Kulturelle Leistungen in islamischer Zeit am Beispiel Iran


Vor einiger Zeit hatten wir hier eine Diskussion zum Thema „kulturelle Leistungen“. Wenn ich mich recht erinnere, ging es um die Frage, ob es so etwas in der islamisch geprägten Kultur nur in der (weit entfernten) Vergangenheit gab. Und ob es kulturelle Leistungen gibt, die sich vielleicht sogar der Religion Islam verdanken.

Ich habe mich längere Zeit nicht mehr um dieses Thema gekümmert, weil ich unentschieden war, von welcher Seite her ich es anpacken wollte. Man kann dazu mehrere längere Beiträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln schreiben, die eine mehr oder weniger interessante Lektüre abgeben würden. Heute habe ich entschieden, es erst einmal kurz zu machen und ein Element herauszupicken.

Auch dazu könnte ich einen längeren Beitrag mit vielen wichtigen historischen Daten schreiben. Aber es geht um etwas Visuelles, also lasse ich lieber Bilder wirken. Es geht nämlich um die Kalligraphie. Das ist eine Kunstform, die in der islamisch geprägten Kultur besonders stark ausgearbeitet wurde – und zwar aus religiösen Gründen. Man sollte nämlich bildliche Darstellungen von Lebewesen vermeiden.

Nicht etwa, daß man sich daran durchweg gehalten hätte (Ambiguitätstoleranz –  Sie erinnern sich?). Aber zumindest in Moscheen und sonstiger religiöser Architektur, aber auch in religiösen Schriften findet man keine Bilder. Dafür wurde hier kalligraphisch gewirkt. Wie etwa in der Freitagsmoschee in Esfahân:

Reichhaltig ist die kalligraphische Darstellung der arabischen Schrift aber nicht nur aus religiösen Gründen. Vielmehr wurde sie im gesamten islamischen Kulturraum für die unterschiedlichsten Sprachen verwendet – vom Arabischen über das Persische bis hin zum Türkischen und Urdu. Dafür wurde das arabische Alphabet häufig etwas angepaßt.

Das gilt aber nicht nur für das Alphabet, sondern auch für dessen kalligraphische Darstellung. So gibt es zum Beispiel arabische, persische und osmanische kalligraphische Schriftstile. Noch recht jung und besonders charakteristisch für den persophonen Kulturraum (oder die Persophonie eben) in der jüngeren Zeit bis in die Gegenwart ist die Schekaste-Schrift.

Vierzeiler von 'Omar Khayyam in Schekaste-Schrift
Vierzeiler von Omar Khayyam in Schekaste-Schrift

Schekaste heißt übrigens „gebrochen“. Das kann man sich gut merken, wenn man weiß, daß in der Schekaste-Schrift zum Beispiel die Wölbung des Buchstaben „nûn“ (das arabische N) in die entgegengesetzte Richtung gebogen wird – so als hätte man ihm buchstäblich das Rückgrat gebrochen.

Falls Sie sich jetzt fragen, was das denn nun mit der heutigen Kultur zu tun hat und ob wir nicht schon wieder in die glorreiche Vergangenheit abgeschweift sind (die hierzulande durchaus noch bekannter werden dürfte): Aufgrund der großen Bedeutung der Kalligraphie in der islamisch geprägten Kultur, hat sich die Wertschätzung für sie bis heute erhalten.

Deshalb wird sie weiterhin auch gern als Hobby betrieben, aber eben auch als eigene Kunstform. Moderne Beispiele dafür aus unserer Zeit findet man hier:

Die persische Beschriftung lautet übrigens: Honar-e Îrân, das heißt „Kunst Irans“. Ich hoffe, Sie haben Freude daran. 🙂

Bildnachweis

Beitragsbild/Khayyam-Verse in Schekaste-Schrift:
Quelle: Wikimedia Commons
Zeichner: Baba66
Lizenz: Creative Commons 3.0
unverändert übernommen

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3 Kommentare zu „Kulturelle Leistungen in islamischer Zeit am Beispiel Iran“

  1. Aber zumindest … in religiösen Schriften findet man keine Bilder.

    Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die (religiöse ?) Biographie Siyer-i Nebi, ein Epos — wenngleich nicht aus Persien, sondern aus dem Osmanischen Reich — über das Leben des Propheten Mohammed, geschrieben im Jahre 1388, bebildert gegen Ende des 16. Jahrhunderts u.Z.
    Es enthält 814 Bilder zu Leben und Wirken des Islam-Erfinders.

    1. Ok, das wäre dann ein Beispiel. Ich dachte zwar mehr an Hadith, Korankommentare und Jurisprudenz, aber das habe ich natürlich auch nicht im einzelnen überprüft. Sagen wir also: MEISTENS sind die Bilder (von Lebewesen und besonders Menschen) eher in Epen und Geschichtswerken zu finden. Die Prophetenbiographie ist gewissermaßen religiöse Historiographie, also irgendwie beides. Vielen Dank jedenfalls für den Hinweis!

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