, stammt also nicht aus meiner eigenen Forschungsarbeit. (Update: Manches, aber so vieles dann auch wieder nicht. 😉 13.05.2015)

Für meine Hauptforschungsthemen der letzten Jahre habe ich eigene Seiten erstellt: Humor und Medizingeschichte. Hier möchte ich auch immer wieder Textauszüge aus meinen Quellen in Übersetzung vorstellen und kommentieren.

Die Seite über Islam und Islamwissenschaft habe ich eingefügt, falls ich einmal etwas zum Thema Islam als Religion und Kultur sagen möchte. Wie oft das vorkommen wird, weiß ich aber noch nicht. Es hängt ein bißchen davon ab, welche Themen in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert werden und ob ich den Eindruck habe, daß ich dazu eine Stellungnahme abgeben möchte. Vielleicht greife ich auch einmal fachinterne Diskussionen auf, die ich zugänglich machen möchte. Das wird sich im Laufe der Zeit zeigen.

Grundsätzlich gilt für alles, was ich hier schreibe: Es handelt sich um meine persönliche Einschätzung und Meinung, und obwohl ich mir große Mühe gebe, sorgfältig zu recherchieren und Informationen gründlich zu prüfen, kann ich keine Garantie für die Richtigkeit der gelieferten Informationen geben. Das geht schon deshalb nicht, weil Forschung immer ein Prozeß ist. Das heißt: Was heute als richtig gilt, kann sich morgen durchaus als falsch erweisen, weil man z.B. neue Quellen erschlossen oder eine besser geeignete Analysemethode angewendet hat. Und es gibt auch oft unterschiedliche Ansichten zu ein und demselben Thema, ohne daß man sicher sagen könnte, wer nun recht hat.

So ist das eben mit unserer Welt: Sie ist komplex und nicht leicht zu erfassen. Deshalb wird Forschung auch immer spannend bleiben. Ich hoffe, Sie finden Freude daran!

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