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„I love you“ – britische Gesandte am Mogulhof

In der Serie Jodha Akbar gibt es einige Szenen, in denen britische Reisende am Mogulhof gezeigt werden. Akbar (st. 1605) soll von den Briten sogar die englischen Worte „I love you“ erlernt haben, um Jodha seine Liebe zu erklären. Auch Jodha hat – laut Machern der Serie Englisch gelernt.

Auf diesem Blog habe ich schon mehrfach etwas über die Einflüsse der portugiesischen Missionare an Akbars Hof geschrieben. Diese hatten das klare Ziel, Prinzen oder sogar den Herrscher selbst zum Christentum zu konvertieren und somit die portugiesische Macht in Asien auszudehnen.

Die englische Königin Elisabeth I. (st. 1603) versuchte die spanisch-portugisische Vormachtstellung einzudämmen und England als beherrschende See- und Handelsmacht zu etablieren.

Vor allem die Händler und Kaufleute (also eben nicht christliche Missionare) sollten den Britieen den Weg nach Indien (und auch nach China) ebnen. So stattete Elisabeth I. den Händler (?) Ralph Fitch (st. 1611)  mit jeweils einem Brief für den Mogulherrscher und den chinesischen Kaiser aus. Fitch machte sich 1583 mit  den Kaufleuten John Newberry und John Eldred, dem Juwelier namens William Leedes und dem Maler James Story auf die Reise in den „Orient“. Seine Mitreisenden wurden von der Handelsgesellschaft Levant Company finanziert. Newberry war der eigentliche Chef dieser Mission.

Über Aleppo und Bagdad gelangte die Gruppe schließlich nach Indien – wo sie jedoch von den Potrugiesen gefangen genommen wurden und an den Vizekönig von Goa als Gefangene geschickt wurden. Dank des Einsatzes eines Jesuiten, der ursprünglich aus England stammte, erlangten alle ihre Freiheit wieder. Fitch reiste mit Newberry und Leedes weiter nach Agra, wo das Rote Fort kurz vor seiner Vollendung stand. Kurz darauf reisten sie bereits weiter nach Fatehpur Sikri, wahrscheinlich, da sich Akbar dort aufhielt.

Fitch und seine Mitreisenden waren beeindruckt von Agra und Fetehpur Sikri, was sie als erheblich größer und bevolkerungsreicher als Londen beschrieben.

Ganz besonders besonders beeindruckt war Fitch jedoch von der Größe des gesamten kaiserlichen Haushaltes. So berichtete er von

1000 Elefanten, 30000 Pferde, 1400 zahme Rehe, 800 Konkurbinen

und unzählige Tiger, Büffel und andere Wildtiere.

Interessant ist natürlich, dass die 800 Konkurbinen in einer Reihe mit den Tieren des Hofes genannt werden.

Über seinen eigenen Empfang am Hofe berichtet Fitch interessanterweise nichts. Es erscheint also fraglich, ob er überhaupt von Akbar empfangen wurde… Somit wissen wir auch nicht, ob der Brief, den Königin Elisabeths geschrieben hatte, Akbar überhaupt jemals erreichte.

Was wir allerdings wissen, ist, dass der Juwelier William Leedes laut Aussagen Fitchs in die Dienste Akbars eintrat und mit einer großen Summe Geldes, einem Pferd, und einem Haus von Akbar großzügig versorgt wurde.

Newberry hingegen, der über Lahore die Heimreise nach England antreten wollte, wurde im Punjab ermordet.

Fitch jedoch kehrte 1597 wohlbehalten nach England zurück. Seine Erfahrungen als Händler und Reisender stellte er der britischen Regierung zur Verfügung. Sie flossen beispielsweise in die Gründung der East India Company ein.

Die Episode von Akbar, der von britischen Gesandten Englisch lernte, bleibt eine nette Bollywood Anekdote. Aber vielleicht finden sich ja eines Tages doch noch Quellen, die das belegen? Wer weiß…

Das Beitragsbild zeigt das Porträt des Mogulherrschers Akbar von Manohar. Es unterliegt der Wikimedia Commons Licence.

 

 

 

 

 

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